Bezirk Affoltern
07.01.2019

Sihlwald: Dringliches Postulat hatte keine Chance

Die Säuliämtler im Kantonsrat waren sich uneinig. Von links: Daniel Sommer, EVP, Olivier Hofmann, FDP, und Hannah Pfalzgraf, SP, waren gegen das dringliche Postulat; die beiden SVP-Vertreter Hans Finsler und Martin Haab dafür. Ronald Alder, GLP, fehlte. <em>(Bild Martin Platter)</em>

Die Säuliämtler im Kantonsrat waren sich uneinig. Von links: Daniel Sommer, EVP, Olivier Hofmann, FDP, und Hannah Pfalzgraf, SP, waren gegen das dringliche Postulat; die beiden SVP-Vertreter Hans Finsler und Martin Haab dafür. Ronald Alder, GLP, fehlte. (Bild Martin Platter)

Ein dringliches Postulat der SVP wollte die Abstufung der Sihlwalder Bachtelenstrasse sowie das Fahr- und Reitverbot verhindern. Die anderen grossen Parteien waren jedoch der Meinung, mit der Revision der Schutzverordnung sei den Nutzerbedürfnissen genügend Rechnung getragen worden.

Von Martin Platter

«Es kann nicht sein, dass Reitställe in Langnau ihre Tiere verlegen müssen, weil der Sihlwald zu unattraktiv geworden ist. Es habe nichts mit Naturschutz zu tun, wenn Mountainbiker für ihr Hobby zuerst mit dem Auto in eine andere Region fahren müssen, weil sie im Sihlwald nicht willkommen sind. Die schleichenden Verbote werden von Auswärtigen kaum wahrgenommen. Für die Direktbetroffenen sind sie jedoch ein Stich ins Herz und die Bussen bei Zuwiderhandlung mit mindestens 500 Franken unverschämt», versuchte Urs Waser, der Erstunterzeichner des dringlichen Postulats seine skeptischen Ratskollegen umzustimmen. Er könne nicht verstehen, wieso die Strasse für Fussgänger offen bleibe, nicht aber für Reiter und Biker. Mit dem Label des Bundes und den Zuschüssen aus den Anrainergemeinden erhalte der Wildnispark Sihlwald sehr viel Geld, um den Wald sich selber zu überlassen. «Da sollten doch ein paar Franken für die Pflege der Wege übrig bleiben», schloss Waser. Aber nur seine SVP-Parteikollegen sowie die Vertreter von BDP, CVP und EDU stellten sich hinter das Anliegen.

Auch Regierungsrat Markus Kägi dagegen

Alle übrigen Parteien und auch SVP-Regierungsrat Markus Kägi vertraten die Meinung, dass mit der Revision der Schutzverordnung im Jahr 2015 den Bedürfnissen der verschiedenen Nutzergruppen bereits genügend Rechnung getragen worden sei. Daniel Sommer, EVP, erklärte: «Ein Forst in der Grösse des Sihlwaldes, der so nah an den Ballungszentren liegt, muss vielen Bedürfnissen gerecht werden. Die 2,5 Kilometer Bachtelenstrasse, die für Reiter und Biker verboten werden, sind verkraftbar. Es bleiben noch 56 Kilometer Wege, die weiterhin befahren und beritten werden dürfen. Deshalb sollten das Label und die Bundesgelder von zwei Millionen Franken für die Jahre 2016 bis 2019 nicht aufs Spiel gesetzt werden.»

Kägi ergänzte: «Man hätte die Bachtelenstrasse schon 2008 mit dem Inkrafttreten der Schutzverordnung schliessen können, konnte die Erstreckung jedoch als Kompromiss mit dem Bund aushandeln. Ab dem 1. Januar 2019 soll sie aber abgestuft werden und den Fussgängern vorbehalten sein, da die Bachtelenstrasse mitten durch die Kernzone führt. Mit den übrigen Kompromissen zwischen Nutzergruppen und Umweltanliegen konnte eine gut austarierte Lösung gefunden werden.»