Bezirk Affoltern
03.06.2019

Zwei Minuten, die in Maschwanden zu reden geben

Idylle pur, aber das Läutregime der reformierten Kirche wird in Maschwanden diskutiert – auch an der kommenden Gemeindeversammlung. Wird um 4.45 Uhr wieder während fünf Minuten geläutet? Diese Frage will die Kirchenpflege nach der Gemeindeversammlung beantworten. <em>(Bild Werner Schneiter)</em>

Idylle pur, aber das Läutregime der reformierten Kirche wird in Maschwanden diskutiert – auch an der kommenden Gemeindeversammlung. Wird um 4.45 Uhr wieder während fünf Minuten geläutet? Diese Frage will die Kirchenpflege nach der Gemeindeversammlung beantworten. (Bild Werner Schneiter)

Seit sich die Bevölkerung für ein Frühgeläut um 4.45 Uhr ausgesprochen hat, ertönen morgens die Glocken während etwa drei Minuten. Alt Gemeindepräsident Koni Messikommer will das alte Regime mit fünfminütiger Läutdauer zurück. Die Kirchenpflege wartet nun die Diskussion an der kommenden Gemeindeversammlung ab.

Von Werner Schneiter

In keiner Gemeinde der Schweiz wird so früh geläutet wie in Maschwanden, nämlich um 4.45 Uhr. Das hat immer wieder mal zu reden gegeben, weil sich einzelne Einwohner in ihrer nächtlichen Ruhe gestört fühlten. An dieser Läuttradition wurde gerüttelt, aber zu Fall gebracht werden konnte sie nicht – vor allem, weil die Behörden das Frühgeläut mittels Änderung der Polizeiverordnung gesetzlich verankerte.

Im vergangenen Jahr wandte sich eine neu zugezogene Person, die sich am Frühgeläut stört und in unmittelbarer Nähe der Kirche wohnt, an die reformierte Kirchenpflege. Worauf diese die Glocken gut zwei Stunden später ertönen liess – im Sinne eines bis Ende Oktober 2018 dauernden Versuchs. Gleichzeitig wurde eine Umfrage in der Bevölkerung gestartet, die ein klares Ergebnis hervorbrachte: Festhalten am Frühgeläut um 4.45 Uhr. Die Kirchenpflege respektierte das Ergebnis und liess wieder in aller Herrgottsfrühe läuten. Allerdings nur während etwa drei Minuten statt gemäss alten Läutregime während fünf Minuten.

Das stösst nun alt Gemeindepräsident Koni Messikommer sauer auf. Er will die Angelegenheit an der kommenden Gemeindeversammlung diskutieren und stellt dazu der Kirchenpflege diverse Fragen, unter anderem: «Wie erklärt die Kirchenpflege den Sinneswandel des Läutens von 5 auf 3 Minuten, nachdem öffentlich erklärt wurde, man gehe wieder zur alten Läutordnung (4.45 Uhr, 5 Minuten) zurück?» Weiter will er wissen, was die Umstellung des Geläuts gekostet habe.

Tradition aufrechterhalten

Sie habe nicht Wort gehalten, wirft Messikommer der Kirchenpflege vor. Diese Ansicht teilten in Maschwanden einige. Er sei ermuntert worden, hier aktiv zu werden, hält er fest und betont, hier gelte es, eine Tradition aufrechtzuerhalten. Eventuell werde er auch beim Kirchenrat vorstellig, denn es könne ja nicht sein, dass eine einzige Behörde über die Köpfe von Reformierten, Katholiken und anderen Konfessionszugehörigen bestimme. Er sei auch bereit, ein Flugblatt für eine Umfrage im Dorf mitzugestalten – eine bessere Umfrage als beim letzten Mal: eine, die sich an alle Maschwanderinnen und Maschwander richte, die volljährig sind.

Kirchenpflegepräsidentin Vreni Bär will nun die Stimmung zum Thema an der kommenden Gemeindeversammlung aufnehmen. «Danach entscheiden wir, wie es mit der Läutdauer weitergeht», sagte sie.