Bezirk Affoltern
01.04.2019

Sorgt die ZKB für Tauwetter zwischen Behörden und Vereinen?

Eine von jährlich 90 Veranstaltungen im «LaMarotte» in Affoltern: Auftritt des Trios «Inner language».<em> (Archivbild «Anzeiger»)</em>

Eine von jährlich 90 Veranstaltungen im «LaMarotte» in Affoltern: Auftritt des Trios «Inner language». (Archivbild «Anzeiger»)

Im Rahmen ihres 150-Jahre-Jubiläums schüttet die ZKB im nächsten Jahr eine Sonderdividende von 150 Mio. aus. Ein Drittel davon geht an die Gemeinden. Die ZKB wünscht, dass das Geld für etwas Besonderes zugunsten der Bevölkerung ausgegeben wird – in Affoltern die Chance, das getrübte Verhältnis zwischen Stadt und Vereinen aufzuhellen.

von werner schneiter

Die ZKB teilt im Kanton Zürich ihren Geschäftserfolg mit Kanton und Gemeinden, die jährlich mit einer Gewinnausschüttung beglückt werden. So flossen in diesem Jahr 230 Millionen an den Kanton und 115 Millionen an die Gemeinden, wo sich die Finanzvorstände die Hände rieben. Die 14 Ämtler Gemeinden kassierten vom ZKB-Geschäftsjahr zusammen 4,13 Mio. Franken – so viel wie noch nie. Allein Affoltern erhält 925000 Franken – Geld, das in die ordentliche Rechnung fliesst.

Weitere 390 000 Franken für Affoltern

Im Jubiläumsjahr 2020 legt nun die ZKB nach und schüttet eine Sonderdividende in der Höhe von 150 Millionen aus, wovon auch hier zwei Drittel an den Kanton und ein Drittel an die Gemeinden fliessen. Nach den Worten von Martin Diethelm, Leiter der ZKB Affoltern, darf der Bezirkshauptort allein schätzungsweise 390’000 Franken erwarten. Die ZKB werde den Gemeinden den Verwendungszweck zwar nicht vorschreiben, wünsche aber, dass das Geld in Projekte investiert werde, die der gesamten Bevölkerung zugutekommen. Und solche Projekte laufen natürlich auch über die Vereine. Gerade im Bezirkshauptort beklagt sich ein grosser Teil von ihnen über mangelnden Support seitens der Stadt Affoltern, was auch in einer Veranstaltung vor knapp zwei Jahren im Kulturkeller LaMarotte zum Ausdruck kam. So hat sich die Stadt 2017 beispielsweise den Organisatoren des Radrennclubs Amt verweigert, die Schweizer Radmeisterschaften zu unterstützen. Stadtpräsident Clemens Grötsch räumte schon vor geraumer Zeit ein, «dass wir etwas übertrieben haben».

Die ausserordentliche Gewinnausschüttung nimmt nun der Stadtrat zum Anlass, eine sogenannte Guideline festzusetzen, möglichst einfache Richtlinien dafür, wie mit diesem Geldsegen umzugehen ist und wer davon profitieren kann. Den Vorwurf, die Vereine zu vernachlässigen, weist der Stadtpräsident von sich. «Einzelne Vereine haben von uns fünfstellige Beiträge erhalten. Und nicht alle haben sich bedankt». Der Harmonie beispielsweise schenkt die Stadt zum 100-Jahre-Jubiläum im nächsten Jahr den «Stadtmarsch» im Wert von 3000 Franken.

Von dieser ausserordentlichen Gewinnausschüttung könnte auch das Kellertheater LaMarotte in Affoltern profitieren, dessen Betrieb zwar ständig grösser wird, in den letzten drei Jahren aber gleichwohl jährlich 3000 bis 6000 Franken Verlust produziert – trotz überdurchschnittlicher Eigenleistungen der rund 600 Mitglieder.

Nicht unbedingt Bargeld

«Die Sonderdividende bietet nun Gelegenheit für Tauwetter zwischen Behörden und Vereinen», sagt auch «LaMarotte»-Geschäftsführerin Isabelle Schaetti. Sämtliche Vereine, unabhängig ihres Zweckes, sind auf Aussen- oder Innenräume angewiesen. Fussball benötige einen Rasen zur Ausübung ihres Sportes, das Kellertheater brauche passende Räumlichkeiten für seine Veranstaltungen, Kinderkleiderbörsen und grössere öffentliche Vereinsanlässe bräuchten den Kasinosaal. «Vielleicht könnte die Stadt aus der ausserordentlichen Gewinnausschüttung für eine begrenzte Zeit die Miete des Kulturvereins übernehmen?»

In vielen anderen Fällen müsste nicht einmal Bargeld fliessen. «Behörden könnten die Vereine auch entlasten, indem man ihnen für Veranstaltungen öffentliche Räume und Plätze kostenlos zur Verfügung stellen und der Regiebetrieb Unterstützung leisten würde», sagt Isabelle Schaetti. Sie ist überzeugt, dass das eine ideale Win-win-Situation wäre. Zivilgesellschaftliches Engagement für die Bevölkerung bekäme wieder die verdiente Wertschätzung, das Image der Behörden würde gewinnen, und der grösste Teil des Geldes flösse wieder in die Stadtkasse zurück.