Bezirk Affoltern
13.09.2021

Zeuge der industriellen Pionierzeit

Ein Mann, der das Rad in Schwung bringen kann: Hans Fässler, Vizepräsident des Vereins Historisches Kleinkraftwerk Ottenbach, am Herzstück des Systems, dem Regulator. (Bild Martin Mullis)

Ein Mann, der das Rad in Schwung bringen kann: Hans Fässler, Vizepräsident des Vereins Historisches Kleinkraftwerk Ottenbach, am Herzstück des Systems, dem Regulator. (Bild Martin Mullis)

Die Webstühle der mechanischen Seidenweberei in Ottenbach wurden seit 1871 über Trans­missionen angetrieben. Nach der Umstellung auf elektrischen Antrieb lieferte der 1920 ­installierte Generator die nötige Energie. Ein Industriedenkmal als Zeuge eines Wirtschaftsfaktors einer Region.

Von: Martin Mullis

Im Jahre 1836 wurde dem Müller Grob der Bau einer Wasserkraftanlage bewilligt. Er baute ein Streichwehr und einen Kanal und konnte so das Reusswasser reguliert zur Wasserkraftanlage leiten. Ab 1867 bauten die Herren Bodmer und Hürlimann die Mühle um und es entstand die «Mechanische Seidenweberei Zürich». Die Seidenweberei in Ottenbach brachte so im späten 19. Jahrhundert Arbeitsplätze ins kleine Bauerndorf an der Reuss. Die mechanischen Webstühle wurden mit Wasserkraft über Transmissionsriemen angetrieben. Im Jahre 1920 wurde die heute noch funktionierende Turbine eingebaut und lieferte über den Dynamo und den Generator elektrische Energie für den Betrieb der Elektromotoren der 350 Webstühle. In diesen Jahren waren in der Weberei Ottenbach bis zu 220 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt. Erst im Jahre 1936 wurde die Fabrik ans Stromnetz der EKZ angeschlossen, trotzdem lieferte die Turbinenanlage weiterhin Energie für rund sechs Monate pro Jahr. Ganz ausser Betrieb genommen wurde die Turbine erst 1975. In den Jahren 1980/81 wurde die Wasserkraftanlage als Zeuge der industriellen Pionierzeit mit einem Kredit der Zürcher Kantonsregierung umfassend renoviert. Während mehr als hundert Jahren war die Seidenweberei der einzige grosse Arbeitgeber in Ottenbach.

Die Turbinenanlage wird regelmässig in Betrieb genommen

Seit Dezember 2013 besteht der «Verein Historisches Kleinkraftwerk Ottenbach». Er entstand aus einer Betriebsgruppe, welche im Auftrag der kantonalen Denkmalpflege gegründet wurde und der die Turbinenanlage regelmässig in Betrieb nimmt, um Stillstandschäden zu vermeiden. Der Verein betreibt darüber hinaus auch regelmässige Vorführungen für die Öffentlichkeit.

Keine Frage, dass sich dafür die europäischen Tage des Denkmals bestens eignen, darum hatten die Vereinsmitglieder am Wochenende auch regen Besuch in ihrem Turbinenmuseum. Regelmässig wurden an diesen zwei Tagen Führungen durchgeführt. Präsident Hans Geiger und sein Stellvertreter Hans Fässler erklärten den Museumsbesuchern die technischen Feinheiten. Die gegenwärtigen Bauarbeiten verhinderten jedoch, die Anlage in Betrieb zu setzen. Dennoch wurden die Schilderungen während den Führungen beim Oberwasserkanal und der gesamten Turbinenanlage mit grossem Interesse verfolgt und den fachkundigen Führern gelang es ausgezeichnet, die Bauwerke und die Funktionen der technischen Einrichtungen zu erklären.