Bezirk Affoltern
09.08.2018

Die Äpfel brauchen Wasser

Landwirt Thomas Göggel ist zuversichtlich, dass es trotz Hitze und Trockenheit ein gutes Apfeljahr gibt. <em>(Bilder Marianne Voss)</em>Die Maiskulturen sehen unterschiedlich aus. Sicher hätten sie gerne mehr Wasser.

Landwirt Thomas Göggel ist zuversichtlich, dass es trotz Hitze und Trockenheit ein gutes Apfeljahr gibt. (Bilder Marianne Voss)

Die Maiskulturen sehen unterschiedlich aus. Sicher hätten sie gerne mehr Wasser.

Die Vorzeichen für ein ertragreiches Obstjahr standen gut. Jetzt sind die Obstproduzenten herausgefordert, denn ohne Wasser gibt es keine guten Früchte. Auch der Mais leidet unter der Trockenheit.

von marianne voss

Die Äpfel hängen zahlreich und dicht an den Bäumen – ein schönes Bild! Doch: Wie ertragen die Früchte diese extreme Hitze? Beginnen sie nicht fast zu kochen am Baum? Die Wärme sei nicht unbedingt ein Problem für die Äpfel, erklärt Hagen Thoss, Fachberater Obstbau am Strickhof. «Sie werden sicher etwas früher reif. Die Gravensteiner zum Beispiel sind schon so weit.» Bei den Früchten sei es ein bisschen wie bei uns Menschen. «Sie stellen sich auch auf die Wärme und die Sonne ein.» Und da es ja nun über lange Zeit warm gewesen sei, hätten sich die Früchte daran gewöhnt. «Vor allem auch die Haut. Es gibt aber durchaus auch Äpfel, die sogenannten Sonnenbrand haben, also eine braune Haut bekommen.»

Entscheidend für eine gute Entwicklung der Frucht sei jetzt hingegen das Wasser. Ohne Bewässerung werde es bei der jetzigen Trockenheit schwierig. «Professionelle Kulturen verfügen über Bewässerungsanlagen, Hochstammbäume im Feld können natürlich nicht bewässert werden.» Dort beobachte man nun, dass der Baum – um zu überleben ? die noch kleinen notreifen Früchte abwerfe. Bei Birnen sehe die Situation etwas anders aus, da sie generell robuster gegenüber Hitze seien, aber mehr Wasser brauchten. «Die Birnen sind also weniger anfällig auf Sonnenbrand, die Früchte bleiben bei Trockenheit aber sehr klein.»

Ohne Wasser kaum Früchte

Landwirt Thomas Göggel aus Kappel bewirtschaftet rund 360 Hochstammbäume. Das Obst verarbeitet er vorwiegend zu Most und Bränden. Letztes Jahr hatte er wegen des Frühlingsfrostes von allen Bäumen gesamthaft nur 50 Kilogramm Ertrag. «Das war ein Totalausfall», erklärt er.

Auf seinem Betrieb hat er zwei eigene Brunnen, die erstaunlicherweise immer noch Wasser bringen. Damit konnte er die Bäume bei der Trockenheit etwas bewässern. «Dass die Hitze den Früchten kaum schadet, erstaunt mich», erklärt er. «Wenn es nun genügend regnet und uns kein Hagel überrascht, gibt es ein gutes Apfeljahr.»

Auch Robert Huber aus Obfelden bestätigt das. Er betreibt in seiner Obstanlage ein gezieltes Tropfenbewässerungssystem. Letztes Jahr habe er durch den Frost auch grosse Ertragseinbussen gehabt. Jetzt ist er zuversichtlich. «Das Wasser ist aber entscheidend.»

Mais vertrocknet

Auch die Maiskulturen hätten im jetzigen Entwicklungsstadium gerne mehr Wasser. Je nach Standort und Boden hat sich der Mais in den letzten Wochen aber sehr unterschiedlich entwickelt. Hier steht er hoch und noch immer kräftig grün, dort ist er niedrig geblieben und sieht verwelkt aus, und andernorts mussten Felder sogar bereits abgeerntet werden, weil die Pflanzen verdorrt waren. Die Kolben an den Maispflanzen sind zurzeit noch klein. Für ein gutes Wachstum ist jetzt Wasser nötig. Tendenziell prognostizieren die meisten Landwirte einen Minderertrag beim Mais. Ebenso sieht es mit dem Gras aus. Der dritte und vierte Schnitt ergibt wesentlich weniger Ertrag und auch weist auch eine schlechtere Qualität aus. Dieses Futter wird den Bauern, respektive ihrem Vieh, dann im Winter fehlen.

Zur Wettersituation fasst Thomas Göggel aber zusammen: «Ein trockenes Jahr ist bei uns grundsätzlich besser als ein zu nasses. Aber natürlich hat die Trockenheit auch ihre Grenzen.»