Bezirk Affoltern
01.04.2019

Hedingen steht zum Spital

Die Zukunft des Spitals Affoltern mobilisiert. Über 150 Stimmberechtigte nahmen an der Gemeindeversammlung in Hedingen teil. <em>(Bild Stefan Schneiter)</em>

Die Zukunft des Spitals Affoltern mobilisiert. Über 150 Stimmberechtigte nahmen an der Gemeindeversammlung in Hedingen teil. (Bild Stefan Schneiter)

Die Gemeindeversammlung in Hedingen bewertet die Situation beim Spital Affoltern anders als der Gemeinderat. Entgegen der Parole der Exekutive sprach sie sich – mit klarer Mehrheit – für ein Ja zum Beitritt zum Pflegezentrum und zur gemeinnützigen Spital AG aus.

Von Stefan Schneiter

Die Zukunft des Regionalspitals Affoltern bewegt die Menschen im Säuliamt. So auch in Hedingen. Nicht erstaunlich daher, dass am vergangenen Donnerstagabend 151 Stimmberechtigte den Weg in die Turnhalle Schachen zur Gemeindeversammlung fanden. An der sie dann zwei Stunden lang angeregt und engagiert über die Zukunft des Spitals Affoltern diskutierten. Gesundheitsvorsteherin Christine Erni erläuterte im Namen des Gemeinderats, warum dieser den Beitritt zur Interkommunalen Anstalt (IKA) Langzeitpflege ablehnt. Die Auswirkungen der notwendigen grösseren Investitionen seien nicht bekannt, bedeuteten aber für die Gemeinde ein zu grosses finanzielles Risiko. Komme die IKA zustande, habe sich Hedingen mit 3 Millionen Franken zu beteiligen. Komme sie nicht zustande, erhalte die Gemeinde denselben Betrag aus dem Verkaufserlös; die freiwerdenden Mittel könnten zum Wohl der Allgemeinheit eingesetzt werden, wozu die freie Wahl des Pflegeheims für die Einwohner zähle. Auch den Beitritt zu einer kommunalen Vereinbarung als Basis zur Gründung der gemeinnützigen Spital AG lehnt der Gemeinderat laut Christine Erni ab. Die hohen Investitionen zur Modernisierung der veralteten Infrastruktur im Spital seien nicht vertretbar. Es fehle zudem ein konkretes Konzept und ein Geschäftsplan für die Neuplanung. Steigende Fallzahlen und neue Auflagen von seiten der Zürcher Gesundheitsdirektion machten es für ein Kleinspital immer schwieriger, zu überleben.

Nicht nur ans Geld denken

In der anschliessenden Diskussion sprachen sich die meisten, die sich zu Wort meldeten, für die Weiterführung des Spitals Affoltern aus. «Was verloren geht bei einem Nein, ist mehr als Geld. Ich wundere mich, dass wir uns ein Spital plötzlich nicht mehr leisten können, nachdem wir schon seit über hundert Jahren eines hatten», meinte eine Bürgerin. Ein Sprecher betonte, der Bezirk Affoltern weise die tiefsten Gesundheitskosten je Gemeinde im Kanton auf. Das sei mit der bisherigen Infrastruktur erreicht worden, «also kann diese nicht so falsch sein.» Grossen Applaus im Saal erntete das Votum: «Denkt nicht nur ans Geld, denkt auch an die Menschen, die dahinter stecken.» Eine seit vielen Jahren in der Langzeitpflege Sonnenberg tätige Frau sagte, die Zusammenarbeit mit dem Spital funktioniere gut. Zwar sei der Pflegeaufwand im Sonnenberg im kantonsweiten Vergleich einer der höchsten. Man könne diese Pflege auch mit privatem Personal sicherstellen, doch wenn man eine ethische, menschenwürdige Pflege wünsche, dann seien die hohen Kosten gerechtfertigt.

Klare Mehrheiten

Viele Fragen richteten sich an den Präsidenten der Spital-Betriebskommission, Stefan Gyseler. Auf die Frage, ob es denn nicht schon genug Spitäler im Kanton gebe, meinte Gyseler, man sei sich im Spital Affoltern bewusst, über eine Überkapazität von etwa 25 Prozent bei den Betten zu verfügen. Die Bettenzahl solle künftig auf etwa 80 beschränkt werden. Strategisch sei ein Konzept vorgesehen mit einer wohnortnahen Grundversorgung und einer Spezialisierung vor allem im Spital Triemli und auch im Waid. Mit einem Ambulatorium in Affoltern wolle man verhindern, dass die Leute im Bezirk Affoltern nicht mehr einen Hausarzt aufsuchen könnten, sondern nach Zürich oder Zug fahren müssten. Und die Akutgeriatrie und Palliativ Care soll laut Stefan Gyseler weiter betrieben werden. Dafür spreche die hohe Zufriedenheit der Patienten, wie auch, dass das Spital mit beiden Bereichen gut verdiene.

Mit der Aufforderung: «Entscheiden Sie nicht emotional, sondern rational» von Gemeindepräsident Ruedi Fornaro, schritt die Gemeindeversammlung gegen 23 Uhr zu den Abstimmungen. Diese fielen klar aus: Mit 96:23 Stimmen wird für den 19. Mai ein Ja zum Beitritt zur IKA Pflegezentrum Sonnenberg empfohlen, mit 96:29 ein Beitritt zur gemeinnützigen Spital AG Affoltern.

Verzicht auf Trottoir

Vorgängig behandelte die Gemeindeversammlung zwei andere Geschäfte. Die Bauabrechnung über die Sanierung des Werkhofes in der Höhe von 465000 Franken wurde mit klarem Mehr gutgeheissen.

Für einigen Diskussionsstoff sorgte ein Kreditantrag von 425000 Franken für die Sanierung der Güpfstrasse. Für diesen Betrag will der Gemeinderat den Belag der Güpfstrasse erneuern, die Beleuchtung auf LED umrüsten sowie ein Trottoir neu erstellen, um die Sicherheit für die Schulkinder zu erhöhen. Der Nutzen eines Trottoirs in einer Strasse mit allgemeinem Fahrverbot wurde jedoch von vielen in Zweifel gezogen. Mit 77:58 Stimmen hiess die Gemeindeversammlung schliesslich einen auf 300’000 Franken reduzierten Kredit für die Strassensanierung – ohne Trottoir – gut.