Bezirk Affoltern
13.11.2017

Ärzte und Patienten im Dilemma von «Wollen» und «Sein»

Organisator Christoph Balmer (links) und die Podiumsteilnehmenden. Von links: Patientenschützerin Brida von Castelberg, Gesundheitsökonom Konstantin Beck, Referentin Nikola Biller-Adorno, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte an der Universität Zürich; Psychotherapeutin Veronica Defièbre-Baud und Moderatorin Annina Hess-Cabalzar, Präsidentin Akademie Menschenmedizin. (Bild Regula Zellweger)

Organisator Christoph Balmer (links) und die Podiumsteilnehmenden. Von links: Patientenschützerin Brida von Castelberg, Gesundheitsökonom Konstantin Beck, Referentin Nikola Biller-Adorno, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte an der Universität Zürich; Psychotherapeutin Veronica Defièbre-Baud und Moderatorin Annina Hess-Cabalzar, Präsidentin Akademie Menschenmedizin. (Bild Regula Zellweger)

Rund 200 Personen, vorwiegend aus Wirtschaft, Gesundheits- wesen und Kirche, nahmen am vergangenen Mittwoch in Kappel an einem vom «Forum Kirche und Wirtschaft» organisierten Anlass teil. Viele Fragen wurden aufgeworfen und engagiert diskutiert.

von Regula Zellweger

Verschiedene Interessengruppen nehmen Einfluss auf die Entscheide von Patienten und deren Angehörige. Viele Leute suchen im Krankheitsfall oft verzweifelt nach Orientierung in diesem Spannungsfeld der Meinungen, Wünsche und Diagnosen. Referentin Nikola Biller-Adorno, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte an der Universität Zürich und die Podiumsteilnehmenden plädierten für Transparenz und machten den Anwesenden Mut, sich eigenverantwortlich mittels Information Klarheit zu verschaffen und ihren Willen klar zu formulieren.

Verantwortungsgefühl ist gefragt

Zwischen Über- und Unterversorgung die Grenze zu ziehen, ist für jeden Einzelnen nicht einfach. Die Meinungen, wo eine Grenze zu ziehen sei, ist individuell unterschiedlich. Die Bandbreite zwischen Patienten, die glauben, weil sie Krankenkassenprämien bezahlt haben, sich wie in einem Warenhaus bedienen zu können und den Patienten, die bewusst die Kosten niedrig halten und nur im äussersten Notfall einen Arzt aufsuchen, ist riesig.

Ärzten fällt es oft schwer, allzu begehrliche Patienten in die Schranken zu weisen, beispielsweise bei einem wenig gerechtfertigten Wunsch, sich krankschreiben zu lassen. Zudem gehen diese «Patienten» einfach zu einem anderen Arzt – was die Sache noch teurer macht.

Medizintechnik und Pharmaindustrie

 

Oft wird der Medizintechnik und der Pharmaindustrie für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen der schwarze Peter zugeschoben. Darum sollte es aber am vergangenen Mittwoch nicht gehen. Es wurde nach Lösungsansätzen gesucht. Patienten wurden aufgefordert, eine aktive Rolle in ihrer Gesundheitsvorsorge zu übernehmen. Nachdenklich wurde wohl jeder Besucher, als es darum ging, sich Gedanken darüber zu machen, wie man sein eigenes Leben zu Ende leben will. Und darüber mit seinen Nächsten zu sprechen, klar zu formulieren, wie der Wille ist. Denn allzu schnell kann man in eine Situation kommen, in der man weder die Möglichkeit noch die Zeit hat, seinen Willen kundzutun.

Der Abend bewies, dass der Organisator des Anlasses, Christoph Balmer, mit seiner Behauptung richtiglag: «Eine spannende Veranstaltung zu einem Thema, das uns alle direkt oder indirekt betrifft.»