Bezirk Affoltern
16.04.2015

«Sechs Amtsdauern sind genug»

Ab Herbst mehr Zeit für Musse vor seinem Haus in Affoltern: Toni Bortoluzzi verabschiedet sich nach 24 Jahren aus dem Nationalrat. (Bild Werner Schneiter)

Ab Herbst mehr Zeit für Musse vor seinem Haus in Affoltern: Toni Bortoluzzi verabschiedet sich nach 24 Jahren aus dem Nationalrat. (Bild Werner Schneiter)

Entgegen früherer Absichten verzichtet Toni Bortoluzzi im kommenden Herbst auf eine erneute Kandidatur als Nationalrat – nach reiflicher Überlegung.

von Werner Schneiter

Noch zu Beginn der laufenden Amtsdauer, im Jahr 2011, war Toni Bortoluzzi klar: Die sechste Legislatur ist die letzte. In den letzten Monaten allerdings war sich der Sozial- und Gesundheitspolitiker nicht mehr so sicher. Der Schweizerische Arbeitgeberverband, der Apothekerverband und sogar Leute dem Bundesamt für Sozialversicherung ermunterten Bortoluzzi zu einer erneuten Kandidatur – vor allem, weil die Kompetenz in Bortoluzzis Domäne innerhalb der SVP-Fraktion eher bescheiden ist. Nicht nur aus diesem Grund zog der Affoltemer seinen 2011 gefassten Entschluss in Zweifel. Eine 7. Legislatur reizte ihn auch wegen der anstehenden wichtigen sozial- und gesundheitspolitischen Themen wie die Altersreform 2020, drohende AHV-Defizit oder die Probleme mit der beruflichen Vorsorge. «Das sind komplexe Themen mit schwierigen Dossiers, deren Bearbeitung sehr aufwendig ist.»
Sein Interesse an einer erneuten Kandidatur meldete er im Dezember 2014 Hans Rutschmannn, dem Präsidenten der Listenkommission, betonte in diesem Schreiben aber gleichzeitig, dass er persönlich eine erneute Kandidatur nicht mehr brauche, obwohl ihn die politische Agenda reize.

Druck von Jüngeren

Wie weit ihn das «Hirnlappen»-Interview mit dem «Beobachter» geschadet hat, lässt sich nicht abschätzen. «In der Partei hat mich deswegen niemand direkt kritisiert. Ich bin einer, der halt Klartext redet und meine Meinung unabhängig vertrete – damit eckt man auch an», sagt Toni Bortoluzzi. Kantonalpräsident Alfred Heer gab damals den Medien zu Protokoll, Bortoluzzis Zeit sei abgelaufen.
Druck kam vor allem von aufstrebenden Jungen in der SVP. «Jung sein ist zwar kein Programm, aber es ist normal, dass diese auch Ansprüche haben und auf der Kandidatenliste nach vorne drängen», fügt Bortoluzzi bei.

33 Jahre in Behörden und Politik

Hat er mit seinem vorzeitigen Verzicht auf eine erneute Kandidatur vermeiden wollen, dass ihn die Partei nicht mehr auf die Liste nimmt? «Nein. Dieses Risiko hätte ich getragen. Ich bin schon x-mal gewählt worden, aber in meiner langen politischen Karriere auch Niederlagen einstecken müssen – als Bundesrats-, Ständerats- oder Regierungsratskandidat», hält Toni Bortoluzzi fest.
Er sei nun einfach zum Schluss gekommen, dass sechs Amtsdauern im Nationalrat reichen. 33 Jahre habe er insgesamt in Behörden und Politik gewirkt. «Es war für mich als Handwerker und Vertreter des Zürcher Gewerbes eine bereichernde Zeit, eine grosse Ehre und ein besonderes Privileg, die SVP im Nationalrat vertreten zu dürfen», hält Bortoluzzi in seinem Verzichtschreiben an den Kantonalvorstand fest.
Jetzt freut sich der 68-Jährige, dass er für andere Dinge mehr Zeit findet: «Ich habe meine kleine Werkstatt behalten, habe eine Liegenschaft in Elm. Und ich jasse gerne.»