Bezirk Affoltern
02.09.2014

Vergnügliche Stunde mit Hanspeter Müller-Drossaart

Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart begeisterte in der Regionalbibliothek. (Bild Urs E. Kneubühl)

Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart begeisterte in der Regionalbibliothek. (Bild Urs E. Kneubühl)

Zahlreich und begeistert zeigte sich das Publikum am Samstagnachmittag beim Auftritt des Schauspielers und Kabarettisten Hanspeter Müller-Drossaart im Rahmen der Jubiläen.

von urs e. kneubühl

Zwischen dem Jazztrio «Leihohrenschmauser» und der «SäuliämtlerHuusmusig», die im Festzelt aufspielten, gab es drinnen, in der Bibliothek, mit «Dichter Klang» eine Reise durch die Welt der Poesie. Als belesener Reiseführer navigierte der Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart mit viel Charme und Humor durch Lyrik und Prosa in Hochdeutsch und Mundart sowie in diversen Dialekten. Er erfreute mit einer bunten Auswahl meist humorvoller, bisweilen aber auch nachdenklich stimmender Verse aus den Federn verschiedenster Autoren und begeisterte dabei mit seiner leichtfüssigen und augenzwinkernd ins Körperhafte gesteigerten Lesung von humorigen Stücken ebenso wie mit den auf besinnliche und zurückhaltende Weise gelesenen ernsteren Versen.

Von Kästner, Ringelnatz, Hohler bis zu Shakespeare in Walliserdeutsch

Jeweils mit passendem Mimenspiel und ebenso entsprochener Verve trug der in Obwalden geborene und in Uri aufgewachsene Müller-Drossaart sowohl die Ausschnitte aus Geschichten und Erzählungen, als auch die Gedichte vor. Die zahlreich erschienene Zuhörerschaft in der Regionalbibliothek amüsierte sich dabei über den Humor eines Erich Kästner, der einen Schauspieler namens Gustav Renner im «Toggenburger Stadttheater» auftreten lässt, eines Heinz Erhardt, Joachim Ringelnatz oder Robert Gernhardt genauso wie über Mundart-Verse von Ernst Eggimann und Franz Hohlers schweizerdeutsche Nachdichtung «Weni mol alt bi» des Beatles-Hits «When I’m Sixty Four». Als sprachlich höchst wandlungsfähiger Darsteller gab Müller-Drossaart dazu die verschiedensten Dialekte zum Besten – je nachdem, aus welcher Gegend der Schweiz der Dichter kommt: Glarner und Urner – okay, das sind seine Mutterdialekte –, aber ebenso Berner, Bündner oder Thurgauer. Und selbst die Nuancen von Hohlers Oltner Dialekt sind ihm nicht fremd.

Aber weil die Welt ja nicht nur aus Heiterkeit, Witz und Frohsinn besteht, setzte Hanspeter Müller-Drossaart als sensibler und genauer Beobachter zwischen die humorigen Rezitationen präzise und gefühlvoll auch besinnlichere Akzente. Etwa wenn er das von heimwehkrankem Kummer, morbider Melancholie und grüblerischem Unsinn getragene Lied «Alaan Sei Is Ärger Als Ratzn Fressen» von André Heller und Helmut Qualtinger – selbstredend im Weaner Dialekt passend singend – brabbelte und brummte.

Als Abschluss seiner Reise durch die Welt der Poesie hat sich Müller-Drossaart, der das Programm extra für das Jubiläumsfest «40 Jahre Haus zum Seewadel» zusammengestellt hat, eine ganz besondere Rosine ausgedacht. Mit zwei Sonetten von William Shakespeare in einer Visper Variante des Walliserdeutsch, grossartig übertragen vom Basler Anglisten und gebürtigen Walliser Markus Marti, beschloss der gut gelaunte Hanspeter Müller-Drossaart eine launige wie höchst vergnügliche Lesestunde und erntete für seinen Auftritt verdienten, lang anhaltenden Applaus.