04.06.2012

Sozialdienst: Amtsvormundschaft, Kompetenzordnung und Asylwesen

Vorletzten Donnerstag genehmigten die Gemeindedelegierten im Zweckverband Sozialdienst Bezirk Affoltern die neue Kompetenzordnung definitiv, dazu eine Stellenaufstockung für die Amtsvormundschaft sowie die Jahresrechnung 2011. Zudem gab es Informationen, eine Wahl sowie Verabschiedung und Begrüssungen.

Von Urs E. Kneubühl

Es war eine äusserst reich befrachtete Traktandenliste, welche die Delegiertenversammlung des Zweckverbands Sozialdienst Bezirk Affoltern vorletzten Donnerstag, 24. Mai, abzuarbeiten hatten. Ein Gemisch aus Informationen und Entscheidungen, welche sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart und Zukunft der Institution betreffen.


Wahl, Verabschiedung und Begrüssung
In einer ersten Tranche standen die Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes sowie die Verabschiedung der langjährigen Leiterin der Amtsvormundschaft und die Begrüssung ihrer Nachfolgerin sowie der Leiterin Support an. Als Nachfolger für den zurückgetretenen Edy Gamma im Vorstand des Bezirkssozialdienstes wählten die Delegierten den vom Vorstand vorgeschlagenen Knonauer Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther. Sie sprachen ihm ihr einstimmiges Vertrauen aus. Mit Verena Jacot wurde die langjährige Leiterin der Amtsvormundschaft offiziell verabschiedet. Sie wird nach 15-jähriger Tätigkeit per Ende Oktober 2012 in Pension gehen. Vorstandsmitglied Thomas Ammann würdigte in seiner Laudatio die ausserordentlichen Leistungen von Verena Jacot und dankte ihr für Einsatz, Treue und manch guten Ratschlag, den die Austretende jederzeit bereit hatte. Mit Verena Jacot wird der Sozialdienst eine erfahrene und tragende Persönlichkeit verlieren. Die Nachfolge Verena Jacots ist allerdings gut eingeleitet. Mit Antje Stagneth konnte die Delegiertenversammlung die neue Leiterin der Amtsvormundschaft bereits persönlich begrüssen. Sie war zuletzt Leiterin des Sozialdienstes im luzernischen Engelberg und hat die Nachfolge von Verena Jacot per Mitte Mai 2012 angetreten.
Als neue Leiterin im Schlüsselressort Support hiessen die Delegierten zudem Sonja Baumann willkommen. Sie arbeitet seit einem Jahr im Bezirkssozialdienst Affoltern und hat am 1. Januar dieses Jahres die Bereichsleitung Support übernommen.


Jahresrechnung und Jahresbericht
Ohne Einwände und einstimmig gingen danach auch die Zweckverbandsrechnung 2011 und der Jahresbericht 2011 durch. Die Rechnung schliesst bei einem Aufwand von 8,5 Mio. und einem Ertrag von 4,2 Mio. Franken mit einem Aufwandüberschuss von netto 4 254 820 Franken zulasten der Verbandsgemeinden ab, was einer Abweichung gegenüber dem Budget 2011 zugunsten der Gemeinden von 155 779 Franken entspricht. Finanzchef Enrico Barbon begründet dieses nacheinander dritte positive Resultat mit sorgsamem Umgehen mit den Finanzen und höheren Erträgen in verschiedenen Bereichen. Trotz zusätzlich bewilligter Kosten für Aushilfen, Springer, Mehrzeitauszahlungen etc. konnte unter dem Budget abgeschlossen werden. Der Jahresbericht 2011 widmet sich dem Thema «Veränderung», womit sich im vergangenen Jahr sämtliche Bereiche im Bezirkssozialdienst auseinanderzusetzen hatten. Die Organisationsentwicklung, die seit geraumer Zeit aufgegleist und – wie mehrmals vermerkt – auf gutem Weg ist, ist in den interessanten Beiträgen mitunter zentrales Thema.


Stellenaufstockung in der Amtsvormundschaft
Die Mitarbeitenden der Amtsvormundschaft bewegen sich kapazitätsmässig seit Jahren am Limit und erbringen dabei überdurchschnittliche Leistungen. Neben der steigenden Fallzahl nehmen auch die Anforderungen aufgrund zunehmender Komplexität der Fälle weiter zu. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, geeignete unterstützende Organisationen und Hilfeleistungen zu finden. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Arbeit seit Jahren nicht mehr in der Regelarbeitszeit bewältigt werden kann und immer wieder Überzeiten angeordnet und ausbezahlt werden müssen. Dazu kommt nun auch noch der Leitungswechsel in der Abteilung sowie die Einführung KESB, was vorerst weitere organisatorische Veränderungen bringt, die mit einem Mehraufwand verbunden sind.
Die Delegierten zeigten Verständnis für die schwierige Situation und stimmten, nach präzisierenden Erläuterungen, einem Rahmen von 100 Stellenprozenten zur Aufstockung sowie dem vom Vorstand beantragten Nachtragskredit für eine befristete Stellenüberschneidung, betreffend die Bereichsleitung, die zurzeit doppelt besetzt ist, damit Antje Stagneth eingearbeitet und Verena Jacot sich auf ihre Abschlüsse konzentrieren kann.
Bezüglich der Stellenaufstockung in der Amtsvormundschaft lässt sich auch im Vergleich mit anderen Gemeinden und Regionen feststellen, dass der Durchschnittswert der durch die Amtsvormundschaften bearbeiteten Fälle bei 100 Stellenprozenten bei 60 bis 70 Fällen liegt. Bei den 270 im Jahr 2011 bearbeiteten Fällen der Amtsvormundschaft im Bezirk Affoltern hätte dies 380 bis 400 Stellenprozente gebraucht, weshalb bei effektiv 300 Stellenprozenten zumindest 80 bis 100% fehlen. Einer Aufstockung innerhalb dieses Rahmens haben die Delegierten nun zugestimmt und dem Vorstand damit ermöglicht, sich nach der dringenden Verstärkung aktiv umzusehen. Die Beurteilung, wie viele Stellenprozente schliesslich effektiv vonnöten sind, wird erstmals Ende 2013 erfolgen. Sollte sich zudem zeigen, dass ab 2014 die KESB eine Entlastung für die Amtsvormundschaft bringen wird, wird bei einem nächsten Austritt überprüft, ob diese freiwerdenden Stellenprozente ersetzt werden müssen oder nicht.


Verabschiedung Kompetenzordnung und Info Asylwesen
Die Kompetenzordnung, mit welcher sich die Delegierten schon in den vorangegangenen Versammlungen intensiv beschäftigt haben, stand diesmal zur definitiven Verabschiedung an. Bezüglich der einzelnen Abschnitte, die es zu genehmigen galt, gab es lediglich einen einzigen inhaltlichen sowie einen rein redaktionellen Änderungswunsch seitens der Delegierten. Die inhaltliche Änderung, beantragt vom Hausemer Delegierten Georges Köpfli, betraf die Umzugskosten und wurde von der Versammlung mit überwiegender Mehrheit genehmigt, der redaktionelle Änderungswunsch bedurfte keiner separaten Genehmigung durch die Versammlung. Die Schlussabstimmung zur gesamten Kompetenzordnung passierte einstimmig.
Tiziana Jurietti, Bereichsleiterin Asylwesen, informierte anschliessend über die im Asylwesen relevanten Änderungen der im Bezirk Affoltern ab 1. Mai 2012 erfolgten Umsetzung der Teilrevision des neuen Sozialhilfegesetzes (SHG). Aufgrund der Unterstellung der vorläufig aufgenommenen Personen unter die ordentliche Sozialhilfe hat sich die Asylfürsorgeverordnung geändert. Die Ansätze für Sozialhilfeleistungen sind neu nach den SKOS-Richtlinien geregelt. Zudem werden die Sozialhilfeleistungen neu durch die Wohngemeinden geleistet, nicht mehr solidarisch über das Globalbudget im Zweckverband.


Informationen KESB und Organisationsentwicklung
Vorstandsmitglied Thomas Ammann informierte danach über den Stand bezüglich der zukünftigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Der Auswahlprozess für die Mitglieder und Angestellten der KESB laufen. Die Konstitution der gesamten Organisation wird im Verlaufe dieses Jahres konkrete Formen annehmen.
Die nächsten Schritte in der Organisationsentwicklung erläuterte Geschäftsleiterin Liliane Blurtschi. Die Umsetzung von Teilprojekt 3 (Organisation Support und Wirtschaftshilfe) läuft und zu Teilprojekt 4 (Qualitätssicherung) ist auch bereits ein Workshop durchgeführt worden. Die Umsetzungsphasen verlangen einiges an Zeit sowie Geduld, grundsätzlich wird sich die Implementierung des Gesamtprojektes aber auszahlen, zeigt sich auch Vize-Präsident Paul Schneiter, der die Versammlung leitete, überzeugt. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für das Engagement und die Motivation, mit der die Umsetzung vorangetrieben wird. Seitens der Delegierten gab es ebenfalls Lob und die Äusserung von Verständnis, gleichzeitig wurde bemerkt und empfohlen, dass besonders auf die gestiegene Personalfluktuation ein Auge geworfen wird.

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