Sport
08.07.2014

«Schweizer Seifenkistenfreunde sind wie eine grosse Familie»

Beim Seifenkistenfahren wird nicht nach Geschlecht kategorisiert. Da es auf die Konzentration ankommt, haben alle gleich grosse Siegeschancen.Das OK wurde vom Verband mit einem Jubiläumspokal geehrt....Feingefühl...Livia, Hanspeter und Alessia Mühlestein gehören zur Seifenkistenfamilie (v.l.).Beim Seifenkistenfahren sind Präzision......und Geschwindigkeit gefragt. (Bilder Salomon Schneider)

Beim Seifenkistenfahren wird nicht nach Geschlecht kategorisiert. Da es auf die Konzentration ankommt, haben alle gleich grosse Siegeschancen.Das OK wurde vom Verband mit einem Jubiläumspokal geehrt....Feingefühl...Livia, Hanspeter und Alessia Mühlestein gehören zur Seifenkistenfamilie (v.l.).Beim Seifenkistenfahren sind Präzision......und Geschwindigkeit gefragt. (Bilder Salomon Schneider)

Vor 50 Jahren haben Dorfbuben den Sport Club Rossau gegründet und das jährliche Seifenkistenrennen initiiert. Zum 50-Jahre-Jubiläum fand die Seifenkisten-Schweizer-Meisterschaft in Rossau statt, leider ohne Ämtler auf dem Podest.

von salomon schneider

Seifenkistenfahren ist ein Sport für die ganze Familie. Kinder zwischen acht und 16 Jahren dürfen teilnehmen und sich an über 20 Anlässen jährlich messen. Damit ist aber noch nicht genug. Die Seifenkisten werden oft selber gebaut und müssen unterhalten werden, was auch zeitaufwendig ist. «Wenn nicht die ganze Familie Seifenkistenfahren lebt, geht das nicht. Da wir uns an so vielen Anlässen immer wieder sehen, sind Seifenkistenfamilien zu einer grossen Familie geworden», erklärt OK-Mitglied Roland Zehnder. Beim Seifenkistenfahren können Kinder lernen, kalkulierte Risiken einzugehen und sich spielerisch an ihre Grenzen heranzutasten.

Im Säuliamt fehlen geeignete Trainingsmöglichkeiten

Teil der grossen Seifenkistenfamilie ist auch die Familie Mühlestein aus Hausen. Die Töchter Livia und Alessia fahren beide seit über fünf Jahren Seifenkiste und der Vater, Hanspeter, präsidiert den Schweizer Seifenkistendachverband. Alessia Mühlestein zum Seifenkistenfahren: «Da ich fast jedes Wochenende weg bin, habe ich zwei Freundeskreise, einen Seifenkistenkreis und einen in Hausen. Manchmal ist es aber ganz schön anstrengend, mich für jedes Rennen zu motivieren. Gerade, wenn das Wetter sehr heiss oder regnerisch ist.» Livia Mühlestein ergänzt: «Eine weitere Schwierigkeit ist der Mangel an geeigneten Übungsstrecken im Amt. Wir können praktisch nur an den Rennen üben, weshalb Fahrer aus dem Knonauer Amt sehr selten aufs Podest fahren.» Auch Hanspeter Mühlestein sieht dieses Problem und sucht deshalb nach privaten oder öffentlichen Strassen, die einmal alle 14 Tage für das Seifenkisten-Training gesperrt werden könnten.

Das Fahrkönnen ist entscheidend

50 Jahre Seifenkistenrennen haben auch das Dorf Rossau geprägt. «Ich war 1964, beim ersten Rennen, bereits als Zuschauer dabei. Über die Jahre hat fast die gesamte Rossauer Bevölkerung einmal einen Beitrag zum Bestehen des Sport Clubs Rossau geleistet», schwärmt OK-Präsident Jürg Meili. Anfangs holten die Buben alte Kinderwagenräder vom Abbruch und bastelten auf dieser Basis die ersten Seifenkisten. Nach einigen Jahren kamen auch Mädchen dazu und der Sport Club Rossau schloss sich dem Schweizer Seifenkistenverband an. Der Sport wurde über die Jahre stark professionalisiert und heute sind nur noch Seifenkisten zugelassen, die mit dem Originalbausatz gebaut wurden. Auch Gewicht, und Form sind streng reglementiert. «Durch diese Reglementierungen haben alle die gleichen Gewinnchancen, da es primär auf das fahrerische Können draufankommt. Es gibt natürlich trotzdem genügend Tricks und Kniffe, um die Seifenkisten noch schneller zu machen», erzählt Roland Zehnder. Gerade mit der richtigen Menge vom richtigen Öl könne man Entscheidendes herausholen.

Am Sonntag massen sich rund 100 Kinder in drei Läufen, von denen die besten zwei zählten. Die Rennstrecke führte von Ambüel bei Rifferswil, über Hauptikon nach Rossau. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde, wurde ein kurvig abgesteckter Parcours gefahren, der über drei Gemeindegebiete führte. Zwischen den Läufen, während die Seifenkisten wieder nach oben gefahren wurden, fuhren Motorrad-Veteranen mit ihren Oldtimern über die Strecke. Auch Luigi Taveri, Sohn des gleichnamigen ersten Schweizer Motorradweltmeisters in der 125 Kubikzentimeter-Kategorie, war dabei und fuhr auf der Erfolgsmaschine seines Vaters, der den Anlass zu Fuss besuchte.

Ranglisten und weitere Informationen unter: www.ig-lo-seifenkisten-derby.ch