Bezirk Affoltern
15.05.2017

Kirchliche Heimat unter ökonomischem Druck

Einstimmung in der Kirche Mettmenstetten durch Pfarrer Andreas Fritz. (Bild Reto Frischknecht)

Einstimmung in der Kirche Mettmenstetten durch Pfarrer Andreas Fritz. (Bild Reto Frischknecht)

An den Kirchgemeindeversammlungen im Juni werden erste Weichen gestellt zum Projekt Kirchgemeinde Plus

von Reto Frischknecht

Auffallend vielstimmig sangen die Teilnehmenden zur Einstimmung das Lied «Laudate omnes gentes». Es waren die Stimmen von 70 Teilnehmenden, die grossmehrheitlich für die Kirche tätig sind in der Kirchenpflege oder der Pfarrei. In vier Referaten wurden die Gründe und Inhalte des Projektes erläutert. Die Sprechenden vertraten Inhalte, die sie grösstenteils bereits am Podiumsgespräch am 24. März in Affoltern erläutert hatten, weshalb hier auf eine erneute Aufzählung verzichtet wird. Aus den Voten ging klar hervor, dass die Kirchgemeinden umdenken müssen. Bei den Fragen zeigte sich, wie kritisch die Berechnung der Pfarrstellen ist. Es sei so, dass kleine Kirchgemeinden heute die Solidarität der grossen Kirchgemeinden strapazierten. In den letzten Jahren sei im Kanton Zürich das durchschnittliche Quorum für eine Pfarrstelle immer im Bereich von 1650 bis 1850 Kirchenmitglieder gewesen. Gleichzeitig habe es Kirchgemeinden gehabt, die mit 300 oder 500 Mitgliedern eine 60- oder 80-Prozent-Pfarrstelle hatten. Die Situation lässt sich aufgrund der Zahlen auf der Projektwebseite www.kirchgemeindeplus.ch relativ leicht beschreiben. Demnach soll die heutige Pfarrstellenzuteilung noch bis zum 30. Juni 2020 gelten. Dann folgt eine neue Regelung, gemäss der neuen Kirchenordnung. Die Projektleitung des Kantons geht davon aus, dass 2030 noch rund 20 Prozent der Einwohner der reformierten Kirche angehören werden. Diese Zahlen kombiniert und unter der Annahme, dass das Quorum von 1650 Mitgliedern pro Pfarreistelle beibehalten wird, werden ab 2030 noch eine Pfarreistelle pro 8000 Einwohner respektive 6,5 Pfarreistellen für den ganzen Bezirk zugesprochen.

Inhalte der Abstimmungen im Juni

Den Kirchgemeindeversammlungen werden im kommenden Juni zwei Anträge unterbreitet. Antrag 1: Grundsatz – Verhandlungen im Hinblick auf einen Zusammenschluss führen. Antrag 2: Priorität – Verhandlungen im Hinblick auf eine Kirchgemeinde im Bezirk. Es werden also Weichen gestellt für Verhandlungen. Definitiv entschieden wird in rund zwei Jahren, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind. In elf Kirchgemeinden werden diese Anträge unverändert vorgelegt, in Obfelden und Stallikon-Wettswil in abweichender Form.

Zur Frage, wie denn vorgegangen werde, wenn einzelne Gemeinden im Juni die Anträge ablehnen würden, wurde erklärt: «Es ist nicht Bedingung, dass alle Kirchgemeinden zustimmen, die Verhandlungen werden dann einfach mit weniger Gemeinden geführt.» Auch bestehe die Möglichkeit, später in das Projekt einzusteigen, allerdings dann ohne Mitsprache bei den Inhalten, die bis zu dem Zeitpunkt bereits entschieden worden sind.

Vieles zu den Entwicklungen in den Kirchgemeinden ist noch unklar und muss noch mit Leben gefüllt werden, wie auch die Antwort zur Frage des Mettmenstetters Peter Spiller, was denn das Ziel bedeute, «die örtliche, kirchliche Heimat muss gewährleistet sein». Schon fast im Sinne einer Zusammenfassung sagte der Rifferswiler Kirchpflegepräsident Hans Ulrich Meier: «Die Dimension ist für uns noch nicht genug gut vorstellbar.» Rifferswil werde sich dem Prozess stellen, plädiere jedoch dafür, schrittweise vorzugehen und das Fuder nicht zu überladen. Auch habe er den Eindruck, dass kleine Gemeinden fast keine Optionen mehr hätten, als sich einem grösseren Gebilde anzuschliessen. Trotz grosser Skepsis wolle Rifferswil an dem Prozess mitmachen, um mehr Informationen zu haben und dann zu entscheiden.

Resultate der bisherigen Arbeiten des Projektteams Kirchgemeinde+ im Bezirk Affoltern unter www.ref-saeuliamt.ch.