Bezirk Affoltern
03.01.2019

«Unglaublich, was da zusammenkommt!»

Der Karton macht den grössten Teil der zu entsorgenden Menge aus. An diesem Samstag betreuen Werni Haas (von links), Said Mahmud Hussaini und Kurt Gantenbein die Entsorgungsstelle in Hausen.Viel Glas – «aber nicht alles von Weihnachten!» <em>(Bilder Marianne Voss)</em>

Der Karton macht den grössten Teil der zu entsorgenden Menge aus. An diesem Samstag betreuen Werni Haas (von links), Said Mahmud Hussaini und Kurt Gantenbein die Entsorgungsstelle in Hausen.

Viel Glas – «aber nicht alles von Weihnachten!» (Bilder Marianne Voss)

Zwischen Weihnachten und Neujahr ist erst Halbzeit, was die Festtage betrifft. Was fällt jedoch zum Entsorgen an, wenn nach Weihnachten die Geschenke ausgepackt und die Flaschen ausgetrunken sind? Besuch in der Sammelstelle Chratz in Hausen.

von marianne voss

Am Samstag, 29. Dezember, herrscht auf dem Chratz-Parkplatz in Hausen ein reges Kommen und Gehen. Fast könnte man meinen, ganz Hausen treffe sich an diesem Morgen hier. Doch die drei Männer, die in der Entsorgungsstelle Dienst haben, sind nicht weiter beeindruckt. Letzten Samstag sei der Andrang eher noch grösser gewesen, berichten sie.

In Hausen wird die Entsorgungsstelle durch mehrere Gruppen von nebenberuflichen Mitarbeitern betreut. Sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, sind hilfsbereit und auch kompetent. «Diese Tätigkeit einmal im Monat macht mir viel Spass», erklärt Kurt Gantenbein. Und schon eilt er wieder zum Eingang und nimmt einer Frau die Säcke ab. Said Mahmud Hussaini aus Afghanistan ist auch sehr freundlich und hilft einem Herrn, die Plastikverkleidung von einer Kartonschachtel abzulösen. Und Werni Haas steht an der Kartonpresse, schiebt die Schachteln hinein und löst den Pressvorgang aus, sobald der Füllraum wieder voll ist. Und das ist er an diesem Morgen sehr oft, denn der Karton macht den grössten Anteil des zu entsorgenden Materials aus. «Unglaublich, was da zusammenkommt von einer doch gar nicht so grossen Gemeinde wie Hausen», meint er dabei.

Die Hausemerinnen und Hause-mer bringen Kartonverpackungen in allen Grössen und Formen. Sie tragen sie in Taschen, Schachteln oder einfach auf dem Arm. Ja, das hat mit Weihnachten zu tun, das ist auf einen Blick zu erkennen: Adventskalender, Geschenkpapier, Verpackungen von verschiedensten Spielsachen oder auch von speziellen Geräten sowie von Lebensmitteln. Bei einer Familie gab es eindeutig Pizza vom Kurier! Der Stapel der leeren Schachteln ist beachtlich. Und schon ist die Presse voll. Der riesige Kartonballen mit einem Gewicht von gut 500 Kilogramm wird zusammengeschnürt und mit einem Palettrolli ins Magazin transportiert. Danach geht es weiter mit dem Einfüllen von Karton, Karton und noch mehr Karton.

Guter Moment zum Räumen

Die Einwohnerinnen und Einwohner von Hausen seien mehrheitlich sehr diszipliniert beim Entsorgen, wissen die drei Verantwortlichen. Es sei nur selten nötig, wirklich einzugreifen, um eine unkorrekte Entsorgung zu verhindern. Diese Feststellung bewahrheitet sich. Die meisten Personen kommen mit Körben, Kübeln und Taschen, worin das Material bereits sauber getrennt ist. Bei Unklarheiten fragen sie höflich und machen auch keine Umstände, wenn es bei Sondermüll ein paar Franken zu bezahlen gibt.

Nebst dem Karton – und auch Kaffeekapseln – hat an diesem Samstag das Glas Hochkonjunktur. Grosse Harasse, Körbe und Schachteln werden aus den Kofferräumen der Autos gehoben und zu den Glascontainern geschleppt. Ein Blick auf die leeren Flaschen sagt doch einiges übers Feiern an Weihnachten aus: hier eher Bier, da Wein, Rimuss und Sekt, dort einiges an Champagner, und in einem weiteren Behältnis alles gemischt. «Das ist nicht nur von Weihnachten», stellt ein Herr sogleich klar. Es sei jetzt vor Neujahr doch auch ein guter Moment, um mal den Keller zu räumen und wieder Platz zu schaffen. «Auch wir haben nicht so viel getrunken an den zwei Abenden», erklärt die Frau daneben lachend. Neben ihr steht ein grosser Korb voller Flaschen und Gläser. Ein anderer Herr steht neben seinem Velo, beobachtet das Treiben und äussert amüsiert: «Der Chratz ist eindeutig ein wichtiger Drehpunkt von Hausen.» Für das Glas sei heute aber erst Halbzeit. «Das von Weihnachten geht raus, das vom Silvester kommt aber noch.»