Bezirk Affoltern
12.06.2017

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Der Wegweiser symbolisiert Werte, die das Schulheim Pestalozzi seinen Kindern mit auf den Weg geben will. Von links: Stiftungsratspräsident Robert Karrer, Regierungsrätin Silvia Steiner und Heimleiter Daniel Schnyder. (Bild Thomas Stöckli)

Der Wegweiser symbolisiert Werte, die das Schulheim Pestalozzi seinen Kindern mit auf den Weg geben will. Von links: Stiftungsratspräsident Robert Karrer, Regierungsrätin Silvia Steiner und Heimleiter Daniel Schnyder. (Bild Thomas Stöckli)

Die Pestalozzistiftung feierte ihr 150-jähriges Bestehen – 50 Jahre davon in Knonau

von Thomas Stöckli

Als «landwirtschaftliche Erziehungsanstalt für arme, verwahrloste Knaben», wurde die Pestalozzistiftung vor 150 Jahren lanciert. Gründerin war damals die Gemeinnützige Gesellschaft, die 50000 Franken Stiftungskapital lieferte ein Baumwoll-Industrieller. «Die Stiftung ist ein Werk der Zivilgesellschaft», betonte denn auch Robert Karrer, der sich seit 45 Jahren ehrenamtlich im Stiftungsrat engagiert und diesen seit 30 Jahren präsidiert.

Mit zwölf Schülern nahm das ursprüngliche Heim in Schlieren im November 1867 den Betrieb auf. Diese Zahl sollte stetig anwachsen, bis auf 40 Schüler. Für so viele war dann auch die neu erstellte Einrichtung in Knonau ausgelegt, welche man 1967 bezog. Im Laufe der Zeit wurde dann sowohl die Anzahl als auch die Grösse der Wohngruppen reduziert auf die heutigen 24 Plätze.

Lobende Worte von der Bildungsdirektorin

«Sie meistern ihren Auftrag in qualitativ hochstehender Art und bieten den Schülern ein verlässliches Zuhause und die dringend benötigten Strukturen», so würdigte Regierungsrätin Silvia Steiner die Arbeit, welche im Schulheim der Pestalozzistiftung geleistet wird. Vor dem Jubiläum habe sie ihre Mitarbeiter ins Archiv geschickt, verriet sie – und diese förderten Spannendes zu Tage. So waren zur Gründungszeit die Hauseltern alleine für Erziehung, Schule und Freizeitgestaltung verantwortlich – und halfen nebenbei noch bei der Arbeit in Haus und Hof mit. «Eine Lebensaufgabe», so Silvia Steiner und wagte den Vergleich mit einer heutigen «normalen» Primarschule, in der Kinder bis zu zehn Bezugspersonen haben.

Stärken im handwerklichen Bereich

 

«Die Schullandschaft hat sich stark gewandelt», so die Bildungsdirektorin, «und dieser Wandel geht weiter.» So setzte man in den letzten Jahren immer mehr auf den integrativen Gedanken. Stiftungsratspräsident Robert Karrer verfolgt diese Entwicklung kritisch: Die Vorstellung, dass die Klasse den schwachen Schülern hilft und sie mitnimmt, sei ein Idealbild, das man nicht in jeder Volksschulklasse voraussetzen könne: «Es gibt Klassen, die aktiv ausgrenzen und mobben», weiss er.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand – darum ging es schon vor 150 Jahren und auch heute gilt der ganzheitliche Ansatz der Pädagogik noch. Gerade im Handwerklichen kann das Schulheim Pestalozzi seinen Schülern Möglichkeiten bieten, die es in einer öffentlichen Schule nicht gibt. Dazu gehört die Mitarbeit im eigenen Landwirtschaftsbetrieb. «Das ist für die Schüler keine Bürde, sondern eine Freude», weiss Heimleiter Daniel Schnyder – auch aufgrund von Rückmeldungen.