Bezirk Affoltern
14.02.2019

Spital Affoltern im medialen Fokus

Ja zur Auflösung des Zweckverbands, zweimal Nein zu den Nachfolgeorganisationen für Spital und Pflege – das empfiehlt der Stadtrat Affoltern vor den wegweisenden Abstimmungen zur Spitalzukunft. Die Mitteilung warf am Dienstag und Mittwoch hohe Wellen.

Von Thomas Stöckli

Zur kurzfristig einberufenen Pressekonferenz des Stadtrats Affoltern kamen am Dienstag nebst dem «Anzeiger» auch die NZZ und der Tages Anzeiger. Weitere Tageszeitungen nahmen das Thema anhand der versandten Medienmitteilung auf und auch für vier Radio- und einen Fernsehsender gab Stadtpräsident Clemens Grötsch Auskunft. Mit der Nein-Parole zum Akutspital und zur Langzeitpflege hat die Standortgemeinde eine Bombe platzen lassen – auch wenn es sich letztlich «nur» um eine Abstimmungsempfehlung handelt und die Stimmbürger am 19. Mai an der Urne das letzte Wort haben werden.

Fragezeichen zu den Kosten

Das Spital Affoltern spielt in der Zukunftsplanung des Stadtrats Affoltern keine Rolle mehr. Stattdessen soll die Grundversorgung durch eine 365-Tage-Permanence samt Rettungsdienst-Standort im Stadtzentrum gewährleistet werden, wie Stadtrat Martin Gallusser ausführte. Was dies Affoltern kosten würde, darüber wollte Stadtpräsident Clemens Grötsch auf Nachfrage des «Anzeigers» allerdings nicht sprechen.

Mit den neuen Fallpauschalen und den Mindestfallzahlen lasse sich das Akutspital nicht mehr rentabel betreiben, begründet der Stadtrat seine Nein-Parole. Ein Weiterbetrieb des Akutspitals sei nur durch massive Abstriche in anderen Bereichen und allenfalls Steuererhöhungen finanzierbar. Dem widerspricht Stefan Gyseler, Präsident der Spital-Betriebskommission (BK), vehement: Allfällige Verluste gehen zulasten des Spital-Eigenkapitals und werden nicht den Gemeinden verrechnet. Gelder würden erst bei einer Kapitalerhöhung für einen Neubau fliessen – das muss den beteiligten Gemeinden dann allerdings nochmals zur Abstimmung vorgelegt werden.

Volkswirtschaftlicher Nutzen ausgeklammert

Einer IKA Langzeitpflege will der Stadtrat nicht beitreten, weil Affoltern mit dem eigenen Haus zum Seewadel und der privat geführten Senevita bereits über ausreichend Pflegebetten verfüge. Weiter warnt die Behörde hier ebenfalls vor einer finanziellen Mehrbelastung. Auch das stösst beim Spital auf Unverständnis: Das Mindestquorum für die IKA sei bei 60% festgesetzt worden, so Gyseler, da ab dieser Schwelle ein selbsttragender Betrieb möglich sei.

Der Verein «Ja zum Spital Bezirk Affoltern» zeigte sich in einer Stellungnahme «befremdet über diesen Mangel an Solidarität der Stadtbehörden der Standortgemeinde zum Spital und des Hauptorts zum Bezirk». Die Bedeutung des Spitals als grösster Arbeitgeber und als wichtiger Standortfaktor im Bezirk werde ebenso wenig berücksichtigt wie die Rolle des Spitals als zentrales Zahnrad der Gesundheitsversorgung im Bezirk.

Klar ist: Folgen die Affoltemer Stimmbürger der Empfehlung ihres Stadtrats, bedeutet dies ziemlich sicher das Aus fürs Spital Affoltern – und damit für den grössten Arbeitgeber im Bezirk. Dass so viele Arbeitsplätze verschwinden könnten – gut 700 sind es insgesamt – bedaure er sehr, sagte Stadtrat Martin Gallusser. Unerwähnt blieb an der Medienkonferenz und im zusammenfassenden Communiqué der volkswirtschaftliche Nutzen des Spitals. Eine einfache Faustregel geht dabei von einem Dreifachen des Umsatzes aus, also rund 180 Mio. Franken pro Jahr. Das meiste davon kommt der Standortgemeinde zugute und auf einen Grossteil müsste Affoltern bei einem Aus des Spitals künftig verzichten.