Bezirk Affoltern
06.09.2018

Stress habe sie aus der Balance geworfen

Rückt für Susanne Leuenberger in den Kantonsrat nach: Rechtsanwalt Hans Finsler, hier in seiner Kanzlei in Affoltern. <em>(Bild Werner Schneiter)</em>

Rückt für Susanne Leuenberger in den Kantonsrat nach: Rechtsanwalt Hans Finsler, hier in seiner Kanzlei in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

Anfang dieser Woche ist die Affoltemer SVP-Kantonsrätin Susanne Leuenberger zurückgetreten – wegen beruflicher Belastung und der damit einhergehenden gesundheitlichen Probleme. Nachfolger ist Rechtsanwalt Hans Finsler.

von werner schneiter

Als Mitglied der kantonsrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (Kssg) befasste sich Susanne Leuenberger nach ihrem Eintritt im Mai 2015 insbesondere mit gesundheits- und sozialpolitischen Themen – mit Engagement und Freude, weil sie in diesen Bereichen den ganzen gesetzgeberischen Prozess miterlebt und mitgestaltet hat, wie sie anfügt. In dieser Zeitspanne hat sie als Erstunterzeichnerin zwei Vorstösse eingereicht: eine Anfrage und eine Interpellation zu den Kesb-Kosten. Zweimal war Susanne Leuenberger als Mitunterzeichnerin an Bord – bei einer Anfrage zu den «Folgen der Willkommenskultur» und bei der Potenzialstudie für eine interkantonale Mittelschule im Säuliamt. «Ich habe im Rahmen meiner Ratstätigkeit spannende und interessante Jahre erlebt, viele Kontakte geknüpft und kann wertvolle Erfahrungen mitnehmen», sagt sie.

Susanne Leuenberger scheidet nach eigenen Worten ungern aus dem Kantonsrat aus, aber den Rücktritt hält sie mit Rücksicht auf ihre Gesundheit für unvermeidbar. Zuvor hatte sie Ende 2017 schon in der Betriebskommission des Spitals Affoltern demissioniert. «Ich habe feststellen müssen, dass Menschen nicht unbegrenzt belastbar sind. Der Stress hat mich aus der Balance geworfen, die ich nun wieder ins Lot bringen muss», fügt sie bei. Ihre Partei, die SVP, lässt sie nur ungern ziehen: «Wir bedauern diesen Schritt ausserordentlich. Mit Genugtuung dürfen wir aber zur Kenntnis nehmen, dass Susanne Leuenberger gewillt ist, ihr Amt als Stadträtin und Finanzvorsteherin von Affoltern mit Engagement weiter wahrzunehmen», hält die Partei in einer Medienmitteilung fest.

Im Frühjahr 2018 ist Susanne Leuenberger wieder in den Stadtrat von Affoltern gewählt worden – nicht so ihr Ratskollege Hans Finsler, der nun – auf dem ersten Ersatzplatz der SVP-Liste figurierend – nachrückt. Er erzielte bei den Kantonsratswahlen im Frühling 2015 exakt die gleiche Stimmenzahl wie Beatrice Sommerauer Nägelin aus Hausen, die aber auf der Liste hinter Finsler liegt und ihm somit den Vortritt lassen muss.

Für Gemeindeautonomie starkmachen

Die Abwahl aus dem Stadtrat in Affoltern bezeichnet Hans Finsler zwar als Enttäuschung, nicht jedoch als Überraschung. Und zwar deshalb, weil nach Bildung einer Einheitsgemeinde mit Schulpräsidentin Claudia Spörri eine SVP-Vertreterin in den Stadtrat gewählt wurde, zusammen mit SVP-Frau Leuenberger. «Drei SVP-Vertreter in der Exekutive – das wollten die Stimmberechtigten nicht. So musste ich halt über die Klinge springen», fügt Finsler bei, der der Exekutive während acht Jahren angehört hatte. Rückenwind erhält er aus den eigenen Reihen: «Mit dem Juristen Finsler kann die SVP weiterhin eine markante Persönlichkeit in den Zürcher Kantonsrat entsenden», schreibt die Bezirkspartei.

Diese Erfahrung will der lic. iur. Rechtsanwalt aus Zwillikon mit Kanzlei in Affoltern in den Kantonsrat mitnehmen und sich dort unter anderem für Gemeindeautonomie starkmachen. Und er will sich einsetzen, dass bei Sparübungen für Kommunen nicht noch mehr Kostenüberlagerungen resultieren. «Der Handlungsspielraum für Gemeinden ist extrem gering. Vieles – auch im Bereich der Bau- und Zonenordnung oder bei Strassen – müsse der Kanton bewilligen. Dazu gebe es wohl gute Gründe, aber man müsse sich auch gegen ein Diktat von übergeordneter Stelle wehren können, hält Finsler fest. Da will er sich einbringen, auch wenn er einen Grossteil der Geschäfte im Kantonsrat als «alltäglich» bezeichnet, deren schnelle Behandlung dazu diene, die grosse Traktandenliste abzubauen. Ob sein Wunsch in Erfüllung geht und er entweder in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) oder in der Kommission Planung und Bau (KPB) Einsitz nehmen kann, darüber entscheidet dann die Fraktion der SVP.