Bezirk Affoltern
26.11.2018

Die Spitex-Kündigung stösst auf Unverständnis

An der Werkstrasse, dem Sitz der Geschäftsstelle, bezieht die Psychiatrische Spitex just in dieser Woche neue Räumlichkeiten, die nun nicht mehr in diesem Ausmass benötigt werden. <em>(Bild Thomas Stöckli)</em>

An der Werkstrasse, dem Sitz der Geschäftsstelle, bezieht die Psychiatrische Spitex just in dieser Woche neue Räumlichkeiten, die nun nicht mehr in diesem Ausmass benötigt werden. (Bild Thomas Stöckli)

Affoltern will die ambulante Pflege per 1. Dezember 2019 in Eigenregie anbieten («Anzeiger» vom Freitag). Die Ärztegesellschaft Bezirk Affoltern und die Spitex Knonaueramt kritisieren die Ankündigung scharf.

Von Thomas Stöckli

Die Stadt Affoltern will die kontinuierlich steigenden Pflegekosten in den Griff bekommen. Als möglichen Ansatz hat sie die Restdefizite geortet. Diese haben nichts mit der eigentlichen Pflege zu tun, sondern seien ein betriebswirtschaftlicher Faktor, so der Standpunkt des Stadtrats. Die Spitex Knonaueramt müsse ihr unternehmerisches Risiko selber tragen, findet Stadtpräsident Clemens Grötsch. Dies habe Affoltern schon letztes Jahr und auch dieses Frühjahr wieder deutlich kommuniziert – und nun die Konsequenzen gezogen.

Trotzdem: Bei der Spitex Knonaueramt zeigt man sich von der Kündigung der Leistungsvereinbarung überrascht: Vom Vertreter der Stadt Affoltern, der in den laufenden Strategieprozess involviert war, seien keinerlei Anzeichen über geplante organisatorische Änderungen zu vernehmen gewesen. Verena Bieri, Geschäftsleiterin der Spitex Knonaueramt, wirft dem Stadtrat Affoltern schlechte Kommunikation vor. So sei der Stadtratsbeschluss über Mitarbeitende des Hauses zum Seewadel zur Spitex durchgesickert.

Ärzte befürchten einen Verlust an Qualität

«Wir haben einen Vertrag gekündet – that’s it», sagt Clemens Grötsch und versteht die Aufregung nicht. «Wir machen nichts kaputt.» Die Existenzgrundlage der Spitex Knonaueramt sieht er nicht gefährdet, schliesslich gehe man von einer wachsenden Nachfrage nach ambulanter Pflege aus. Weiter habe der Stadtrat bereits angeboten, Mitarbeitende und Räumlichkeiten zu übernehmen. «Wir erfüllen unsere Verpflichtung weiterhin», verspricht Grötsch, «es wird kein Kunde darunter leiden.»

Anders sieht dies Bruno Köhler, Präsident der Ämtler Ärztegesellschaft: Es drohe ein bedeutender Rückgang in der Versorgungsqualität der komplexen ambulanten Patienten, welcher zu vermehrten Hospitalisationen und Mehrkosten im Gesundheitswesen führen werde. «Wir müssen in diesen schwierigen Zeiten zusammenhalten und gemeinsam planen», so Köhler. «Da kann es nicht sein, dass die ‹Stadt› Affoltern einen so weitreichenden Entscheid fällt, der das gesamte Knonauer Amt betrifft und prägen wird.»

Keine Defizite machen

Die Synergien, die man vom Zusammenschluss der Spitex-Organisationen erhofft hatte, hätten sich schlicht nicht eingestellt, so Grötsch: «Der Laden sollte keine Defizite machen. Wenn er Defizite macht, stimmt etwas nicht.» Eine Vorgabe, nach der sich auch die künftige stadteigene Spitex wird richten müssen. Um die Mitarbeitenden nicht zusätzlich zu verunsichern, gelte es nun, möglichst schnell festzulegen, wie es weitergehe, so Clemens Grötsch. Die offenen Fragen seien alle operativ lösbar, meint er zuversichtlich. Was er nicht goutieren könne, sei die Polemik um die Kosten, welche die Kündigung verursache.