Bezirk Affoltern
08.01.2019

David Vogelsanger darf nicht kandidieren

David Vogelsanger darf nicht auf die Kantonsratsliste der Ämtler SVP. <em>(Archivbild map.)</em>

David Vogelsanger darf nicht auf die Kantonsratsliste der Ämtler SVP. (Archivbild map.)

Weil er seinen Lebensmittelpunkt am 1. Januar 2019 nicht in Kappel hat, darf David Vogelsanger, derzeit noch Botschafter in Neuseeland, nicht auf die Kantonsratsliste der SVP des Bezirks Affoltern. Bettina Bucher aus Ottenbach füllt nun diese Lücke.

Von Werner Schneiter

Anlässlich der Gemeinderatswahlen im vergangenen Jahr klappte es: David Vogelsanger meldete sich im November 2017 in der Schweiz an, was die Gemeinde Kappel damals umgehend bestätigte. Damit konnte er als Gemeindepräsident und Gemeinderat kandidieren. Am 15. April erhielt er als Präsident zwar ein hauchdünnes relatives Mehr, schied aber als Gemeinderatskandidat trotz Erreichen des absoluten Mehrs als «überzählig» aus und durfte dann im zweiten Wahlgang nicht mehr fürs Gemeindepräsidium kandidieren. Ein Grund, nicht wie geplant vorzeitig aus dem Bundesdienst auszuscheiden, wozu David Vogelsanger 2017 berechtigt gewesen wäre. Aufgrund des Wahlausgangs entschied er sich, bis zum Erreichen des Pensionsalters (Sommer 2019) auf dem Posten in Wellington zu bleiben. «An dieser Tätigkeit habe ich nach wie vor grosse Freude», betont er und meldete sich in Kappel wieder ab – nicht zuletzt, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Zu seiner grossen Überraschung beschied ihm dann aber die kantonale Steuerverwaltung, dass ein Wohnsitz aus politischen Motiven keine Steuerpflicht nach sich zieht. «Meine Abmeldung in Kappel auf Ende April 2018 war also im Nachhinein betrachtet ein Fehler», sagt David Vogelsanger heute.

Lebensmittelpunkt ausschlaggebend

Im Sommer 2018 bot sich ihm die Chance einer Kandidatur auf der SVP-Kantonsratsliste. Mit Blick auf seine eidgenössische Tätigkeit lehnte David Vogelsanger zuvor dreimal eine Kandidatur auf der SVP-Nationalratsliste international ab. «Am Ende meiner Botschaftertätigkeit sah ich es dieses Mal anders und war gewillt, einen Einsatz für unseren Bezirk und den Kanton zu leisten. «Während die Nationalratskandidaturen vor allem symbolischen Charakter gehabt hätten, sah ich hier die Chance, etwas ganz Neues anzupacken», stellt Vogelsanger fest. Er wäre für den Wahlkampf im Verlauf des Februar 2019 ins Säuliamt zurückgekehrt.

Nun, diese Chance gibt es jetzt nicht. Wie im Vorjahr meldete er sich mit Blick auf die Anmeldefrist für Kandidaturen im November 2018 erneut in Kappel an. «Diesmal nicht postwendend, sondern nach mehreren Wochen refüsierte die Gemeinde diese Anmeldung – mit der Begründung, dass ich am 1. Januar 2019 meinen Lebensmittelpunkt in Kappel haben müsse, wenn ich mich anmelden wolle», bedauert er, darauf hinweisend, dass das Haus seiner Familie seit 1964 in Kappel steht, er dort gewohnt hat, ehe er sich beruflich wieder ins Ausland verabschieden musste. Nach dem Bescheid aus Kappel hat David Vogelsanger seine Kandidatur zurückgezogen. Damit wollte er vermeiden, dass die SVP des Bezirks im Fall eines Rekurses gegen den Gemeindeentscheid den Listenplatz hätte freihalten müssen. So kann sich der Botschafter jetzt nicht für den Kantonsrat bewerben. Kurioserweise könnte er aber als Ständerat oder als Nationalrat kandidieren, wo ohnehin auch Auslandschweizer wählbar sind.

Rückt Martin Haab in den Nationalrat nach?

Die SVP musste sich also auf die Suche nach Ersatz machen. «Wir haben mehrere Personen angefragt und Absagen erhalten», sagte Bezirksparteipräsident Hans Finsler auf Anfrage. Darunter auch Bettina Bucher. Sie hat sich nun aber auf Nachfrage entschlossen, sich auf die Liste setzen zu lassen – aber nur, weil sie keinen Spitzenplatz einnimmt und sich die «Gefahr» einer Wahl in Grenzen hält. Denn das käme der selbstständigen Treuhänderin aus Ottenbach mit Blick auf ihre derzeitige Weiterbildung zumindest im Moment nicht zupass. Die SVP geht mit zwei Bisherigen ins Rennen: Martin Haab (Mettmenstetten, Platz 1) und der für die zurückgetretene Susanne Leuenberger im Herbst ins Parlament nachgerückte Hans Finsler (Affoltern, 2). Dahinter kandidieren Marc Bochsler (Wettswil), Antoinette Frey (Affoltern), Bettina Bucher (Ottenbach) und Beatrice Sommerauer Nägelin (Hausen).

Eine Mutation ist aber schon in diesem Frühjahr nicht ausgeschlossen – dann, wenn Martin Haab nach einer Wahl von Nationalrätin Natalie Rickli in den Regierungsrat als erster Ersatzmann auf der Zürcher SVP-Liste in den Nationalrat nachrückt. Diese Wahl verpasste der Mettmenstetter Landwirt 2015 nur ganz knapp; der Stadtzürcher Mauro Tuena lag am Schluss wenige Stimmen vor ihm.