Bezirk Affoltern
20.05.2019

Musik verbindet seit 50 Jahren

Wenn zwei Musikvereine auf der Bühne Platz finden müssen, bleibt kein Platz für Stühle. In der Mitte mit Mikrofon: Katja Krauer, die den Anlass mit viel Charme moderierte. <em>(Bild Regula Zellweger)</em>

Wenn zwei Musikvereine auf der Bühne Platz finden müssen, bleibt kein Platz für Stühle. In der Mitte mit Mikrofon: Katja Krauer, die den Anlass mit viel Charme moderierte. (Bild Regula Zellweger)

Am vergangenen Samstagmorgen traf der Bus mit über 40 Musikanten aus dem Schwarzwald in Hedingen ein. Die Gäste vom Musikverein Rötenbach e. V. erwartete zwei Tage voller Erlebnisse und gemeinsames Musizieren. Höhepunkt war das Konzert am Sonntag mit vorgängigem Brunch im Schachensaal.

von regula zellweger

Küchenchef René Polster und Monika Huber organisierten den reichhaltigen Brunch für rund 210 Personen im Schachensaal in Hedingen – und es klappte alles wie am Schnürchen. Denn im Musikverein Hedingen unterstützt man sich gegenseitig und alle packen mit an. Die Vereinsmitglieder identifizieren sich mit ihrem Verein und mit dem Dorf. Am reichhaltigen Buffet konnten sich die Gäste und die Musikanten aus dem Schwarzwald und aus dem Säuliamt stärken, nach einem fröhlichen gemeinsamen Abend und bevor das Konzert mit einem vielfältigen Programm begann.

50 Jahre Freundschaft über die Landesgrenze

Alles fing mit einem Inserat an. Gesucht wurde ein Musikverein für ein Fest im Schwarzwald. Hedingen meldete sich, man besuchte sich gegenseitig und beschloss, eine gegenseitige Patenschaft einzugehen. Man besuchte einander, immer wieder. Traditionell werden an beiden Orten die Gäste in Privathäusern aufgenommen. Daraus entstanden über die Jahre persönliche Freundschaften, die gepflegt werden.

Der Musikverein Hedingen lud am Samstag seine Gäste zu einer Stadtführung und einer Fahrt im historischen Tram in Zürich ein. Abends wurde dann gemeinsam gegessen und die vier Stücke, welche die beiden Musikvereine für ein gemeinsames Spiel vorbereitet hatten, wurden geübt.

Thomas Graf, Präsident des Musikvereins Hedingen, lobte das unkomplizierte und herzliche Miteinander der beiden Vereine und meinte mit einem Schmunzeln: «Die Rötenbacher haben auch eine Bierbrauerei – und sie bringen immer welches mit.»

Konzert am Sonntag

Wann immer der Abend geendet hatte, morgens um 7 Uhr begannen René Polster und Monika Huber mit ihrer Helfercrew, den Brunch vorzubereiten, zu tischen und den Saal zu dekorieren. Vereinsmitglieder hatten Zöpfe gebacken. Vor dem Konzert zogen sich die Musikanten um. «Eher zufällig», meinte Thomas Graf, angesprochen auf die gleichen Farben der Uniformen: weisses Hemd, schwarze Hose und rotes Gilet. Die Hedinger tragen eine klassische Uniform, die Gäste aus dem Schwarzwald eher eine Tracht. Die Damen haben lange schwarze Röcke, die Herren bestickte Kniehosen und weisse, kunstvoll gestrickte Kniestrümpfe.

Zuerst trat der Musikverein Rötenbach mit fünf Stücken auf und gab auf Wunsch des Publikums eine Zugabe. Dann gruppierten sich die Hedinger Musikanten auf der Bühne und zeigten ihr musikalisches Können. Absoluter Höhepunkt und ein ziemliches Gedränge auf der Bühne war dann der dritte Programmteil: Das gemeinsame Musizieren. Stühle hatten nun keinen Platz mehr und Schwärzwälder und Säuliämter vermischten sich in den Instrumentengruppen. Ausser den Dirigenten, da kam jeder nur zwei Mal im Alleingang zum Zuge.

Vielfältiges Programm

Um es gleich vorherzunehmen, beide Musikvereine haben sehr gut gespielt. Die Stücke der Schwarzwälder, gespielt unter der Leitung von Alexander Armbruster, waren teilweise traditioneller, beispielsweise der Marsch «Allgäu Land» die «Polka im Glück» und der Marsch «Kaiserin Sissi». Mit dem Medley «80er Kult-Tour» hat Thiemo Kraas ein Arrangement geschaffen, in dem er fünf Hits verarbeitet. Nachdem die ersten drei Titel «Skandal im Sperrbezirk», «Ohne dich (schlaf ’ ich heut Nacht nicht ein)» und «1000 und 1 Nacht» zunächst einzeln vorgestellt wurden, verbanden sich «Sternenhimmel» und Falcos «Rock Me Amadeus» geschickt miteinander. Mit diesem Stück, mit «Coldplay» und «Golden Swing Time» zeigten die Schwarzwälder, dass sie auch modernere Stücke meisterhaft interpretieren können. Und vor allem hatten sie auch Stücke mit Humor ausgewählt, der leichtfüssig und witzig daherkam. Sie sangen und pfiffen auch mal.

Musikverein Hedingen

Zurzeit ist der Musikverein Hedingen in der dritten Klasse positioniert. Das soll sich aber ändern. Ziel ist, am 30. Juni anlässlich des Bezirksmusiktages in Hausen am Albis den Sprung in die zweite Klasse zu schaffen. Jürgen Röhrig ist ein Dirigent, der seine Musiker optimal fordert und fördert. Er dirigiert sehr differenziert, souverän und hat immer mal wieder ein wertschätzendes Lächeln für seine Musiker.

Mit den Stücken «Sweet Caroline», «African Groove», «Sir Duke», «Bella Ciao», «Zug um Zug», «Swing Flags Swing» und dem «Geburtstagsmarsch» für einen Gast zeigte der Musikverein Hedingen, wie breit die Palette der Musikstile für Blasmusik sein kann. Dabei bewiesen sie, dass sie locker und elegant mit anspruchsvollen Rhythmuswechseln und schnellen Läufen klarkommen. Als Solisten brillierten Hugo Lang und Monika Raschle mit ihren Posaunen. Hugo Lang ist es auch, der viel dazu beigetragen hat, den Kontakt zu den Rötenbachern über viele Jahre lebendig zu erhalten.

Durchs Programm der Hedinger und durchs gemeinsame Programm begleitete die Klarinettistin Katja Krauer. Sie führte beispielsweise das Stück «Bella Ciao» sehr sympathisch ein, erzählte von dessen Herkunft als Lied der Arbeiterinnen auf den Reisfeldern und später der italienischen Partisanen. Man konnte das Kämpferische dieses Liedes nachempfinden. Eine Safari in Afrika mit Elefanten und Löwen ging im Kopfkino ab, während man den malerischen Klängen von «African Groove» lauschte. Gelungen war auch das gemeinsame Musizieren der beiden Vereine.

Vorbildfunktion für junge Menschen

Ein solcher Anlass kann nur mit vielen Helfern realisiert werden, die bescheiden ihre Arbeit ohne Honorar erledigen. So beispielsweise Markus Jelk, der für den Verein jeweils professionelle Fotos macht. Bescheiden meinte er: «Das ist mein kleiner Beitrag, den ich für das Dorfleben leiste.» Genau diese Stimmung war am Wochenende in Hedingen spürbar: Unkompliziertes Engagement mit Herzlichkeit.

Das Mitspielen in einem Musikverein bietet nicht nur die Möglichkeit, sich musikalisch weiterzuentwickeln, sondern auch Gemeinsamkeit zu erleben. Es wäre schön, würden sich vermehrt junge Leute engagieren. Am 21. Juni findet auf dem Dorfplatz in Zwillikon ein Konzert des Musikvereins Hedingen statt. Eine ideale Gelegenheit für Eltern, ihren Kindern die Freude am gemeinsamen Musizieren zu vermitteln und Jugendliche zu motivieren, in einer Musik mitzuspielen.