Bezirk Affoltern
13.02.2017

Das Spital Affoltern plant seine Zukunft

Spital Affoltern: Wie schnell ist eine organisatorische und rechtliche Trennung überhaupt möglich? (Archivbild)

Spital Affoltern: Wie schnell ist eine organisatorische und rechtliche Trennung überhaupt möglich? (Archivbild)

Die Spital-Betriebskommission hat sich einiges vorgenommen für 2017: Bis im Sommer soll die Entscheidungsgrundlage für die neue Rechtsform vorliegen, parallel dazu läuft eine Risikoanalyse und bis Ende Jahr sollen die Statuten dem neuen Gemeindegesetz angepasst sein.

von thomas stöckli

Das Spital Affoltern soll schnellstmöglich in Langzeitpflege und Akutspital aufgeteilt, der Zweckverband aufgelöst und durch eine Organisationsform mit mehr Selbstverantwortung ersetzt werden. Diesen Auftrag hat die Betriebskommission (BK) im Dezember letzten Jahres von den Gemeindedelegierten erhalten. Parallel zum Splitting empfahl die Betriebskommission nun, auch die damit verbundenen Risiken unter die Lupe zu nehmen: Was passiert, wenn eine Gemeinde austritt? Was ist mit Schulden, oder Altlasten von Bauten?

Mit der Projektierung Splitting und Risikomanagement wird die Alerion Consult AG beauftragt. Vorausgegangen war dem Entscheid eine Diskussion über die Zuständigkeit: «Das hätte die BK in eigener Kompetenz beschliessen dürfen», fanden verschiedene Delegierte. Die BK argumentierte dagegen, dass die Zahl nicht im Voranschlag gewesen sei und dass sie ihre jährliche finanzielle Handlungskompetenz nicht zu früh ausschöpfen wolle. Die Delegierten hiessen den entsprechenden Kredit über 150000 Franken schliesslich einstimmig gut und taxierten ihn ebenso einstimmig als dringlich. Das Vorprojekt soll bis Juni abgeschlossen sein, damit im Juli der Entscheid für die künftige Rechtsform fallen und die Umsetzung anlaufen kann. Wie schnell eine organisatorische und rechtliche Trennung überhaupt möglich sei, darauf wollte sich die BK noch nicht festlegen.

Herausfordernde Statutenrevision

Weil die künftige Rechtsform noch offen ist – oder bei einer Trennung von Akut und Pflege allenfalls auch die künftigen Rechtsformen –, müssen die Statuten des Zweckverbands in der Zwischenzeit an die Veränderungen angepasst werden, die mit dem neuen Gemeindegesetz kommen. Der Fahrplan sieht dazu auch eine breit abgestützte Abklärung der Bedürfnisse bei Gemeinden und Parteien vor. «Es wird sicher unterschiedliche Auffassungen geben», meint BK-Mitglied Jürg Burger. Er hält es gar für realistisch, dass die Statutenrevision abgelehnt werden könnte. Schliesslich müssen alle Gemeinden zustimmen – bis Ende Jahr kann das Geschäft an den Gemeindeversammlungen behandelt werden, ab 2018 müsste es an die Urnen.

Toni Bortoluzzi: kein Interesse an BK

Zwei Geschäfte wurden an der DV gar nicht behandelt. «Zuwahl eines neuen Mitglieds der Betriebskommission», stand auf der Traktandenliste. Auch hier ist der Handlungsbedarf gross: Ein Sitz ist vakant, zwei der übrigen sechs Mitglieder sind krankgeschrieben. «Wir haben Gespräche geführt, aber leider kann ich keinen Kandidaten vorstellen», so BK-Präsident Clemens Grötsch. Einer, der immer wieder mit der BK in Verbindung gebracht wurde und wird, sass im Publikum: alt Nationalrat Toni Bortoluzzi. «Ich wurde schon mehrfach angefragt», verriet er dem «Anzeiger». Zuletzt habe er sich etwas genauer erkundigt und sich gegen ein Engagement in der BK entschieden.

Ein anderes Geschäft wiesen die Delegierten mit deutlichem Mehr zurück: Mit der Abgabe der defizitären Praxisräume auf dem OVA-Areal an Dritte wollte die BK eine Altlast loswerden. Der entsprechende Antrag traf allerdings erst zwei Tage vor der Versammlung bei den Delegierten ein. «Ich bin entsetzt!», und «Ich finde es eine Schweinerei!», sprach die Stalliker Delegierte Priska Metzger Klartext. «Ich brauche mehr Zeit», fand auch der Affoltemer DelegierteHermann Brütsch. «Wir können es auch im Mai bringen, aber das bringt uns jeden Monat Verlust», begründete Clemens Grötsch die kurzfristige Eingabe. «Das Angebot lag schon vor acht Monaten bei Herrn Straubhaar (ehemaliger Spitaldirektor ad interim, Anm. d. Red.) auf dem Pult», widersprach der Aeugster Delegierte Peter Hoppler der Dringlichkeit, zudem seien die angebotenen 30000 Franken Kostenbeitrag nur ein «Pflästerli».

Spitalleitung reduziert, Chef gekürt

Der neue Ärztliche Leiter des Spitals Affoltern heisst Matthias Wiens, verriet Spitaldirektor Michael Buik zum Schluss der Versammlung. Der langjährige Chefarzt Chirurgie hat die Nachfolge von Roland Kunz bereits angetreten. Positives hatte BK-Präsident Grötsch zur Auslastung zu berichten: über 95% in der Langzeitpflege und über 91% – Tendenz steigend – in der Tagespflege sind hervorragende Werte. Per 1. Juli wird zudem die Spitalleitung um fünf Personen reduziert.

Durchzogen fällt die Zwischenbilanz zur Zusammenarbeit mit den Ärzten im Bezirk aus. Die Anzahl der Einweisungen habe stagniert oder sei gar etwas rückläufig, verriet Buik: Es gibt Stimmen, die das Spital schlechtmachen, habe er festgestellt. Dabei seien die Rückmeldungen der Patienten zu über 90% sehr gut.