Bezirk Affoltern
23.05.2019

«In absehbarer Zeit wird es in der Region kein so grosses Fest mehr geben»

Mirco Kurt, OK-Präsident des Regionalturnfests, auf dem Turnfest-Tower vor dem grossen Haupt-Festzelt. <em>(Bild Thomas Stöckli)</em>

Mirco Kurt, OK-Präsident des Regionalturnfests, auf dem Turnfest-Tower vor dem grossen Haupt-Festzelt. (Bild Thomas Stöckli)

Die Infrastruktur steht und der TV Obfelden ist bereit, ab morgen Samstag zum Turnfest zu empfangen. Der «Anzeiger» hat OK-Präsident Mirco Kurt vor dem Start auf dem Turnfest-Tower zum Interview getroffen.

Von Thomas Stöckli

«Anzeiger»: Was darf die Bevölkerung vom Turnfest in Obfelden erwarten?

Mirco Kurt: Wir wollen der Bevölkerung etwas bieten. Ein gepflegtes, einfaches Fest, an dem auch die Vereine zusammenkommen. In einer Zeit, in der alles immer anonymer wird, ist dies ein wichtiger Faktor. Wir bieten Gastronomie, Unterhaltung und natürlich Turnsport auf hohem Niveau.

Was waren die grössten Knacknüsse in der Planung und Vorbereitung?

Das richtige Areal zu finden war die erste grosse Herausforderung: Eine grosse, ebene Fläche. Die zweite war das Finanzielle. Da ist man natürlich auf Sponsoren angewiesen. Die dritte Mammut-Aufgabe ist es, 1000 Helfer zu finden, die sich für einen Fünfliber pro Stunde an ihren Verein anpacken. Insgesamt sind 3000 Helfer-Einsätze zu leisten. Es hat aber sehr gut geklappt. Es ist auch ein Experiment, im Jahr des Eidgenössischen ein weiteres Turnfest zu organisieren. Früher hätte ich mir das manchmal gewünscht, zur Vorbereitung. Wichtig war uns, dass die Teilnehmendenden nicht noch einmal grosse Auslagen haben neben dem Eidgenössischen.

«In der Zeltstadt werden 1200 Turner übernachten.»

Der Hauptteil des Festareals ist auf der grünen Wiese gebaut. Was sind die Vor- und Nachteile?

Ein grosser Vorteil ist, dass wir mit den Festivitäten ausserhalb des Dorfes sind. Weiter bietet uns die Wiese die Möglichkeit, das Festgelände kompakt zu gestalten. Rund um den Turnfest-Tower liegen (er zeigt es im Gegenuhrzeigersinn) das grosse Haupt-Festzelt, das Weinzelt, die Schwingarena mit Tribüne für 500 Leute, das Barzelt, die Zeltstadt, wo 1200 Turner übernachten werden – 600 weitere in den Turnhallen – und das Gerätezelt. Ein Nachteil ist, dass wir extrem witterungsabhängig sind. Weiter mussten wir Strom, Wasser und Abwasser alles erschliessen. Das EKZ-Netz liefert für die Peaks zu wenig Strom, deshalb sind an den Anlässen zusätzlich zwei Generatoren in Betrieb.

Wie viele Vereine machen mit und woher kommen sie?

Es kommen Turner aus 143 Vereinen, darunter auch Obfelden und Ottenbach, Hedingen, Mettmenstetten und Hausen, Aristau, Arni, Birmensdorf und Jonen. Wir sind stolz darauf, dass die Vereine aus der Region mitmachen. Viele haben wir auch aus dem Berner Oberland und einen sogar aus Grächen im Wallis. Das ist möglich, weil die Anreise mit dem öV in der Festkarte inklusive ist.

Erwartet werden 4200 Turnerinnen und Turner – was unternehmen Sie, damit diese sich wohlfühlen?

Wir sind ein Vorbereitungsfest fürs Eidgenössische und wollen die entsprechende Anlage bieten. Ein Credo war: Jeder, der kommt, soll auch bei Schlechtwetter einen gedeckten Platz haben. Das ist sonst nicht überall gewährleistet. Weiter haben wir ein lässiges Unterhaltungsprogramm auf die Beine gestellt und bieten in den Zelten und an den Aussenständen ein gastronomisch breites Angebot vom kalten Plättli mit Weisswein über Birchermüesli bis zum BBQ-Burger. Ein Highlight wird am zweiten Samstag (1. Juni, Anm. d. Red.) die grosse Turnerparty sein. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, nach dem Wettkampf den Abend zu geniessen.

Auch den Gästen wird einiges geboten mit Chilbi-Betrieb und Partys. Worauf freuen Sie sich besonders?

Insbesondere das erste Wochenende soll ein richtiges Fest sein für die Bevölkerung von Obfelden und vom ganzen Knonauer Amt. Man muss sich bewusst sein: In absehbarer Zeit wird es in der Region kein so grosses Fest mehr geben. Am ersten Sonntag (26. Mai) erwarten wir eine riesige Horde Kinder und Jugendliche – mit dem Einzelgeräteturnen der Kategorien K1 bis K4 und dem Zürcher Kantonalen Nachwuchsschwingfest.

Was sind die turnerischen Highlights?

Dazu gehören sicher die Vorführungen des TV Obfelden im eigenen Dorf. Ein sehr ambitionierter Verein ist der TV Wetzikon, sehenswert ist sicher auch die Aerobic-Gruppe des TV Boswil. Grundsätzlich ist jeder Verein, der sich ein halbes Jahr vorbereitet hat, eine gute Nummer vorzuführen, ein Highlight. Und bei den Sport-Highlights wollen wir auch den Schwinger-Nachwuchs nicht vergessen: Vielleicht sehen wir einen künftigen Schwingerkönig.

«Es würde mich freuen, wenn Obfelden als Sektion reüssieren würde.»

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit den Schwingern gekommen?

Am Gibel-Schwinget bin ich auf OK-Präsident Franz Furrer zugegangen und wir haben das per Handschlag vereinbart. Für uns ist es ein zusätzlicher Publikumsmagnet, sie bekommen ein fertiges Gelände und gute Atmosphäre. Für die Jungschwinger ist es auch eine Wertschätzung, in solch einem Rahmen schwingen zu dürfen. Zurück zum Turnen: Welche Ämtler können zu den Favoriten gezählt werden?

Als Einzel-Geräteturner sicher Stefan Meier vom TV Obfelden. Er hat schon Turnfeste gewonnen. Als Sektion ist der TV Ottenbach ein heisser Anwärter, aber auch unsere Sektion darf man nicht unterschätzen.

Profitieren die Ämtler von einem Heimvorteil?

Was die Unterstützung des Publikums anbelangt sicher. Ein Vorteil ist auch, wenn man weiss, was wo ist auf dem Festgelände und im Dorf. Es würde mich natürlich freuen, wenn Obfelden als Sektion reüssieren würde.

Als Verein kann man den organisatorischen Aufwand allein nicht stemmen. Von wem werden Sie unterstützt?

Wir haben sehr grosse Untersektionen im Hintergrund. Mit der Damen-, der Frauen-, der Männerriege und den Jugendriegen umfasst die Obfelder Turnfamilie mehr als 320 Turnerinnen und Turnern. Gegenüber anderen Vereinen sind wir damit in einer komfortablen Situation. Über 90% im OK sind oder waren im Verein aktiv. Unterstützung erfahren wir unter anderem von den Pontonieren, dem TV Ottenbach, dem TV Birmensdorf, den Schützen und den Hornussern. Alle Dorfvereine machen mit. Nicht alle können noch aktiv anpacken, aber es hilft schon, wenn sie nur ins Festzelt kommen.

Erwartet werden auch Regierungsrat Mario Fehr (26. Mai, 13 Uhr, Schwingarena) und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler (2. Juni, 12.30 Uhr, Arena). Was bedeutet Ihnen das Interesse der Politik?

Das ist ein enormes Zeichen der Wertschätzung. Es ist aber auch wichtig, dass die Politik sieht, was wir leisten. Unsere Gesellschaft basiert auf dem Vereinsleben und der Freiwilligenarbeit. Als Verein sorgen wir dafür, dass Jugendliche eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung haben und wir lehren sie, Verantwortung zu übernehmen. Der Gemeinderat Obfelden hat uns auf dem Festgelände besucht und war beeindruckt. Seine Unterstützung war absolut vorbildlich und grosszügig. Das ist nicht selbstverständlich und doch sind wir als Verein darauf angewiesen. Auch die anderen Dörfer im Knonauer Amt haben uns finanziell unterstützt.

«Es ist wichtig, dass die Politik sieht, was wir leisten.»

Spätestens seit dem Eidgenössischen Turnfest 2013 in Biel, als ein Gewittersturm das Festgelände verwüstete und über 80 Menschen verletzt wurden, ist auch die Sicherheit ein grosser Aspekt. Wie begegnen Sie dem?

Wir haben einen professionellen Sicherheitsdienst und werden regelmässig von einem Wetterdienst informiert. Das Sicherheitsdispositiv schliesst von Sammelplätzen bis zum Heli-Landeplatz alles ein. Wir haben zwei Rettungswagen vor Ort mit Ärzten, Anästhesisten und Rettungssanitätern. Aber natürlich hoffen wir, dass es dies alles nicht braucht.

Morgen Samstag geht es nun endlich los, mit welchem Gefühl blicken Sie der Turnfest-Eröffnung entgegen?

Es kribbelt schon seit einigen Tagen. Endlich dürfen wir umsetzen, was wir bereits seit vier Jahren planen. Die Nervosität steigt: Macht das Wetter mit? Nimmt die Bevölkerung unser Fest und das Turnen wahr? Haben wir die Abläufe richtig geplant oder etwas vergessen? Wir rechnen aber nicht damit, dass wir noch grosse «Feuerwehrübungen» machen müssen. Meine OK-Kollegen haben sich mit so viel Herzblut reingehängt, ich weiss gar nicht, wie ich das je zurückgeben kann.

Was für eine Schlagzeile würden Sie nach dem Fest gerne in der Zeitung lesen?

«Der grösste Breitensport-Anlass im Säuliamt war ein voller Erfolg!» Gerne auch etwas nach dem Motto «turnen – feiern – geniessen» und natürlich, dass die Bevölkerung vom Anlass profitieren und glücklich nach Hause gehen konnte.