Bezirk Affoltern
09.10.2018

Veränderte Immobilienlandschaft

Hielt das letzte Referat als Direktor des HEV Schweiz: Ansgar Gmür.

Hielt das letzte Referat als Direktor des HEV Schweiz: Ansgar Gmür.

Er hat die Entwicklung des Immobilienmarktes über Jahre verfolgt und zum Teil auch mitgeprägt: Das letzte Referat als Direktor des HEV Schweiz hielt Ansgar Gmür am traditionellen Herbstanlass vor den Mitgliedern des HEV Albis.

Von Martin Mullis

Der Präsident des HEV Albis, René Homberger, durfte am vergangenen Donnerstagabend in der Aula vom Schulhaus Ennetgraben in Affoltern rund 140 Besucher herzlich willkommen heissen. Er begrüsste ganz besonders auch die eingeladenen interessierten Nichtmitglieder, sowie die ebenfalls anwesenden Mitglieder aus Birmensdorf und Aesch. In seinem kurzen Begrüssungswort stellte er die Aktivitäten des HEV Albis vor und unterstrich dabei vor allem die wichtige politische Arbeit, welche der Verband leistet. Die Sektion Albis ist von den 24 Sektionen des HEV Kanton Zürich die sechstgrösste. Bevor er das Wort dem Gastreferenten Ansgar Gmür erteilte, hielt er fest, dass dieser als Direktor des HEV Schweiz ein letztes Mal als Referent auftrete.

Der Grund für den ausserordentlich grossen Aufmarsch der Gäste war denn auch zweifellos der angekündigte Gastreferent. Unter den Mitgliedern des HEV ist hinlänglich bekannt: Niemand versteht es besser, während knapp einer Stunde ein relativ trockenes und theoretisches Thema wie die Entwicklung der Immobilienlandschaft unterhaltsamer, witziger und spannender vorzutragen als Ansgar Gmür. Der scheidende Direktor des HEV und zukünftige Prediger enttäuschte seine Zuhörer nicht, mit einem Feuerwerk von Witzen, Sprüchen begleitet von ausufernder Gestik behandelte er die zum Teil beunruhigende Thematik. Seine zahlreichen Folien über Steuern, Abgaben, amtliche Stolpersteine für Grundeigentümer und ausufernde Bauvorschriften wurden immer wieder aufgelockert mit einigen politisch nicht ganz korrekten Witzen. Er verstand es ausgezeichnet, das Gelächter seiner Zuhörer abrupt mit manchen durchaus ernüchternden Tatsachen zu unterbrechen.

Erstaunliche statistische Zahlen

Dabei bediente er sich einiger simpler, aber auch alarmierender statistischer Zahlen. In der Schweiz würden sich aktuell 65000 leere Wohnungen befinden, was eine Summe von 864 Millionen Franken an fehlenden Mietzinseinnahmen verursache. Die Statistik der Umzugsquoten zeige, dass im Kanton Zürich jeder Mieter alle acht Jahre seine Wohnung wechsle. Ebenfalls erschreckend die Tatsache, dass zum Beispiel bei den Bauvorschriften der Begriff «Gebäudehöhe» in der Schweiz von jedem Kanton völlig unterschiedlich definiert wird. Ganz besonders geisselte der scheidende Direktor der HEV Schweiz die zahlreichen Steuern und Abgaben für die Haus- und Grundeigentümer. So erwähnte er die in Bundesschubladen wartenden Sondersteuern wie zum Beispiel eine Wohnflächensteuer. Wenn der Staat kein Geld hat, holt er es bei den Hauseigentümern, war sein Fazit über das Thema Steuern und gliederte dabei auf einer Folie den Begriff Regierung in drei Silben mit Re-Gier-Ung. Den politischen Gegner der Haus- und Grundstückbesitzer nannte er zwar nicht allzu direkt, erntete aber grosse Heiterkeit mit dem Spruch: «Lieber ein Haus im Grünen als ein linker Grüner im Haus». Die Geldinstitute bekamen jedoch bei seinen Ausführungen ebenfalls ihr Fett weg.

Unterhaltungsshow mit ernsten Facts

Die privaten Hausbesitzer müssten vor den Geldinstituten geschützt werden, behauptete Gmür und die Bankenlogik «Das Geld ist nicht verloren, es gehört nur jemand anderem» sei durchaus gängig, höhnte er zwar lachend, dennoch nicht weniger anklagend. Er forderte die Hauseigentümer auf zu kämpfen und erwähnte dabei ganz besonders die aktuellen Anstrengungen zur Beseitigung des Eigenmietwertes. Die vierzigminütige pure Unterhaltungsshow mit ernsten Facts und besorgniserregenden Zahlen beendete Ansgar Gmür aber schliesslich doch noch versöhnlich. Trotz seiner unmittelbar bevorstehenden Pensionierung absolviert er momentan eine Ausbildung als Theologe und folgt seinem bereits als junger Student gewählten Grundsatz «Ora et labora». Ansgar Gmür wird seinen künftigen Lebensabschnitt als Pfarrer und Prediger beschreiten. Bereits am 21. Oktober 2018 wird Pfarrer Gmür in der Kirche Bonstetten predigen. Zur Frage aus dem Publikum, warum er den Weg zur Kirche wähle, antwortete er, dass er sein Talent zum Reden künftig für Gott einsetzen möchte. Darüber, ob er dafür dereinst im Himmel ebenso grossen Applaus wie in der Aula Ennetgraben erhält, mussten die Hausbesitzer selber spekulieren.