Bezirk Affoltern
12.04.2018

«Tranquillo» – authentisch anstatt perfekt

Tobias Kubli mit der für ihn zum Markenzeichen gewordenen Schulterkamera. (Bilder zvg.)Noah Bohnert produzierte «Tranquillo».

Tobias Kubli mit der für ihn zum Markenzeichen gewordenen Schulterkamera. (Bilder zvg.)

Noah Bohnert produzierte «Tranquillo».

Ein neuer Zürcher Spielfilm läuft im Kino, mit Säuliämtler Beteiligung.

von Salomon Schneider

Mit Tobias Kubli als Kameramann und Noah Bohnert als Produzent haben sich zwei junge Säuliämtler mit viel Engagement für das Gelingen des ambitionierten Filmprojekts Tranquillo eingesetzt. Gerade Tobias Kubli hat mit seiner eigenständigen Art der Kameraführung und seinem Auge für Stimmungen «Tranquillo» geprägt: «In der Schweiz wird sehr oft mit statischen Aufnahmen gearbeitet. Um die Hektik und das Zürcher Partyleben authentisch auf die Leinwand zu bringen, wollten wir mehr Bewegung hineinbringen. Gleichzeitig hat Zürich auch seine ruhigen Seiten, für diese Szenen haben wir mit langen, statischen Einstellungen gearbeitet. Dieser Kontrast – der Zürich ausmacht und der Stadt ihre Lebensqualität und ihre Dynamik verleiht – ist ein zentrales Element von ‹Tranquillo›. Dazu trägt auch bei, dass neben einigen Sonne-momenten die Stimmung oft in Grautönen gehalten ist.»

Eine nachdenkliche Geschichte – direkt aus dem Leben

«Tranquillo» erzählt die Geschichte eines jungen Zürchers, der unter einem Tinnitus (einem konstanten Pfeifen im Ohr) leidet, mit seiner Freundin und seinen Kollegen. Es ist eine nachdenkliche Geschichte – direkt aus dem Leben, eingelegt in ein urbanes Portrait einer jungen Generation der heutigen Schweiz.

Alle Beteiligten haben unentgeltlich am Projekt mitgearbeitet. Dem eingeschworenen Team ging es auch darum, einmal einen Langspielfilm zu drehen. Vor drei Jahren ist der Drehbuchautor und Regisseur Jonathan Jäggi mit «Tranquillo» auf Tobias Kubli zugekommen: «Zuerst dachte ich, dass es unmöglich sei, ohne namhaftes Budget einen Film zu produzieren. Als das Projekt gewachsen ist, sind dann aber auch meine Begeisterung und Zuversicht gestiegen.» Finanziert wurde die Produktion ohne öffentliche Fördergelder. In der Postproduktion konnte dann Migros-Kulturprozent doch noch als Sponsor gewonnen werden.

So anspruchsvoll ist Filmarbeit

Tobias Kubli hat bereits in der Sekundarschule seine Begeisterung für den Film entwickelt und auch während des musischen Gymnasiums immer wieder im Filmbereich gearbeitet. Nach einem Jahr als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Filmprojekten hat er sich selbstständig gemacht. Seit fünf Jahren arbeitet er als freischaffender Kameramann und Regisseur. «Tranquillo» ist sein erster Langspielfilm: «Wir waren ein unerfahrenes Team und hatten ein sehr beschränktes Budget – waren aber auch hungrig und innovativ. Wir mussten sehr effizient arbeiten. Die Schauspielenden haben mit dem Regisseur alle Szenen intensiv geprobt und sind hervorragend vorbereitet zum Dreh gekommen. Das zeigte sich in der anspruchsvollsten Szene des Films, die einen Streit auf einer Terrasse zeigt. Sie wurde in der ‹Blue Hour› gedreht, nach Sonnenuntergang, wenn sich die Dunkelheit aber noch nicht über den Himmel gelegt hat. Eine kurze Zeitspanne mit speziellem Licht. Die Szene dauert zehn Minuten und konnte dank optimaler Koordination schlussendlich ungeschnitten in den Film übernommen werden. In dieser Situation durften keine Fehler passieren und das haben wir in nur vier Einstellungen hingekriegt – obwohl Schauspiel, Kamera, Beleuchtung und Zeit stimmen mussten.»

Authentizität anstatt Perfektion

Solche Sequenzen sind exemplarisch für den innovativen Stil von «Tranquillo». Die einzelnen Szenen sind nur ganz selten durch Schnitte unterbrochen und die Kamera bewegt sich mit den Schauspielenden. Dadurch entsteht eine Nähe – als wäre man als Zuschauer selber mit dabei.

«Gerade für Jungfilmer kann ‹Tranquillo› eine riesige Inspiration sein. Er ist der Beweis, dass es nicht viel Erfahrung und Geld braucht, um einen tollen Film zu produzieren. Gleichzeitig können die Zuschauenden aber auch keinen Hollywoodstreifen erwarten. Hätten wir mehr Budget gehabt, hätten wir sicher noch mehr Einstellungen drehen können. Anstatt Perfektion sehen die Zuschauenden Authentizität», erläutert Noah Bohnert.

«Tranquillo» läuft im Kino Riffraff, Neugasse 57, Zürich, um 14.40 Uhr, 18 Uhr, 19.40 Uhr und 21.20 Uhr sowie in Bern, Luzern und Biel.