Bezirk Affoltern
20.04.2017

Hohe Einkommen und Vermögen

Die Bevölkerung des Knonauer Amts bezahlt unterdurchschnittlich viel für die Leistungen des ZVV. Dafür ist das Angebot nicht überall so gut wie in Affoltern, dem grössten öV-Knotenpunkt im Bezirk. (Bild Salomon Schneider)In den verschiedenen Bezirksgemeinden zahlt die Bevölkerung sehr unterschiedliche Steuersätze. Die Grafik zeigt, wie viel Steuern in welcher Gemeinde durchschnittlich pro Kopf anfallen würden, wenn der Steuersatz überall 100 Prozent betragen würde – ohne Kirchensteuern. Die orangen Balken zeigen so steuerfussbereinigt auf, wie unterschiedlich die Vermögensstrukturen in den Gemeinden sind. Auf der Individualebene sind die Unterschiede noch viel grösser. (Grafik sals)

Die Bevölkerung des Knonauer Amts bezahlt unterdurchschnittlich viel für die Leistungen des ZVV. Dafür ist das Angebot nicht überall so gut wie in Affoltern, dem grössten öV-Knotenpunkt im Bezirk. (Bild Salomon Schneider)

In den verschiedenen Bezirksgemeinden zahlt die Bevölkerung sehr unterschiedliche Steuersätze. Die Grafik zeigt, wie viel Steuern in welcher Gemeinde durchschnittlich pro Kopf anfallen würden, wenn der Steuersatz überall 100 Prozent betragen würde – ohne Kirchensteuern. Die orangen Balken zeigen so steuerfussbereinigt auf, wie unterschiedlich die Vermögensstrukturen in den Gemeinden sind. Auf der Individualebene sind die Unterschiede noch viel grösser. (Grafik sals)

Analyse der Bezirksdaten aus dem statistischen Jahrbuch des Kantons Zürich

von Salomon Schneider

Seit der Eröffnung der Autobahn im Jahr 2009 ist der Bezirk Affoltern noch einmal stark gewachsen. Zwischen 2010 und 2015 betrug das Bevölkerungswachstum 7,2 Prozent. Nur die Bezirke Bülach, Dielsdorf und Dietikon sind stärker gewachsen – mit jeweils über neun Prozent. Bei der Bevölkerungsdichte liegt der Bezirk Affoltern jedoch immer noch bei den am wenigsten dicht besiedelten Bezirken, mit 456 Einwohnern pro Quadratkilometer. Nur die Bezirke Andelfingen und Pfäffikon sind weniger dicht bewohnt.

Siedlungsgebiet soll nicht grösser werden

Dafür brauchen die Säuliämtler pro Person überdurchschnittlich viel Bauland. 12,4 Prozent des Bezirks Affoltern sind Siedlungsfläche. Im Bezirk Winterthur sind es vergleichbare 12,7 Prozent. Im Bezirk Winterthur wohnen jedoch mit durchschnittlich 649 Einwohnern pro Quadratkilometer ein Drittel mehr Menschen auf einer vergleichbaren Siedlungsfläche. Nur in den Bezirken Pfäffikon (9,2 Prozent) und Andelfingen (7,2 Prozent) ist der Anteil Siedlungsgebiet kleiner als im Bezirk Affoltern. Trotz des verstärkten Siedlungsdrucks von den benachbarten Zentren auf den Bezirk Affoltern, sieht der kantonale Richtplan bis 2030 keine Entwicklung des Siedlungsgebiets vor.

Soziales Gefälle riesig

Beim durchschnittlichen steuerbaren Einkommen liegt der Bezirk Affoltern gleichauf mit dem Bezirk Horgen, mit 53500 Franken. Nur in Meilen, mit 59400 Franken liegt das durchschnittliche steuerbare Einkommen noch höher. Am tiefsten ist es in Zürich, mit 46900 Franken. Auch beim durchschnittlichen steuerbaren Vermögen zeigt sich, dass im Bezirk Affoltern überdurchschnittlich viele gut situierte Menschen leben, mit 73000 Franken. Vermögender sind im Durchschnitt nur die Menschen in den Bezirken Andelfingen (105000 Franken) und Meilen (126000 Franken). Am tiefsten liegt das durchschnittliche steuerbare Vermögen im Bezirk Dietikon, mit 27000 Franken. Dass das durchschnittliche Vermögen in den verschiedenen Bezirken so unterschiedlich ist, zeigt eindrücklich, dass das soziale Gefälle sogar auf kleinstem Raum riesig ist. Gesamtschweizerisch, europaweit und weltweit akzentuiert sich dieses Gefälle noch viel stärker.

Mindereinnahmen durch tiefen Steuersatz

Ganz anders sieht das Bild bei der Steuerkraft pro Einwohner aus, wo der Bezirk Affoltern im hinteren Mittelfeld rangiert. Mit durchschnittlich 5080 Franken pro Einwohner kommt die Stadt Zürich auf fast doppelt so hohe Einnahmen pro Person wie der Bezirk Affoltern mit 2814 Franken. Durchschnittlich werden im Kanton Zürich 3958 Franken Steuern pro Einwohner bezahlt. Dass im Bezirk Affoltern so wenig Steuern anfallen, liegt an den im Vergleich zum Einkommen der Einwohner sehr tief angesetzten Steuern. Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 60000 Franken fielen beispielsweise in Zürich pro Kopf 5080 Franken Steuern an. In Wettswil, wo das durchschnittliche Einkommen 67600 Franken betrug, fielen jedoch pro Kopf nur 4189 Franken Steuern an, aufgrund des viel tiefer angesetzten Steuersatzes. Bei dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt ist, dass das durchschnittliche steuerbare Vermögen in Zürich mit 32000 Franken 5,4 Mal tiefer lag als in Wettswil, mit 174000 Franken.

Die Hälfte der Arbeitnehmer pendelt

Wo sowohl Einkommen als auch Vermögen gross sind, liegt auch die Sozialhilfequote tendenziell tief. Im Knonauer Amt haben 4,5 Prozent der Bevölkerung wirtschaftliche Sozialhilfe, Kleinkinderbetreuungsbeiträge, Alimentenbevorschussung, oder Zusatzleistungen zur Alters-, Invaliden- oder Hinterlassenenrente bezogen. Kantonal waren es durchschnittlich 8,1 Prozent der Wohnbevölkerung. Auch dies ist ein Hinweis darauf, dass die Einkommens- und Vermögenswerte sehr ungleich verteilt sind und bei tieferen durchschnittlichen Vermögen die Sozialhilfequote viel höher ist.

Arbeitslosigkeit scheint jedoch nicht mit Vermögen und Einkommen zusammenzuhängen und auch nicht mit der Anzahl Arbeitsstellen im Bezirk. 2014 gab es im Bezirk Affoltern 3440 Arbeitsstätten, mit 16911 Beschäftigten. Trotzdem lag die Arbeitslosenquote nur bei zwei Prozent. Weitere gut 16000 Personen, also rund 50 Prozent der Arbeitnehmenden, pendeln zu Arbeitsstellen ausserhalb des Knonauer Amts.

Hoher Anteil motorisierter Individualverkehr

Die hohe Pendelrate im Bezirk Affoltern führt zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Dieser verteilt sich auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Fussgänger und motorisierten Individualverkehr. Welcher Anteil dabei auf welches Verkehrsmittel entfällt, wird nicht erhoben. Mit 556 Personenwagen pro 1000 Einwohner im Bezirk Affoltern ist die Motorisierungsrate jedenfalls überdurchschnittlich hoch. Da die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im kantonalen Vergleich unterdurchschnittlich ist, fällt der Gemeindebeitrag an den ZVV relativ gering aus – mit 58 Franken pro Einwohner und Jahr. Weniger zahlt nur noch der Bezirk Andelfingen, mit 54 Franken pro Einwohner. Der kantonale Durchschnitt liegt bei 120 Franken.