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28.04.2022

«Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden»

Claude Wuillemin, Präsident der SVP Bonstetten (links), durfte am Dienstagabend die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) sowie die beiden Nationalratsmitglieder Doris Fiala (FDP) und Gregor Rutz (SVP) in Bonstetten begrüssen. (Bild Livia Häberling)

Claude Wuillemin, Präsident der SVP Bonstetten (links), durfte am Dienstagabend die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) sowie die beiden Nationalratsmitglieder Doris Fiala (FDP) und Gregor Rutz (SVP) in Bonstetten begrüssen. (Bild Livia Häberling)

Am vergangenen Dienstag lud die SVP Bonstetten zu einem Polit-Abend ein. Während die Nationalratsmitglieder Doris Fiala und Gregor Rutz zum Transplantationsgesetz Stellung bezogen, sprach Regierungsrätin Natalie Rickli über die Gesundheitsversorgung im Kanton Zürich – und über das Spital Affoltern.

Von: Livia Häberling

So viel Publikum! Claude Wuillemin, Präsident der SVP Sektion Bonstetten, lächelte selig, als er ein paar Minuten vor Podiumsbeginn durch den vollen Gemeindesaal schwirrte. Dreimal schon hatte er die Zürcher Gesundheitsdirektorin nach Bonstetten eingeladen – und dreimal eine Absage erhalten. Doch, plauderte Wuillemin bei der Anmoderation, habe er gelernt, den Bettel bei Zurückweisung nicht gleich hinzuschmeissen.

Und voilà, da war sie nun: Natalie Rickli. Eingeladen, um über die Gesundheitsversorgung im Kanton Zürich zu reden, und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem sich viele Menschen im Säuliamt Antworten von ihr wünschen, ob und wie es mit dem Spital Affoltern weitergeht.

Nach einleitenden Worten zur ­Pandemiepolitik umriss die Gesundheitsdirektorin die Arbeit ihres Departements und ging auf die Herausforderungen in der Gesundheitspolitik näher ein. Dazu gehöre zum einen der demografische Wandel, der mehr medizinische Behandlungen mit sich bringe und die Kosten steigen lasse. Zum anderen seien aber auch medizintechnische Fortschritte zu berücksichtigen oder die Verlagerung von stationär zu ambulant.

Für die Spitalplanung stehe deshalb in den kommenden zehn Jahren die integrierte Versorgung im Fokus. Zugleich wolle man Leistungen mit speziellen Anforderungen an Personal und Infrastruktur möglichst konzentrieren, um Qualität und Effizienz zu steigern. «Das Resultat all dieser Überlegungen», so Rickli, «sind die provisorischen Spitallisten, die der Regierungsrat Mitte März in die Vernehmlassung gegeben hat.»

Zuversichtlich, den Standort zu erhalten

Im Bereich Akutsomatik seien im Kanton Zürich künftig 24 Standorte geplant. Der prognostizierte Bedarf könne damit in allen Bereichen gut abgedeckt werden, so Rickli, schliesslich sei es auch Aufgabe der Gesundheitsdirektion, mit den jährlich 1,5 Milliarden Steuergeld verantwortungsvoll umzugehen. «Und aus dieser Perspektive braucht es das breite Angebot des ­Spitals Affoltern in der stationären Grundversorgung nicht.»

Ihr sei bewusst, sagte Rickli, dass dieser Entscheid im Säuliamt für Aufregung gesorgt habe: «Damit haben wir gerechnet, und ich kann das nachvollziehen.» Doch die Zahlen zeigten eben auch: ­Zwischen 2016 und 2020 hätten sich im ­Bereich Grundversorgung nur noch 40 Prozent der Patientinnen und Patienten aus der Region im Spital Affoltern behandeln lassen. In Spezialbereichen wie Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie oder Atemwegserkrankungen seien es knapp 30 Prozent. Und bei komplexen Operationen an Bauchorganen oder bei Krebsbehandlungen nicht einmal 10 Prozent. Bei fehlender Routine leide irgendwann die Qualität. Deshalb gehöre es zur Strategie, gewisse Behandlungen künftig in ausgewählten Spitälern zu konzentrieren.

Obwohl für das Spital Affoltern im Bereich Akutsomatik kein unbefristeter Leistungsauftrag mehr vorgesehen sei, sollten die Trägergemeinden die Gelegenheit erhalten, sich über die Zukunft ihres Betriebs Gedanken zu machen. «Wir haben dem Spital Affoltern gesagt, dass wir sie unterstützen und gemeinsam einen Weg suchen möchten», so Rickli. Ein neues Arbeitspapier, das sich auf Psychiatrie, Palliative Care und Geriatrie konzentriere, liege vor. «So könnte das Spital Affoltern auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten.» Zum neuen Arbeitspapier habe das Spital Affoltern zusammen mit der Gesundheitsdirektion ein konkretes Konzept ausgearbeitet. Mit einer klaren Fokussierung auf die Stärken sei sie zuversichtlich, dass man eine Lösung finden werde.

Ebenfalls anwesend war Spitaldirektor Lukas Rist. Er meldete sich im Anschluss zu Wort und zeigte sich dankbar für den Austausch und die Debatte rund um die Zukunft des Spitals. Nun habe man die Gelegenheit, einen Plan zu entwickeln, um im Rahmen der integrierten Versorgung auch weiterhin für die Bevölkerung da zu sein. Zwar sei man mitten in Verhandlungen, doch sagte Lukas Rist: «Ich bin zuversichtlich, dass wir den Standort erhalten können.»

Im zweiten Teil des Abends äusserten sich Doris Fiala und Gregor Rutz zum geänderten Transplantationsgesetz, das am 15. Mai vors Volk kommt. Doch zuerst entliess Claude Wuillemin die Gäste in eine Pause. «Nicht zum Lüften», sondern weil man am Verpflegungsstand «ächli Waar» verkaufen wolle, wie er mit jovialem Pragmatismus betonte.