Bezirk Affoltern
04.10.2018

Nachhaltigkeit als Vision

Jürg Dreher stellt die Fertigungsstrasse für Solarpanels der Firma Schweizer vor. <em>(Bild Bernhard Schneider)</em>

Jürg Dreher stellt die Fertigungsstrasse für Solarpanels der Firma Schweizer vor. (Bild Bernhard Schneider)

Die Energieregion Knonauer Amt der Standortförderung hat die Schweizer Energieregionen zum ersten, von ihr initiierten Jahrestreff eingeladen. Das reichhaltige Programm enthielt immer wieder Raum für den persönlichen Austausch, damit die einzelnen Regionen möglichst viel von den Erfahrungen anderer profitieren können. Die Exkursion bot viel Anschauungsmaterial zur Nutzung von Energie.

Von Bernhard Schneider

Erste Station: Die Ernst Schweizer AG in Hedingen. Samuel Schweizer, Mitglied der Unternehmensleitung, stellte die Strategie des Familienunternehmens vor. Nachhaltigkeit als Vision werde konsequent umgesetzt und basiere auf den vier Standbeinen Kunden, Mitarbeitende, Umwelt und Wirtschaftlichkeit.

Design ist kein Zufall

Was die Umsetzung der Vision konkret bedeutet, erläuterte Martina Marchesi, Leiterin der Fachstelle Nachhaltigkeit, am Beispiel der Briefkästen. Die Briefkästen von Schweizer sind vom Designer Andreas Christen so gestaltet worden, dass sie die Bedürfnisse der Kunden bezüglich Funktionalität, Qualität und Haltbarkeit erfüllen, dass die industrielle Fertigung die Gefahren, welchen die Mitarbeitenden im Produktionsprozess ausgesetzt sind, minimiert, dass sich die Materialien – aussen Aluminium, innen Kunststoff – recyclieren lassen und keine nicht wertschöpfenden Tätigkeiten für die Herstellung erforderlich sind. Auf der anschliessenden Führung durch die Solarpanel-Fertigungsanlage erhielten die Vertreterinnen und Vertreter der Energieregionen konkrete Informationen bezüglich Arbeitssicherheit, Qualitätskontrolle und Fertigungseffizienz.

Charles Höhn, Mitglied des Forums Energie und Umwelt der Standortförderung, der den Anlass organisiert hat, führte aus, dass ein Fernsehbeitrag über die Energieregion Toggenburg ihn ursprünglich zur Gründung der Energieregion Knonauer Amt motiviert habe. Diese Erfahrung habe ihn nun dazu veranlasst, den 1. Jahrestreff der Schweizer Energieregionen zu initiieren, denn es sei wichtig, gegenseitig voneinander profitieren zu können. Der nächste Treff der Energieregionen finde folgerichtig im Toggenburg statt. Im Jahr 2008 hat eine Arbeitsgruppe der FDP eine Potenzialstudie für erneuerbare Energien in der Region durchgeführt. Finanziert wurde diese von Wirtschaftsverbänden, Unternehmen und der Standortförderung. Aufgrund der 2010 präsentierten Resultate erklärten die Gemeinden die Energieregion zu einem Schwerpunktprojekt. 2012 wurde die regionale Energieberatung eingeführt, 2013 der regionale Solarkataster aufs Netz aufgeschaltet, der jedem Hausbesitzer ermöglicht, das Potenzial seines Daches für die Nutzung von Sonnenenergie zu analysieren. Dabei forderte Höhn auf, man solle nicht nur an den Strom, sondern auch an die Wärmeproduktion denken.

Bildung und Energie

Lutz Eichelkraut, Präsident des Zentrums Kafimüli in Stallikon, zeigte auf, wie sich auf spielerische Weise Energie vorstellbar machen lässt, beispielsweise mit dem Bausatz für Solarspielautos, dem Solarspielhaus und Programmier-Workshops: «Im Rahmen des Fachs Mint – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – können sich die Schulklassen dank dem Lehrplan 21 mit Energie auseinandersetzen und dabei etwas erleben, was nur schwer vorstellbar ist.»

Energieproduktion einst und jetzt

Die HEA Holzenergie AG betreibt im Auftrag der Stadt Affoltern einen Nahwärmeverbund mit Holzschnitzelfeuerung, der etwa 180 Gebäude mit Wärme und warmem Wasser beliefert, darunter die Spitalgebäude und die Gemeindeverwaltung. Herbert Stähli führte die Gäste aus den Energieregionen durch die ganze Anlage. Gerade in diesem Jahr sei nach dem heissen Sommer der Borkenkäferbefall überdurchschnittlich. Aus Sicht der Holzwirtschaft wäre es am besten, möglichst sofort alles befallene Holz zu verbrennen, was leider nicht gehe. Aber selbstverständlich verbrenne man in erster Priorität Holz mit Borkenkäferbefall. Holzenergie ist CO2-neutral und unterstützt die nachhaltige Nutzung der Wälder, denn der Holzhandel ist nur an den Filetstücken der Bäume interessiert. Was sich nicht für Möbel und Gebäudekonstruktionen nutzen lässt, bietet sich zum Heizen an. Durch die Substitution von Erdöl durch einheimisches Holz wird die Versorgungssicherheit erhöht und das Geld für den Brennstoff bleibt in der Region.

Letzte Station: Das Kraftwerk der einstigen Ottenbacher Weberei. Wie Heinz Geiger erläuterte, handelt es sich bei der restaurierten Turbine von 1920 um eine der letzten dieser Generation weltweit, die noch betriebsbereit ist. Hans Fässler erläuterte anschaulich die Gefahren, welchen die Arbeiterinnen und Arbeiter vor 100 Jahren ausgesetzt waren durch die Transmissions- und die Gleichstromanlage, die glücklicher- und erstaunlicherweise nie einen Brand ausgelöst habe. Die Anlage kann heute gemäss modernen Sicherheitsnormen betrieben werden, produziert aber zu wenig Strom, als dass sich das EKZ für einen Anschluss ans Netz interessieren würde. Im Anschluss an die anschauliche Exkursion am Nachmittag konnte am Abend das Forum mit Anton Gunzinger und Hans-Ulrich Bigler besucht werden (siehe Artikel 5. Spalte).