Bezirk Affoltern
08.07.2021

Wichtige Rolle von Fuss- und Radverbindungen im Verkehrssystem

Einer der Schwachpunkte gemäss der Analyse im regionalen Richtplan: Der viel genutzte Weg am Türlersee ist als Radweg ausgeschildert. Der Belag lässt aber keine Benutzung mit dem Rennrad zu und die Signalisierung verbietet die Nutzung mit schnellen E-Bikes. (Bild Bernhard Schneider)

Einer der Schwachpunkte gemäss der Analyse im regionalen Richtplan: Der viel genutzte Weg am Türlersee ist als Radweg ausgeschildert. Der Belag lässt aber keine Benutzung mit dem Rennrad zu und die Signalisierung verbietet die Nutzung mit schnellen E-Bikes. (Bild Bernhard Schneider)

Das Gesamtverkehrsmodell des Kantons rechnet mit einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs. Um die Überlastung der Strassen zu reduzieren, sollen sowohl der öffentliche Verkehr als auch die Fuss- und Radwege ausgebaut ­werden, die als wesentliche Bestandteile des Gesamtverkehrssystems zu betrachten seien.

Von: Bernhard Schneider

Die Schweizer Stimmberechtigten verpflichteten die Kantone im Herbst 2018 mit dem Ja zum Veloweggesetz zur Planung und Umsetzung eines zusammenhängenden Radnetzes. Dieser Entscheid beeinflusst auch die regionale und kommunale Planung.

Gemäss dem Verkehrsmodell des Kantons Zürich ist der Bezirk Affoltern überdurchschnittlich stark vom motorisierten Individualverkehr belastet. 2030 soll dieser – im Vergleich zum kantonalen Mittel weit überdurchschnittliche – 79% der Wege bis 15 km und 80% der längeren Wege ausmachen. Der Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel soll gemäss diesem Modell auf kurzen Strecken 14%, auf langen 20% betragen. Der Veloverkehr würde dann auf den kurzen Distanzen bei 7% liegen – nur halb so viel wie im kantonalen Durchschnitt – auf längeren Distanzen wird er statistisch nicht erfasst.

Einleitend hält der Entwurf des neuen Richtplans fest: «Der öffentliche Verkehr (ÖV), der motorisierte Individualverkehr (MIV) sowie der Fuss- und Veloverkehr sind die wesentlichen Bestandteile des Gesamtverkehrssystems. Wie der Kanton im kantonalen Richtplan festhält, sind sie nicht als konkurrierende Einzelsysteme, sondern als komplementäre Bestandteile zu betrachten.» Die Verkehrsnetze seien daher im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und im Bewusstsein ihrer ökologischen Folgewirkungen zu erneuern, optimieren und ergänzen.

Sichere Fuss- und Velowege

Die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs sollen mit Bike&Ride-Anlagen ein sicheres Abstellen der Fahrräder ermöglichen. Schnelle und sichere Routen sollen nicht nur zu den Haltestellen, sondern auch zu Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplatzgebieten und Freizeiteinrichtungen führen. Sie sind mit ­einem attraktiven Wander- und Bikewegnetz zu ergänzen: «Dies soll dazu beitragen, die Verkehrsmittelwahl zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs zu verlagern. Zu steigern ist insbesondere die Bedeutung des Velos beim Pendlerverkehr sowie im alltäglichen Einkaufs-, Besorgungs- und Freizeitverkehr auf kurze Distanzen. Hierfür sind zwischen den wichtigen Quellen und Zielen auch auf Hauptstrassen direkte, attraktive und sichere Routen anzubieten.»

Dem Fussverkehr kommt in Kombination mit dem ÖV und für die Erholung ein hoher Stellenwert zu: «Das Fusswegnetz setzt sich aus regionalen und kommunalen Fusswegen zusammen. Die regionalen Fuss- und Wanderwege erschliessen Erholungsräume von überörtlicher Bedeutung, erlauben weiträumige Wanderungen und stellen die Verbindung zwischen Wandergebieten und geeigneten Ausgangs- und Endpunkten her. Im Knonauer Amt besteht ein dichtes Fuss- und Wanderwegnetz. Es verläuft zum Teil auf historischen Wegen und bietet hindernisfreie Routen an.»

Der regionale Richtplan sieht zur Schaffung hindernisfreier Routen kleinere Anpassungen sowie Signalisierungen vor. Teilweise neue Fusswege sollen von Hedingen nach Mettmenstetten Türlen sowie zwischen Husertal und Oberalbis entstehen. Eine Machbarkeitsstudie hat hingegen ergeben, dass sich die Verbindung Hell – Gamlikon im Reppischtal nicht der Reppisch entlangführen lässt.

Weitere Distanzen dank E-Bikes

Der Anteil des Velo- am Gesamtverkehr soll «deutlich gesteigert» werden: «Die Stärken des Velos liegen bei Distanzen unter fünf Kilometern beziehungsweise im Fall der E-Bikes auch deutlich darüber.» Der Veloverkehr könnte daher im regionalen bis überregionalen Pendler-, Einkaufs- und Freizeitverkehr eine wichtige Rolle übernehmen. Teil des Velowegnetzes sind auch die Routen von SchweizMobil, unter anderen Mountainbikeroute 22 Zürich – Einsiedeln, die von Zürich-Brunau auf den Albiskamm führt, von dort via Türlersee nach ­Sihlbrugg.

Eine Schwachstellenanalyse zeigt Handlungsbedarf auf. So soll dem Türlersee entlang ein asphaltierter Veloweg unter Beachtung des Naturschutzes gebaut werden. Verschiedene Velostreifen sollen beidseitig oder bergaufwärts markiert werden. Hohe Priorität kommt den Schulwegen etwa im Oberamt zu, ebenso der Verbindung von Knonau in Richtung Steinhausen. Zwischen Mettmenstetten und Dachlissen soll der Veloweg der Bahnlinie entlang verlängert ­werden.

Vom Eintrag im Richtplan bis zur Realisierung ist der Weg teilweise noch weit. Machbarkeitsstudien klären ab, was sich auch tatsächlich realisieren lässt und für verschiedene Massnahmen ist ein Prozess zum Erwerb des benötigten Landes erforderlich. Vielleicht dauert die Realisierung von Infrastrukturanlagen in der Schweiz manchmal länger als anderswo, dies ist der Preis für einen weltweit ziemlich einmaligen Miteinbezug der Bevölkerung in die Raumplanung.