Bezirk Affoltern
04.10.2018

Üben an der Tücke des Objekts

Komplexer Einsatz mit dem Hubretter, dessen Ausleger fast zu lang für die beengten Platzverhältnisse war. <em>(Bilder Martin Platter)</em>Die Haustechnik im Meilihof will im Brandfall richtig bedient sein.

Komplexer Einsatz mit dem Hubretter, dessen Ausleger fast zu lang für die beengten Platzverhältnisse war. (Bilder Martin Platter)

Die Haustechnik im Meilihof will im Brandfall richtig bedient sein.

Die Feuerwehrübung am Montagabend im Meilihof in Ebertswil hat exemplarisch gezeigt, wie vielseitig die Herausforderungen der Rettungskräfte in unserer technisch hochgerüsteten Welt geworden sind. Letztlich bleibt aber der Mensch entscheidend.

Von Martin Platter

Gabi Blickenstorfer wird langsam nervös. Auch ohne Feuer ist die Temperatur im rauchdichten, feuerfesten Outfit der Hausemer Feuerwehrkommandantin am Steigen. Der Schweiss rinnt – auch in die Augen, die durch das Fenster der Schutzmaske im dichten Rauch ohnehin schon eine beeinträchtigte Sicht haben. Das schmale Lichtbündel der Lampe an ihrem Helm schafft es knapp, den düsteren Kellerraum auf einen Meter Distanz auszuleuchten. Zusammen mit ihren Kameraden kann sie den supponierten Glimmbrand an einem Elektrorollstuhl zwar löschen. In der anschliessenden Übungsbesprechung muss die Kommandantin jedoch gestehen, dass sie die zu rettende Person, die sich im Raum befunden hat, im dichten Rauch nicht gefunden habe.

Wenn die Reichweite zu lang ist

Derweil draussen die Affoltemer Equipe der Stützpunktfeuerwehr mit der Tücke der Objekte kämpft. Mit dem Hubretter sollen Einwohner des Meilihofs aus den oberen Etagen von zwei recht nahe beieinander stehenden Häusern gerettet werden. Das klappt beim ersten Haus wie gewünscht. Beim zweiten jedoch ist der Ausleger zu lang. Der Hubretter muss «umparkiert» werden, was Zeit wertvolle kostet. Bei der Übungsbesprechung kommt neben der engen Zufahrt noch ein anderes Thema zur Sprache, das beim Einsatz mit schweren Gerät nicht ausser Acht gelassen werden darf: Die Tragkraft von Plätzen zwischen Mehrfamilienhäusern, die in der heutigen Zeit meist von einer Tiefgarage unterkellert sind. Ein Hubretter beispielsweise wiegt 16 Tonnen.

Komplexe Haustechnik

Überhaupt nimmt die Komplexität bei Rettungen in modernen Häusern laufend zu. Lüftungsanlagen, Lifte, Sicherheitstüren, automatische Schliesssysteme, Luftschleusen und im Meilihof noch automatische Schiebetüren: Alles will im Brandfall richtig bedient werden, damit sich ein allfälliges Feuer nicht weiter ausbreiten und die Menschen im Gebäude gerettet werden können. Meilihof-Leiter Matthias Gretler nutzte die Gelegenheit, um das gesamte Personal in die Übung zu involvieren. Wie Übungsleiter Patrick Wyss richtete er am Schluss seinen Dank an die Rettungskräfte, dass sie den Meilihof beübt haben: «Nur wenn man die verwinkelten Örtlichkeiten kennt und sich mit den technischen Herausforderungen auskennt, kann man im Ernstfall kompetent Hilfe leisten. Die Mannschaft hat die schwierige Übung sehr gut gemeistert.»