Bezirk Affoltern
28.08.2017

Gutes Verhältnis zur Nachbarschaft wichtig

Die Aquila A210 des Swiss Flying Club kehrt von einem Flug zurück. (Bild Andrea Bolliger)Der Flugplatz Hausen aus der Luft. Das Bild entstand anlässlich einer Schweizer Segelflug-Meisterschaft in den 60er-Jahren. (Bild zvg.)

Die Aquila A210 des Swiss Flying Club kehrt von einem Flug zurück. (Bild Andrea Bolliger)

Der Flugplatz Hausen aus der Luft. Das Bild entstand anlässlich einer Schweizer Segelflug-Meisterschaft in den 60er-Jahren. (Bild zvg.)

Die Flugplatzgenossenschaft Hausen-Oberamt (Fgho) wird 20 Jahre alt

von Andrea Bolliger

Die Ausbildung von Piloten hatte auf dem Flugplatz Hausen seit seiner Gründung 1963 einen grossen Stellenwert. Die Schweizerische Luftverkehrsschule (SLS) bildete hier ihre Piloten aus. Im Juli 1997 erhielt der letzte Schüler der SLS die Lizenz. Die Eidgenossenschaft kündigte den Vertrag zwischen ihr und der SLS 1996. Damit stand der Träger des Flugplatzes vor dem Aus. Lokale Piloten der seit Beginn in Hausen ansässigen Sportfluggruppen schlossen sich zusammen und gründeten am 23. Mai 1997 die Flugplatzgenossenschaft Hausen Oberamt. Nur wenig später wurde sie ins Handelsregister eingetragen. Es war die Zeit der Privatisierung von Flugplätzen. Es folgten Verhandlungen mit dem Finanzdepartement des Bundes, die dazu führten, dass die Fgho den Platz 1999 kaufen und übernehmen konnte. Seither ist sie für die Sicherstellung, den Bestand und den Betrieb des Flugplatzes zuständig. Das Jubiläum feierte sie am vergangenen Samstag mit einem Hangarfest.

Nach wie vor hat die Aus- und Weiterbildung einen sehr hohen Stellenwert. Zwei Drittel der jährlichen 12000 bis 13000 Flugbewegungen sind Ausbildungsflüge. Bis zum Grounding der Swissair im Oktober 2001 bildete die Nachfolgerin der Schweizerische Luftverkehrsschule SLS, die Swissair Aviation Scool Sras, Piloten auf dem Flugplatz Hausen aus. Damit fielen wichtige Einnahmequellen für den Flugplatz weg. In der Folge konnten Flugschüler von den Flugplätzen Buttwil, Beromünster und Zürcher Flugplätzen übernommen werden. Heute sind es die privaten Fluggruppen, Albis Wings, Fly Alpenrose, Swiss Flying Club sowie die Segelfluggruppen Knonaueramt, Möve und Skylark, welche Piloten ausbilden. Mit der Skyparts GmbH ist auch ein Easa (European Aviation Safety Agency) zertifizierter Flugzeugunterhaltsbetrieb auf dem Flugplatz Hausen domiziliert.

Weniger Lärmimmissionen

Die Flugplatzgenossenschaft Hausen bemüht sich stets um ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn. Die modernen Schulungsflugzeuge des Typs Aquila A210 mit ihren Rotax-Motoren sind deutlich leiser als die früher eingesetzten Piaggio 149 und die Piper Archer II. Anderen Flugzeugen wurden Schalldämpfer eingebaut. Zudem ist das Flugplatzreglement restriktiv und verlangt von den Piloten viel Disziplin, gerade was die Flugrouten betrifft. Piloten müssen das Handbuch gelesen haben und bestätigen, dass sie den Inhalt verstanden haben. Der Flugplatz Hausen darf von auswärtigen Flugzeugen nur nach Bewilligung durch den Flugplatzleiter angeflogen werden. Mit Ausnahme der Schweizer Luftwaffe, die ab und zu mit einem Eurocopter oder einem Pilatus Porter vorbeikommt, dürfen keine Helikopter, zweimotorige- oder Turbinen-Flugzeuge in Hausen landen. «Es ist ein Geben und Nehmen», sagt der Präsident der Verwaltung Thomas Della Casa. So stellt die Fgho im nächsten Jahr die Infrastruktur des Flugplatzes fürs Kantonale Schwingfest während einer Woche zu Verfügung.

Manche Renovierungen und Erneuerungen sind notwendig. So wurde 2012 die Graspiste instand gestellt und die Tankstelle den heutigen Vorschriften entsprechend erneuert. Es waren einzelne Genossenschafter, welche den ambitionierten Aus- und Neubauplänen des Hangars nicht zustimmten, weil sie diese nicht für realistisch hielten. Trotz bereits genehmigten 1,732 Millionen vom Bazl verzichtet die Ende 2014 neugewählte Verwaltung darauf. «Hausen liegt zwischen drei Dörfern, die stetig wachsen. Da ist es illusorisch, neue Bedürfnisse bedienen zu wollen», so Thomas Della Casa.

Knapper Luftraum und andere Schwierigkeiten

Die Leichtaviatik fliegt nach Sichtflugregeln. Der Luftraum wird auch im Fluggebiet des Knonauer Amts immer knapper, was vor allem Segelflugpiloten Schwierigkeiten bereitet, denn sie dürfen sich nicht unbeschränkt in die Höhe tragen lassen. Kopfzerbrechen bereiteten der Fgho immer wieder Regulierungen seitens des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Einmal sei es Thema gewesen, den Flugplatz mit einem Maschendrahtzaun, einzuzäunen. Das Bazl konnte schliesslich doch noch davon überzeugt werden, dass die jetzige Umzäunung genügt. Ein anderes Anliegen betraf die Pistenmarkierung. Inzwischen verlaufe die Zusammenarbeit mit dem Bazl aber gut, hält Thomas Della Casa fest.

Besucher sind stets willkommen

Auf dem Flugplatz Hausen gibt es keinen Gastronomiebetrieb. Der Kiosk-Container vor dem Flugplatzgebäude ist seit mehreren Jahren verschwunden. Es konnte damals keinen neuen Betreiber oder eine Betreiberin gefunden werden. Nach Abschluss der Auffrischung des C-Büro-Gebäudes, zirka Ende September, werden wieder Getränke und Snacks in Selbstbedienung angeboten. Der Flieger-Kiosk ist nicht gewinnorientiert und wird auf freiwilliger Basis betrieben. Das Gebäude erhält einen neuen Anstrich, die Fenster werden ausgetauscht, und das durchlässige Dach wird frisch isoliert.

«Besucher sind auf dem Flugplatz stets willkommen», sagt Thomas Della Casa. Am Wochenende finden sie in der Person des Flugdienstleiters eine Ansprechperson. Dieser sorgt für den ordnungsgemässen Ablauf auf dem Vorfeld und eine reibungslose Koordination der auf der Gras- und Betonpiste startenden und landenden Flugzeugen. Als Flugdienstleiter amten Piloten, die sich für eines oder mehrere Wochenenden pro Saison zur Verfügung stellen. Sie werden für ihren Aufwand entschädigt. Für andere Arbeiten darf die Flugplatzgenossenschaft auf die freiwillige Mitarbeit von meist langjährigen Mitgliedern zählen. Jeder Benutzer des Flugplatzes zahlt eine Pauschale von 100 Franken im Jahr. Diese kann er am Putztag im November abarbeiten. So nimmt der eine oder andere Flugplatzbenutzer eher einen Besen in die Hand und hilft mit, Hangar und Infrastruktur auf Vordermann zu bringen.