Bezirk Affoltern
24.09.2018

Die «Wiesenkönige» aus Sellenbüren

Mit sorgsamer Pflege der Biodiversitäts-Förderflächen Preise gewonnen: Landwirt Daniel Derrer auf der Feuchtwiese im Diebis am Üetliberg. Im Hintergrund der Fernsehturm. <em>(Bild Werner Schneiter)</em>

Mit sorgsamer Pflege der Biodiversitäts-Förderflächen Preise gewonnen: Landwirt Daniel Derrer auf der Feuchtwiese im Diebis am Üetliberg. Im Hintergrund der Fernsehturm. (Bild Werner Schneiter)

Für seine Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen hat Daniel Derrer, Landwirt aus Sellenbüren, zwei der vier Kategorien der Zürcher Wiesenmeisterschaft gewonnen. Die Auszeichnung gilt auch für Robert Sidler, mit dem der Preisträger eine Betriebsgemeinschaft unterhält.

von werner schneiter

Daniel Derrer, 29-jährig, ist in Bonstetten aufgewachsen und hat – wie sein Vater – den Beruf des Kaminfegers erlernt. Landwirtschaft hat ihn aber schon als Knabe interessiert und ihn immer wieder auf den Bauernhof getrieben. Seine Affinität zu diesem Beruf festigte Derrer schliesslich mit einer Lehre als Landwirt, verbunden mit siebenmonatigem «Studium» am Strickhof. Später kam noch die Betriebsleiterschule dazu. Zwei Jahre arbeitete er hernach als Angestellter auf einem Betrieb in Wettswil, ehe er 2012 den Hof von Arthur Stutz in Sellenbüren in Miete übernahm und zwei Jahre später zum Pächter wurde. Seit diesem Zeitpunkt übt er seinen Beruf in einer Betriebsgemeinschaft mit Landwirt Robert Sidler aus: 28 Milchkühe plus ein Stier, Aufzucht von Mastkälbern, dazu 19 Mutterkühe und ein Stier – so lautet der derzeitige Stand auf den beiden Höfen; Robert Sidler ist für die Fleischproduktion verantwortlich. Produktionszweige bilden auch Fruchtfolgeflächen mit Silomais, Wintergerste und -weizen sowie Triticale, IP-Suisse-Brotweizen.

Ein Drittel als Biodiversitäts-Förderflächen ausgeschieden

So weit die ökonomische Seite. Naturschutzflächen gibt es am Hang des Üetlibergs schon seit vielen Jahren. «Robert Sidler hat die Gebiete von 1980 bis 2012 betreut. Er unterstützt mich tatkräftig», sagt Daniel Derrer. Heute sind 20,7 ha der insgesamt 62,8 ha der Gesamtbetriebe als Biodiversitäts-Förderflächen (BFF) ausgeschieden, die extensiv bewirtschaftet werden müssen und Bestandteil sind der vor noch nicht langer Zeit erlassenen Schutzverordnung am Üetliberg. Diese Flächen werden auch von Biologen überwacht und dürfen jährlich ein- bis dreimal gemäht werden – auch das ist heikel. «Beim Mähen muss ich jeweils einen Plan zur Hand nehmen», hält der Preisträger fest. Die beiden Bewirtschafter müssen auch beim Mähvorgang besondere Vorsicht walten lassen, beispielsweise nur Messerbalken verwenden und die Schutzzonen mit möglichst leichtem Gefährt befahren. Was nicht immer einfach ist: Auf einer Fläche von fast 13 ha betragen die Steigungen am Üetliberg bis zu 35 Prozent, auf 2 ha sogar 50 Prozent. Es ist klar, dass Ökofutter allein nicht für die Milchproduktion reicht, sondern jeweils gemischt wird mit Gras aus fetten Wiesen. «Das ist eine gute Kombination», sagt Daniel Derrer.

Die besonderen Anstrengungen, zu denen auch das regelmässige Entfernen von Unkraut gehört, haben sich gelohnt. Denn auf diesen Wiesen wächst, was andernorts nicht mehr zu sehen ist: die Knollige Kratzdistel, Wildorchideen, gar Enziane und vieles mehr. Zudem sind die Areale veritable Insekten- und Vogelparadiese, von denen es schweizweit immer weniger gibt. Auf den Flächen gibt es ausserdem 67 Hochstammbäume, 80 Prozent Birnen und 20 Prozent Äpfel, wichtige Horte für Insekten und Vögel. Für die Pflege und das Mähen wendet Daniel Derrer jährlich gut einen Monat auf. Und er verrichtet auch Mäharbeiten für Naturnetz Unteramt und für andere Landwirte. Für die Gemeinde findet er Worte des Lobes. «Sie unterstützt die Bauern bei der Bewirtschaftung dieser Flächen. Nützlich sind auch die von der Gemeinde initiierten Veranstaltungen: ein Neophytentag und alternierend ‹Grümpel und Gulasch› – ein Anlass, der für die Beseitigung von Unrat genutzt wird», hält Daniel Derrer fest.

Auch zwei Obfelder Familien vorne dabei

Was bedeutet ihm der Preis der Wiesenmeisterschaft? «Viel. Wir sind überglücklich. Ich war baff, als ich die Nachricht erhielt», freut sich der Preisträger. Grund zur Freude haben auch andere Ämtler Bauern: So erreichten Alfred und René Etterlin aus Obfelden in der Kategorie Blumenwiese Platz zwei und Simone und Fabian Schneebeli, ebenfalls Obfelden, in der gleichen Kategorie Platz drei. Insgesamt haben sich 44 Bauernbetriebe für den Wettbewerb angemeldet.