Bezirk Affoltern
09.10.2018

Um 4.46 oder um 6.46 Uhr läuten?

Nirgendwo ertönen die Morgenglocken so früh wie in Maschwanden. Ob das so bleibt, wird eine Bevölkerungsumfrage zeigen. <em>(Bild Werner Schneiter)</em>

Nirgendwo ertönen die Morgenglocken so früh wie in Maschwanden. Ob das so bleibt, wird eine Bevölkerungsumfrage zeigen. (Bild Werner Schneiter)

In Maschwanden wehrt sich ein neu zugezogener Einwohner gegen das Glocken-Frühgeläut um 4.46 Uhr. Die Kirchenpflege lässt nun versuchsweise zwei Stunden später läuten und will mittels Umfrage erfahren, wie die Bevölkerung darüber denkt.

Von Werner Schneiter

In Maschwanden, der kleinsten Gemeinde im Säuliamt, ticken die Uhren oft anders als anderswo. Derweil Gemeinden das Frühgeläut in den letzten Jahren wegen Widerstands aus der Bevölkerung verstummen liessen oder in die späteren Morgenstunden verschoben haben, ertönen die Morgenglocken in Maschwanden bereits um 4.46 Uhr – so früh wie nirgendwo in der Schweiz. An dieser Tradition wurde bereits vor 15 Jahren gerüttelt, als sich ebenfalls Neu-Maschwander in ihrer nächtlichen Ruhe gestört fühlten, aber mit ihrem Ansinnen abblitzten. Damals wurde die Polizeiverordnung einfach entsprechend geändert und das Brauchtum zementiert. Daran will nun ein in die Gemeinde gezogener Mitbürger rütteln, der in unmittelbarer Nähe der Kirche wohnt. Er wandte sich an die Kirchenpflege, die daraufhin das um 4.46 Uhr ertönende Frühgeläut zeitlich von fünf auf zweieinhalb Minuten reduzierte, aber den Anwohner damit nicht besänftigen konnte. Er erwache auch bei kürzerem Geläut regelmässig, tat er Kirchenpflegepräsidentin Vreni Bär kund. Daraufhin entschied die Behörde, das Frühgeläut zwei Stunden später, um 6.46 Uhr, ertönen zu lassen – versuchsweise bis am 25. Oktober 2018.

Die Kirchenpflege macht nun ihren Entscheid über den Beginn des Geläuts von einer Umfrage in der Bevölkerung abhängig. Diese kann ihre Meinung bis 14. Oktober kundtun. «Danach legen wir uns fest», fügt Vreni Bär bei. Sie stellt in Aussicht, dass bei einem klaren Ja die alte Regelung beibehalten wird. Aus der Bevölkerung habe sie bisher unterschiedliche Reaktionen erhalten. «Auch heftige», schiebt sie nach.

Initiative des alt Gemeindepräsidenten

Deutlich reagiert hat auch alt Gemeindepräsident und Rechtsanwalt Koni Messikommer, der vor 15 Jahren das Ansinnen auf späteres Läuten auf juristischem Weg bodigte. In einem Schreiben an die Kirchenpflege gibt er seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass man sich durch einen Neuzuzüger verleiten liess, später zu läuten. Er fragt sich, ob die Kirchenpflege dazu berechtigt ist und zitiert Bundesgerichtsentscheide, wo jeweils die Politische Gemeinde Partei gewesen ist. Messikommer beruft sich auf die unter seiner Ägide geänderte Polizeiverordnung, wonach weder der viertelstündliche Glockenschlag noch das traditionelle Kirchengeläute Lärmimmissionen darstellen. Falls sich der Nachbar gestört fühle, so müsse er den Nachweis erbringen, dass der Glockenlärm bei halboffenem Fenster mindestens 60 Dezibel überschreite, argumentiert der ehemalige Gemeindepräsident. Er stützt sich dabei auf bundesgerichtliche Rechtssprechung.

Brauchtum möglichst wahren

Jurist Messikommer zitiert im Weiteren ein Bundesgerichtsurteil in Sachen Frühgeläut im zürcherischen Bubikon, wo dieses als «Brauchtum der ländlichen Gemeinde» bezeichnet wird. Eine solche Tradition rechtfertige es, Einschränkungen nur mit Zurückhaltung anzuorden, heisst es im Urteil der höchsten Instanz. Koni Messikommer versteht sein Schreiben an die Kirchenpflege auch als Einzelinitiative mit dem Wortlaut: «Das Kirchengeläute der Kirche Maschwanden soll bis zum Widerruf durch die Gemeindeversammlung um 4.46 Uhr erklingen.»

«Wir haben diese Initiative natürlich noch nicht behandelt, weil wir erst die Meinung der Bevölkerung erfahren wollen», sagt Vreni Bär. Koni Messikommer will die Initiative dann zurückziehen, wenn die Kirchenpflege auf ihren Entscheid zurückkommt und das bisherige Frühgeläute wieder zum Zug kommt.