Bezirk Affoltern
15.06.2017

Kloster Kappel soll aufgewertet werden

Auch über die Gestaltung der Klostergärten wurde diskutiert. (Archivbild)

Auch über die Gestaltung der Klostergärten wurde diskutiert. (Archivbild)

Die Synode, das Parlament der Zürcher Landeskirche, hat das Bauvorhaben zur Aufwertung des Klosterareals für 3,07 Mio. Franken am Dienstag nach reger Debatte mit 82 Ja- zu 10 Nein-Stimmen deutlich gutgeheissen.

Im Zentrum der Synodesitzung vom vergangenen Dienstag, 13. Juni, stand das Bauvorhaben im Kloster Kappel, dem Bildungshaus der Zürcher Landeskirche. Der Kirchenrat beantragte der Kirchensynode einen Kredit über 3,07 Mio. Franken für die Aufwertung des Klosterareals. Diese beinhaltet, das aus den 80er-Jahren stammende Flachdach über der Küche zu sanieren, eine Terrasse mit 80 Sitzplätzen zu erstellen und das Gartenkonzept neu zu fassen.

Die Bauvorhaben erfolgen in Abstimmung auf das im Jahr 2011 lancierte Gesamtprojekt «Revitalisierung und Entwicklung Kloster Kappel». Dieses zielt auf eine Neuorganisation der gesamten Anlage und beinhaltet eine Wiederbelebung der Klostergärten. Da der Verein Kloster Kappel – bestehend aus den 13 Kirchgemeinden des Bezirks Affoltern sowie der Zürcher Landeskirche – als Eigentümer das ganze Projekt nicht allein stemmen kann, wird er den kantonalen Lotteriefonds bis Ende Jahr um Unterstützung in Höhe von 12 Mio. Franken ersuchen.

Der Synode werde das Messer an den Hals gesetzt, sagte anfänglich Gerold Gassmann, Winterthur Mattenbach, Präsident der vorberatenden Kommission, hinsichtlich der Komplexität der Vorlage und des Minderheitsantrags von Hans Rüttimann, Rickenbach. Dieser knüpfte die Genehmigung des Bauvorhabens an den Vorbehalt, dass der Verein Kloster Kappel zustimme und gleichzeitig das Revitalisierungsprojekt zustandekomme. Ohne letzteres sei das landeskirchliche Projekt unverantwortlich, argumentierte Rüttimann. Zudem könne die Sanierung des Flachdachs notfalls auch als gebundene Ausgabe allein getätigt werden.

Attraktivität der Anlage stärken

Margrit Hugentobler, Präsidentin der Finanzkommission, räumte ein, das Projekt sei in der Tat hochkomplex und zeitintensiv, insgesamt jedoch überzeugend. Die Frage, ob die Investition der nachhaltigen Ertragssicherung der Anlage diene, könne die Finanzkommission nach gründlicher Abklärung bejahen. Auch Kirchenrätin Katharina Kull sprach von einer einmaligen Chance, um die Attraktivität der Anlage im Sinn der Landeskirche langfristig zu stärken. Kull warnte gar, ein Nein würde das Gesamtvorhaben gefährden, da der Lotteriefonds eine Eigenleistung fordere. Ob der Kantonsrat diesen Betrag gutheisse, sei allerdings noch offen.

Im Namen der Liberalen lehnte Urs-Christoph Dieterle, Uster, den Minderheitsantrag ab, da der Lotteriefonds-Betrag in die Kompetenz des Kantons falle und die Planungssicherheit dadurch in Frage gestellt sei. Theddy Probst, Wildberg, zeigte sich angesichts der mit dem Projekt verbundenen Sachzwänge irritiert und fragte, ob die drei Millionen Franken nicht eher für Gemeindeaufbau statt Infrastruktur zu verwenden seien. Auch Matthias Reuter, Egg, kritisierte, der Kirchenrat lege «ein scheinbar nötiges Ganzes» vor und schlage einen grossen Bogen zum Lotteriefonds.

Hotellerie als Erfolgsmodell

In der Detailberatung fragte Dieter Graf, Richterswil, nach dem Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben der Klosteranlage. Nach Auskunft von Kirchenrätin Kull ist das Kloster Kappel ein Erfolgsmodell, das im Jahr 2016 einen betrieblichen Ertrag von gut vier Mio. Franken erwirtschaftet hat. Daher sei es richtungsweisend, die Hotellerie auch künftig zu fördern. Manuel Amstutz, Zürich Industriequartier, nannte den Minderheitsantrag auf den ersten Blick sympathisch. Doch bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass die Kirchensynode dadurch ihre Verantwortung abschiebe und Kappel im schlechtesten Fall – bei Ablehnung durch den Lotteriefonds – weder das neue Dach noch die Gärten bekomme, also auf Feld eins zurückfalle.

Auch über die Gestaltung der Gärten, die Grösse der Terrasse und die Notwendigkeit von Pro Specie Rara wurde diskutiert. Einige emotionale Voten provozierte zudem die kurze Diskussion über die geplante Mauer. Schliesslich wurde der Minderheitsantrag mit 73 Nein zu 27 Ja bei 5 Enthaltungen abgelehnt. Das Bauvorhaben wurde mit 82 Ja gegen 10 Nein bei 13 Enthaltungen angenommen.

Der Verein Kloster Kappel als Eigentümer der Domäne und Bauherr hatte im Jahr 2011 das «Programm Revitalisierung und Entwicklung Kloster Kappel» mit dem Ziel lanciert, die Anlage angesichts des wachsenden Besucherstroms aufzuwerten und die Infrastruktur zu erneuern. Das aus einem Architekturwettbewerb als Sieger hervorgegangene Projekt «Intra Muros – Extra Muros» sieht vor, die Klosteranlage klarer zu gliedern und ihre Stellung in der Landschaft mit der Wiederherstellung der barocken Klostermauer im Norden und Nordosten zu unterstreichen. Im Süden soll vor dem Konventsgebäude ein Lustgarten mit Kräutern errichtet werden, im Südwesten ein Pro-Specia-Rara-Schaugarten. (pd.)