Bezirk Affoltern
03.12.2018

Gefühlvoll gestaltete Adventsklänge

Der MV Mettmenstetten unter dem scheidenden Dirigenten Adrian Kuoni (ganz links) und mit Gastsolist Walter Boll (Panflöte, rechts) zauberte am Wochenende Winter- und Adventsatmosphäre in die reformierten Kirchen von Knonau und Mettmenstetten. <em>(Bild Urs E. Kneubühl)</em>

Der MV Mettmenstetten unter dem scheidenden Dirigenten Adrian Kuoni (ganz links) und mit Gastsolist Walter Boll (Panflöte, rechts) zauberte am Wochenende Winter- und Adventsatmosphäre in die reformierten Kirchen von Knonau und Mettmenstetten. (Bild Urs E. Kneubühl)

Es waren zwei musikalisch glänzende Winterkonzerte, mit denen der Musikverein Mettmenstetten am Sonntag in den Advent einstimmte und sich vom langjährigen musikalischen Leiter Adrian Kuoni verabschiedete.

Von Urs E. Kneubühl

Ein schönes vorweihnachtliches Geschenk machte der Musikverein Mettmenstetten, unterstützt vom Mettmenstetter Walter Boll mit seiner Panflöte als Gastsolist, seinem Publikum: Vergangenen Sonntag lud er zu seinen traditionellen Winterkonzerten in die reformierten Kirchen Knonau und Mettmenstetten ein und verzauberte – im wahrsten Sinne des Wortes – die zahlreich erschienenen Musikfreunde je eine satte Stunde lang mit einem abwechslungsreichen und gehaltvollen Programm. Gleichzeitig waren die nachmittägliche Darbietung in Knonau sowie die Vorstellung am Abend in Mettmenstetten auch ein würdiger Abschied für den langjährigen Dirigenten Adrian Kuoni, der sich nach 14 Jahren künftig wieder vermehrt seiner Passion, dem Posaunespiel, widmen will.

Von der klassischen Schlittenfahrt bis zur mystischen Welt voller Magie

Soviel vorneweg: Es war, passend zum ersten Advent, ein musikalisch glänzender, besinnlicher «Winterzauber» der Mettmenstetter Musikantinnen und Musikanten. Das Publikum liess sich mit einem bunten Strauss gefühlvoller, beschwingter und schmissiger Kompositionen in die Adventszeit einstimmen und quittierte beide Konzerte mit grossem Applaus und lobender Anerkennung. Geradezu klassisch mit der weltbekannten winterlichen Schlittenfahrt «Sleigh Ride» von Leroy Anderson, durch herrliche Klangbilder von Querflöten und Klarinetten wirkungsvoll untermalt, nahmen die Konzerte Fahrt auf. Der genauso schwungvoll mit sicheren Tempi vorgetragene Schneewalzer folgte, bevor «Cinderella’s Dance» von Karel Svoboda aus dem Film «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» zusätzlich weihnachtlichen Zauber versprühte. Angelo Branduardis «La Pulce d’Acqua» schwenkte danach wieder ins Weltliche, wobei die quirlige Melodie den besagten hüpfenden Wasserfloh bildlich einen fröhlich beschwingten Weihnachtstanz vorführen liess. Brillant untermalt wurde das Stück von den Panflötentönen des Gastsolisten Walter Boll.

Die klassische Weihnachtskomposition «O Holy Night» von Adolphe Adam, durch sensible Arrangierungstechniken mit einer modernen Note versehen, nahm das Publikum dann wieder – hervorgehoben durch anschwellende Fanfaren von Bläsern und Perkussion auf eine sich stetig entfaltende weihnachtliche Reise mit. Die sich aufbauende Spannung wurde fortgeführt mit «Procession of the Sorcerers», die das Auditorium in eine mystische Welt voller Magie entführte, den «Aufmarsch von Magiern, Hexen, Kobolden und Feen hin zum Schloss Merlins», wie Moderatorin Vanessa Ringger ansprechend erläuterte.

Wahrer Hühnerhautmoment zum Schluss und zwei Zugaben

In heiterem Poprhythmus ging es mit einer anrührenden Interpretation von «Mary’s Boy Child» von Jester Hairston weiter. Das Weihnachtslied aus der Karibik wurde wunderbar mit sanften, tiefen Tönen der Bassklarinette begonnen und ebenso beendet. Es folgte mit dem «Liebestraum Nr. 3», eine der reizvollsten lyrischen Kompositionen Franz Liszts und danach «Festival Variations» von Johan Nijs – beides klassische Höhepunkte durchaus, welche sämtliche Register forderten. Experimentierfreudig in Dynamik und Tempi bestand das Orchester in klangschönem Zusammenspiel die Herausforderungen bravourös.

Mit «El Condor Pasa», das durch Simon und Garfunkel weltberühmt gemachte peruanische Freiheitslied, rückte Gastsolist Walter Boll mit seiner Panflöte noch einmal in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Orchester gelang ein kanonisches Intro, das sich stetig und bis zum begeisternden Schluss des Stückes grossartig steigerte. Und der MV setzte mit dem «Hallelujah» von Leonard Cohen gleich noch einen Höhepunkt oben drauf: Die mit präziser Zurückhaltung gespielte Ballade, die in Filmen wie «Into the Wild» oder «Shrek» auch ein junges Publikum zu begeistern wusste, weckte rundum Emotionen und war geradezu ein Hühnerhautmoment.

Der Applaus des Publikums war herzlich und lang anhaltend, und so liess der MV dann mit dem Blaskonzertarrangement des Weihnachtsklassikers «White Christmas» als erster Zugabe das Publikum wieder von weisser Weihnacht träumen, was allerdings beim draussen niedergehenden Regen leider wohl bloss Hoffnung bleibt. Mit dem wiederum alle Register und den Gastsolisten fordernden Arrangement des weihnachtlichen und besinnlichen österreichischen Volksliedes «Es wird schon gleich dunkel» schlossen die wundervoll vorgetragenen beiden MV-Konzerte.