Front
09.01.2012

Klares Ja zum Autobahnzubringer Obfelden-Ottenbach

Im Vorfeld der kantonsrätlichen Kreditabstimmung zur Umfahrung von Ottenbach treffen frühmorgens vor dem Rathaus Befürworter (Rolf Hegetschweiler) und Gegner (Regula Ochsner) aufeinander. (Bild Martin Platter)

Im Vorfeld der kantonsrätlichen Kreditabstimmung zur Umfahrung von Ottenbach treffen frühmorgens vor dem Rathaus Befürworter (Rolf Hegetschweiler) und Gegner (Regula Ochsner) aufeinander. (Bild Martin Platter)

Der Kantonsrat hat dem Objektkredit von 39,6 Millionen Franken für den Autobahnzubringer mit der Umfahrung Ottenbach und der Tieferlegung der Muristrasse in Bickwil mit 95 gegen 74 Stimmen zugestimmt. Der Rückweisungsantrag der SP wurde mit 98 zu 70 Stimmen abgelehnt, ebenso ein Antrag auf Kreditreduktion.

Von Martin Platter, Zürich

Es war eine bizarr anmutende Szene direktdemokratischer Aktivitäten, die sich am Montagmorgen im fahlen Licht des aufwachenden Tages vor dem Zürcher Rathaus abgespielt hat. Regula Ochsner und Adrian Halter vor der Interessengemeinschaft «erholen statt überholen» stehen vor dem Eingang und werben bei den eintreffenden Kantonsräten gegen die Umfahrung Ottenbach. Kurz darauf treffen auch die Befürworter unter der Ägide von Alt-Nationalrat Rolf Hegetschweiler ein, beginnen ein Transparent mit der Aufschrift «Wohnen im Dorf... Fahren ums Dorf» auszurollen und die Passanten von ihrer gegenteiligen Meinung zu überzeugen. Für Regula Ochsner, die mit Solarkochern gegen die Rodung der Wälder auf Madagaskar mehrfach preisgekrönte Entwicklungshilfe geleistet hat, ist der Fall klar: «Ich will mich auch vor der eigenen Haustür für die Erhaltung der Natur einsetzen.» Bei Rolf Hegetschweiler (FDP) dagegen steht das Wohl der Einwohner Ottenbachs und Obfeldens an erster Stelle: «Diese Umfahrung ist Bestandteil der flankierenden Massnahmen des Autobahnbaus. Deshalb bezahlt der Bund 25 Millionen Franken an das Projekt. Mit Blick auf die Bautätigkeit im Freiamt ist davon auszugehen, dass das Verkehrsaufkommen in Zukunft deutlich steigen wird. Die derzeitig entgegen der Prognose tiefere Verkehrsfrequenz, mit denen die Gegner operieren, sind nicht verbindlich.» 

Polare Diskussion im Kantonsrat 

Ähnlich polar verlief dann auch die Diskussion im Rat. Für den Projektkredit sprachen sich die Vertreter SVP, FDP, EVP, CVP und BDP aus. Das Projekt sei ausgewogen und ziehe keinen neuen Verkehr an. Zudem dürfe man sich nicht der künftigen Entwicklung verschliessen, so der allgemeine Tenor. Die Exponenten der SP, Grünliberalen, Grünen und EDU sprachen sich gegen die Vorlage aus mit der Begründung, neue Strassen generierten Mehrverkehr. Das derzeitig tiefe Verkehrsaufkommen widerspräche der Prognose und rechtfertige die Ausgabe nicht. Im Weiteren wurde bemängelt, dass für das Projekt ein schützenswertes Gebiet geopfert werde – ohne dass Ottenbach auf der Nord-Süd- und West-Ost-Achse tatsächlich wirksam vom Verkehr entlastet werde. Das Fehlen des Angebotes des öffentlichen Verkehrs wurde ausserdem bemängelt. Die Projektgegner fassen nun ein Referendum ins Auge.