20.01.2012

Ärger und Enttäuschung bei Umfahrungsbefürwortern

Blick auf den Abzweiger Richtung Bickwil in der Affoltern/Ottenbacherstrasse. Der Feldweg im Hintergrund der Bildmitte sollte dereinst zum Autobahnzubringer ausgebaut werden. (Bild Martin Platter)

Blick auf den Abzweiger Richtung Bickwil in der Affoltern/Ottenbacherstrasse. Der Feldweg im Hintergrund der Bildmitte sollte dereinst zum Autobahnzubringer ausgebaut werden. (Bild Martin Platter)

Gemäss Hans Läubli (Grüne) ist das kantonsrätliche Behördenreferendum problemlos zustande gekommen. Damit kommt es im Kanton Zürich zur Volksabstimmung. Die Befürworter und Planer der Umfahrung werfen den Gegnern vor, mit falschen Argumenten Obstruktionspolitik zu betreiben.

Von Martin Platter

«Als die 45 Unterschriften im Kantonsrat zusammen waren, habe ich aufgehört zu zählen», sagte Hans Läubli nach der genauen Anzahl Kantonsräte gefragt, die das Behördenreferendum unterschrieben haben. Das Resultat erstaunt nicht. Bereits bei der Kreditabstimmung am 9. Januar hatte sich im Kantonsrat eine links-grüne Minderheit von 74 Personen gegen die Vorlage ausgesprochen.
Damit kommt es im Juni oder im September 2012 im ganzen Kanton zur Volksabstimmung, die wenig Hoffnung auf einen positiven Ausgang für die Verkehrsgeplagten erwarten lässt. Vor mehr als 20 Jahren hat der Zürcher Souverän letztmals einem derartigen Projekt zugestimmt. Entsprechend grosses Kopfschütteln löst «diese Zwängerei der Minderheit» bei den in die Planung involvierten Personen aus. Peter Sandhofer, Obfelder Alt-Gemeindepräsident, bezeichnet die politischen Vorgänge schlicht als «Katastrophe»: «Ein paar Wenige können zwei ganze Dörfer terrorisieren.» Für die Volksabstimmung sehe er schwarz: «Zwölf Jahre haben wir geplant, um die bestmögliche Lösung zu finden. Und nun zeichnet sich ab, dass das Umfahrungsprojekt mit falschen Angaben gebodigt werden kann.» Die Umfahrung Ottenbach werde mitnichten durch ein Naturschutzgebiet geführt. Zudem seien die Böden entlang der Reuss bedingt durch Hochwasser stark versandet.

Weitere 20 Jahre bis zu alternativer Planung
Das sagt auch der Ottenbacher Gemeindepräsident Kurt Weber: «Wir haben die Linie der Umfahrung Ottenbach extra korrigiert und näher an die Spinnerei Haas geführt, damit die Strasse eben nicht durch das Naturschutzgebiet Bibelas führt.» Auch im benachbarten Merenschwand löst die politische Entwicklung im Säuliamt Stirnrunzeln aus. «Der Verkehr ist am Zunehmen. Im Kanton Aargau hat man mit der geplanten Umfahrung Ottenbach gerechnet. Das entsprechende Land in Birri ist seit etlichen Jahren ausgeschieden», erklärte der bis Ende 2011 für Planung und den Verkehr zuständige Gemeinderat Albert Fischer. Nun gehe es wohl wieder 20 Jahre, bis eine alternative Planung vorliege. – Für Hans Läubli ist das kein Problem. Falls sich Ortsdurchfahrten nicht vermeiden lassen, solle der motorisierte Verkehr mit Lichtanlagen und Tropfenzählern vor den Dörfern gestaut werden.
Noch zynischer dürfte für Eltern schulpflichtiger Kinder nur noch die SP-Stellungnahme zum Referendum klingen: Die Kosten tragen am Schluss immer die anderen. In diesem Falle die Schulkinder in Obfelden oder dann die wunderschöne Landschaft an der Reuss.