Bezirk Affoltern
04.10.2018

Im Wald hats Platz

Ein Kindergartenzimmer mitten im Wald. Im Wolserholz in Obfelden gibt es das seit Ende August. <em>(Bild Livia Häberling)</em>

Ein Kindergartenzimmer mitten im Wald. Im Wolserholz in Obfelden gibt es das seit Ende August. (Bild Livia Häberling)

In Obfelden ist die Anzahl der Kindergärtner zwischen 2015 und 2018 von 116 auf 147 Kinder angestiegen. Seit Ende August bietet die Primarschule Obfelden nun einen Waldkindergarten an. Das habe nichts mit knappen Platzverhältnissen zu tun, beteuern Schulleitung und Primarschulpflege.

Von Livia Häberling

Ende August wurde in Obfelden ein neuer Kindergartenraum in Betrieb genommen, der weder Dach noch Wände hat. Eine Klasse von 18 Kindern wird seit dem neuen Schuljahr im Wolserholz unterrichtet. Damit wolle man es den Kindern ermöglichen, die Natur als Lebensraum während der vier Jahreszeiten zu erleben, erklärt Karin Ugolini, Schulleiterin der Primarschule Obfelden. Auch die Sinneswahrnehmungen würden gefördert, und die Kinder erhielten einen Platz zum «Kindsein», erklärte sie. Die Idee, eine Klasse nicht in einem Kindergarten, sondern im Wald unterzubringen, war Anfang 2018 entstanden. Schulpflegepräsident Werner Kurt bestätigte auf Anfrage, dass man vom grossen Zuwachs an Kindergärtnern im ersten Halbjahr 2018 überrascht worden sei. Aufgrund der bereits grossen Klassen habe man diese Kinder nicht auf bestehende verteilen können. Dass diese neue Kindergartenklasse nun im Wald untergebracht wurde, habe jedoch nichts mit fehlendem Schulraum zu tun: «Beim Waldkindergarten handelt es sich nicht um eine Notlösung, sondern um ein neues attraktives Angebot der Primarschule. Die Kindergartenklasse war innert kürzester Zeit voll», erklärte Kurt. Und auch Karin Ugolini betonte: «Der Waldkindergarten wurde ausschliesslich aus pädagogischen Gründen initiiert.»

Am 5. Juni 2016 hatte die Obfelder Bevölkerung dem Abbruch und Ersatzneubau des Kindergartens Räsch zugestimmt und dafür einen Kredit von 4,2 Millionen Franken bewilligt. In den Abstimmungsunterlagen prognostizierte man einen Schülerzuwachs von 71 Kindergärtnern und Primarschülern bis ins Jahr 2019 und versicherte, mit dem Neubau für die Zukunft auch bei steigenden Schülerzahlen bestens gewappnet zu sein.

«Brenzlige» Platzverhältnisse: Auch ein Container stand zur Debatte

Im Sommer 2019 bezieht die Sekundarschule Obfelden ihr neues Schulhaus, und ein Teil der zugemieteten Räume wird wieder der Primarschule zur Verfügung stehen. Schulhausabwart Benno Hagenbuch glaubt, dass sich die Schulraumsituation dann entspannen wird. Für das Schuljahr 2018/2019 bezeichnet er die Schulraumsituation jedoch als «brenzlig». Anders klingt das bei der Schulleitung. Karin Ugolini erklärte, für kurz- und längerfristige Schlechtwetterphasen sei für den Waldkindergarten alles administrativ, organisatorisch und räumlich geplant und stehe zur Nutzung bereit. Wäre der Waldkindergarten nicht wie geplant zustande gekommen, hätte man die Klasse im Kindergarten Schlossächer untergebracht. Dieser Raum ist aktuell jedoch durch die Schulverwaltung besetzt. Auf die Frage, wo die Schulverwaltung dann untergebracht worden wäre, räumte Werner Kurt ein: «Dann hätten wir kreativ werden müssen.» Eine Überlegung sei gewesen, diese im Raum der Schulleitung unterzubringen. Auch eine Containerlösung sei diskutiert, aber wieder verworfen worden.

Zahlen unter Verschluss

Diese Platzverhältnisse – anderthalb Jahre nach Eröffnung des neuen Kindergartens – hätten nichts mit Fehlplanungen zu tun, so Werner Kurt. Platz gebe es genug: «Wir haben die neue Klasse bewusst nicht im Kindergarten Räsch untergebracht.» Sonst hätte die Psychomotorik umquartiert werden müssen, die aktuell in einem der vier Kindergartenräume untergebracht ist. So könne man die Kapazitäten dieses Gebäudes für die Zukunft freihalten, erklärte der Schulpflegepräsident und versicherte, man sei für die Zukunft bestens gewappnet. Bei ihrer Schulraumplanung wollte sich die Primarschule jedoch nicht in die Karten blicken lassen. Prognostizierte Schülerzahlen der vergangenen und kommenden Jahre sowie effektive Zahlen wollte die Schulleitung nicht herausgeben. Später wurde ein Teil der Zahlen doch noch ausgehändigt. Für das nächste Jahr wird erneut ein Zuwachs von zehn Kindergärtnern auf 157 Kinder erwartet. Danach sollten die Zahlen wieder rückläufig sein. Ihre Prognosen zu den Jahren 2015 bis 2018, auf denen die Schulraumplanung der letzten Jahre ebenfalls aufgebaut haben dürfte, machte die Primarschule Obfelden nicht öffentlich.