30.07.2020

Biber breitet sich stetig aus

Der einst ausgerottete Biber erobert sich immer mehr Lebensräume zurück. (Bild Greifensee-Stiftung)

Der einst ausgerottete Biber erobert sich immer mehr Lebensräume zurück. (Bild Greifensee-Stiftung)

Der Biber breitet sich im Kanton Zürich immer mehr aus. Rund 480 Tiere leben im Kantonsgebiet, mehrheitlich im nördlichen Kantonsteil. Im Knonauer Amt haben sich zwei Dutzend Biber eingelebt. Die Aussichten für eine weitere Verbreitung sind gut.

Von: Stefan Schneiter

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Biber ausgerottet in der Schweiz. 150 Jahre lang blieben sie verschwunden. Mitte des letzten Jahrhunderts begann die Wiederansiedlung. Nun scheint sich der Biber immer mehr wohlzufühlen im Kanton Zürich. Alle drei Jahre lässt die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung den Biberbestand erheben. Das in dieser Woche veröffentlichte Biber­monitoring 2020 zeigt, dass derzeit rund 480 Tiere im Kanton Zürich leben. Vor zwölf Jahren, als erstmals die Zahl der Biber erhoben wurde, waren es nicht mal ein Drittel so viele. In den letzten drei Jahren hat der Bestand um über 21 Prozent zugenommen. Vornehmlich im nördlichen Kantonsteil, vor allem an der Thur und am Rhein, besiedeln sowohl Einzeltiere wie auch Biberfamilien laufend neue Gewässerabschnitte. 

Die Zunahme des Biberbestandes ist jedoch vor allem darauf zurückzuführen, dass sich Nagetiere vermehrt im Süden des Kantons niederlassen. Im Knonauer Amt leben gemäss der jüngsten Erhebung derzeit gut zwei Dutzend Tiere. Sie verteilen sich auf acht verschiedene Quartiere. In der kantonalen Erhebung werden Einzel-/Paarreviere sowie Familienreviere erfasst. Die vier Einzel-/Paarreviere befinden sich am Fischbachweiher in Wettswil, am Jonenbach in Zwillikon, am Haselbach in Knonau sowie im Fabrikkanal in Ottenbach. Von den vier Familienrevieren liegen je zwei an der Lorze bei Maschwanden und an der Reuss bei Merenschwand. Geht man davon aus, dass in Einzel-/Paar­revieren ein bis zwei Tiere leben und in Familienrevieren durchschnittlich deren fünf, so ergibt sich die Gesamtzahl von etwa 26 Bibern im ganzen Knonauer Amt. 

Und die Aussichten auf eine kontinuierliche Weiterverbreitung des Bibers im Knonauer Amt stehen gut. Laut Urs Wegmann, Leiter der kantonalen Biberfachstelle, sind im Norden des Kantons die guten Reviere von Bibern weitgehend besetzt, die Zunahme der Bestände daher nicht mehr sehr gross. «Das Wachstumspotenzial liegt im Süden des Kantons», meint Wegmann. Der Druck auf die Biberbestände ist kleiner als im Norden, sodass die Biber nicht gezwungen sind, unattraktive Nebengewässer zu besiedeln. Die Ausbreitung des Bibers ist jedoch eher ein langsamer Prozess. Erst muss sich ein Einzeltier ein Revier erobern, danach einen Partner finden. Und bis die Jungen gezwungen sind, abzuwandern in ein neues Quartier, dauert es jeweils zwei bis drei Jahre. 

Noch Lebensräume frei

«Im Knonauer Amt sind noch lange nicht alle Lebensräume für Biber besetzt», sagt Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Wenn die bestehende Biberpopulation erst mal richtig Fuss gefasst habe, werde sie sich weiter ausdehnen. Biber breiten sich in der Regel von grösseren Gewässern das Gewässersystem hinauf in immer kleinere Seitenbäche aus. 
Für Zinggeler ist die Ausbreitung der Biber im Kanton Zürich eine «Riesen­erfolgsgeschichte». Es sei «einmalig», was sich hier in den letzten fünfzig Jahren getan habe. Wenn auch nicht immer alle Freude am Wirken des Bibers hätten, so sei er doch ein wertvoller «Baumeister der Natur». Der Biber ist ein sehr aktives Tier, das Bäume fällt, Bäche staut und tiefe Bauten ins Ufer gräbt. Dadurch schafft er ungewöhnlich artenreiche ­Lebensräume und trägt zur Rückkehr seltener Pflanzen und Tiere bei, so etwa des Eisvogels, der Geburtshelferkröte, der Ringelnatter oder von Wattvögeln. Auch Fische werden in von Bibern bewohnten Gewässern zahlreicher.