Bezirk Affoltern
04.09.2012

«Preis für Natur und Menschen zu hoch»

Hans Läubli stellt sich den Fragen eines Journalisten. (Bild Thomas Stöckli)

Hans Läubli stellt sich den Fragen eines Journalisten. (Bild Thomas Stöckli)

Gegner des Autobahnzubringers A4 Obfelden/Ottenbach luden vergangenen Freitagmorgen zur Medienkonferenz. Neue Argumente wurden allerdings kaum ins Feld geführt.

von thomas stöckli

«Danke für eine objektive Berichterstattung» richtete sich Hans Läubli, Kantonsrat Grüne, nach seiner kurzen Ausführung zur Ausgangslage an die anwesenden Journalisten. Darüber musste er dann allerdings selber schmunzeln. «Es darf auch etwas einseitig sein», schob er nach. Schliesslich kamen an der Medienkonferenz im Hotel City in Zürich ausschliesslich Gegner des Autobahnzubringers Obfelden/Ottenbach zu Wort. Eingeladen hatte das «Komitee gegen die Zerstörung der Reusslandschaft», die Gesprächsleitung lag bei Adrian Halter, Präsident «erholen statt überholen».

Vierfach von nationaler Bedeutung

 

«Der Zubringer fördert die Verkehrszunahme und die Zersiedelung», hielt Hans Läubli in seiner Kurzpräsentation fest. Weiter führte er aus, dass weniger Verkehr durch Ottenbach und Obfelden zur Autobahn fliesst als allgemein erwartet worden war – teilweise sogar weniger als vor der Autobahn-Eröffnung. «Die Kosten von 65 Mio. Franken stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen», so der Affoltemer Kantonsrat.

«Der Preis für die Natur und die Menschen ist zu hoch», findet auch Andreas Hasler, Geschäftsführer von Pro Natura Zürich. Die Naturlandschaft an der Reuss sei gleich vierfach von nationaler Bedeutung, nämlich als Flachmoor, Amphibien-Laichgebiet, als Landschaft und Auengebiet. Als Alternative zur Umfahrung schlägt er deshalb vor, Ottenbach mit einer Lichtsignal-Anlage und flankierenden Massnahmen vom Verkehr zu befreien.

«Das Projekt nützt vor allem dem aargauischen Freiamt», meint die Stadtzürcher SP-Kantonsrätin Monika Spring. «Ein Grossteil des Verkehrs ist hausgemacht», sagt derweil der Ottenbacher Alt-Gemeindepräsident Willy Bonvin und stellt damit den Sinn einer Umfahrung generell infrage. Schliesslich würde ein grosser Teil des Verkehrs weiterhin durchs Dorf rollen.

Überhaupt sei die Belastung weitgehend auf die Zeit zwischen 6.30 und 7.30 Uhr sowie 17 bis 18.30 Uhr beschränkt. «Die Kosten für diese Strasse sind viel zu hoch im Vergleich zum Nutzen, den sie bringen würde», so Bonvins Fazit.

Marco Hüttenmoser, Koordinator vom Netzwerk Kind und Verkehr, konzentrierte sich schliesslich in seiner Kurzansprache auf das Thema Sicherheit auf dem Schulweg: «Die Vorstellung, dass man eine gute Schulwegsicherheit auf einer Hauptstrasse nur realisieren kann, indem man eine Umfahrung baut, ist völlig absurd», führt er aus. Man könne nicht um alle Dörfer eine Umfahrung machen, in denen täglich 5000, 6000, 7000 oder mehr Fahrzeuge zirkulieren.