Sport
09.07.2018

Mit bis zu 140 km/h durch den Hindernisparcours

Bizarres Bild während des Rennens, das durch VR-Brillen verfolgt wird. Neben dem Piloten steht immer ein «Spotter», der den Flug kontrolliert. Links: Gastgeber Fredi Haller. <em>(Bilder Martin Platter)</em>Mit handelsüblichen Quadrokoptern haben die Eigenbau-Rennkopter nicht mehr viel gemeinsam.Nach dem Flug werden die kleinen Fluggeräte neu geladen, gewartet oder bei Bedarf repariert.

Bizarres Bild während des Rennens, das durch VR-Brillen verfolgt wird. Neben dem Piloten steht immer ein «Spotter», der den Flug kontrolliert. Links: Gastgeber Fredi Haller. (Bilder Martin Platter)

Mit handelsüblichen Quadrokoptern haben die Eigenbau-Rennkopter nicht mehr viel gemeinsam.

Nach dem Flug werden die kleinen Fluggeräte neu geladen, gewartet oder bei Bedarf repariert.

Zum zweiten Mal wurde übers Wochenende in Rifferswil ein Drohnenrennen durchgeführt. Eine neue, überaus dynamische Sportart, in der die virtuelle mit der realen Welt verschmilzt.

von martin platter

Drei, zwei, eins: Wie beim Motocross fällt ein Startgatter. Mit lautem Gesurr schiessen die acht Drohnen wie von einem Katapult beschleunigt davon. Die Szene erinnert entfernt an einen Insektenschwarm. Nur, dass das Ganze so schnell geht, dass man es von blossem Auge fast nicht sieht. In Tempi von bis zu 140 km/h geht es durch den Hindernisparcours, der aus Tunnels, Slalom sowie horizontalen und vertikalen Toren besteht. Das Ganze ist auf einem Feld ausgesteckt, das knapp zwei Fussballfelder gross ist. Immer wieder knallen Flugobjekte mit hoher Geschwindigkeit in die Tore oder kollidieren in der Luft miteinander. Einige stürzen zu Boden, aber nicht alle bleiben liegen. Begleitet wird die Szene von coolem Sound aus grossen Boxentürmen und noch cooleren Kommentaren des Speakers, der wie die Piloten etwas überhöht unter einer Reihe von Zelten steht und die Szene aufmerksam beobachtet.

Bizarr wirken die Piloten während ihres rund 90 sekündigen Einsatzes. Hochkonzentriert sitzen oder stehen sie herum, wobei ihr Blick nicht unbedingt in Richtung ihrer Drohne gerichtet ist. Während die Hände geschäftig an den Flugkontrollschaltern der Fernsteuerung hantieren, beobachten sie den Flug regungslos durch Virtual-Reality-Brillen. Das geht so: Unten an der Drohne ist eine kleine Kamera mit einem Funksender samt Antenne angebracht, die ihr Bild an die VR-Brillen überträgt. Das gibt dem Piloten den Eindruck, als ob er während des Fluges im Cockpit der Drohne sitzen würde. First Person View (FPV) bzw. Pilotenperspektive nennt sich das im Fachjargon. Daneben ein sogenannter «Spotter», der den Flug ebenfalls mit einer VR-Brille beobachtet und so kontrolliert, ob die Hindernisse reglementskonform passiert wurden und zugleich darauf achtet, dass die Drohne den vorgegebenen Luftraum nicht verlässt.

Adrenalinhunger mit Drohne gestillt

In den Pausen werden die Kopter gewartet und neu geladen, denn der Energiehunger der 400 bis 500 Gramm leichten Eigenbau-Fluggeräte ist enorm. «Um die 1000 Franken kostet eine Ausrüstung bestehend aus Quadrokopter, VR-Brille und Fernsteuerung», klärt Hanspeter Hugli aus Affoltern auf, der selber begeisterter Drohnenpilot ist und so seinen Hunger nach Geschwindigkeit und Adrenalin stillt. Er sagt: «Die geringen Kosten und die Abwechslung machten den Sport interessant.» Früher habe er sich auf dem Motorrad abreagiert. Das tue er nun weit weniger gefährlich mit seiner Drohne. Sandro Geissmann, Präsident des 50 Mitglieder zählenden Vereins «FPV Racers», geht noch einen Schritt weiter: «Als Kopterpilot ist man Programmierer, Ingenieur, Mechaniker, Pilot und Spieler in einem.» Viele der Kopterpiloten kämen entweder aus dem Modellbau, seien passionierte Computergamer oder beides zusammen. Entsprechend reicht das Altersspektrum vom Jugendlichen bis zum Golden Ager. «Die Szene ist noch jung, erfindet sich aber laufend neu. Wir haben unseren Verein erst vor vier Jahren gegründet», erklärt Geissmann. Der Gastgeber in Rifferswil, Fredi Haller alias «Balu», hat sogar erst vor zwei Jahren mit dem Drohnenfliegen begonnen. Er sagt: «Mit den Drohnenrennen wollen wir in erster Linie faszinieren – und Vorurteile widerlegen.» Geissmann ergänzt: Die Schweiz habe eine sehr liberale Gesetzgebung. Das wolle man nicht durch die Missachtung der Privatsphäre andrer oder durch Flüge in Verbotszonen nahe Flugplätzen aufs Spiel setzen. Viele Hobbypiloten, die sich im Internet eine Drohne beschafften, täten dies leider aus Unwissenheit – und schadeten so der gesamten Modellflugszene.

Weitere Infos unter fpvracer.ch.