Bezirk Affoltern
01.07.2019

Spital-Liquidationsausschuss: Wahl vertagt

Spital-Delegiertenversammlung in Affoltern: Den Liquidationsausschuss hat die Delegiertenversammlung nicht wie geplant gewählt, die restlichen Geschäfte gingen aber alle durch und die Planung der Zukunft läuft auf vollen Touren. Erste Meilensteine sind ein Geburtshaus und ein Dialysezentrum.

Von Thomas Stöckli

Der Liquidationsausschuss soll die Auflösung des Spital-Zweckverbands aufgleisen und in Fragen der Zusammenarbeit zwischen den künftigen Verwaltungsräten der gemeinnützigen AG Spital Affoltern und der interkommunalen Anstalt (IKA) Pflegezentrum Sonnenberg vermitteln. An der Delegiertenversammlung vom vergangenen Donnerstag hätte dieses Gremium gewählt werden sollen. Die Spital-Betriebskommission (BK) hatte den Delegierten dazu sechs Personen um BK-Vizepräsident Jürg Burger vorgeschlagen – darunter allerdings mindestens zwei, die auf ein Mandat in einem der beiden künftigen Verwaltungsräte spekulieren und einer, dessen Firma sich für ein Beratungsmandat zur Liquidation bewerben dürfte. So äusserten verschiedene Delegierte ihren Unmut zu den Wahlvorschlägen. Ein Antrag der Bonstetter Delegierten und Kantonsrätin Arianne Moser, die Wahl zu verschieben, sorgte für eine Pattsituation mit je sieben Stimmen dafür und dagegen.

Dass sich zwei der Bewerber zurückzogen, gab schliesslich den Ausschlag, dass die Wahl auf den 26. September vertagt wurde – mit der Forderung an die BK, ein Anforderungsprofil zu erstellen und die Kompetenzen der Vorgeschlagenen aufzulisten, allfällige Interessenskonflikte zu vermeiden und auch Frauen zu berücksichtigen.

Verwaltungsräte im Voraus bestimmen

Gleichzeitig mit dem Liquidationsausschuss sollen am 26. September dann auch die Verwaltungsräte – fünf für die künftigen IKA Pflegezentrum Sonnenberg und sieben für die gAG Spital – vorbestimmt werden, sodass diese sogleich die weitere Planung angehen können. Dazu wird eine Findungskommission eingesetzt – bestehend aus je einem Vertreter der drei grössten, der fünf mittleren und der sechs kleinsten Gemeinden. Das Anforderungsprofil für die künftigen Verwaltungsräte beinhaltet neben unternehmerischer Kompetenz und Branchen-Know-how auch das Netzwerk und die persönliche Führungs- und Sozialkompetenz. Als Präsidenten sind fürs Akutspital der amtierende BK-Präsident Stefan Gyseler und für die Langzeitpflege BK-Mitglied Daniel Eugster vorgesehen. Weiter sollen im Spital-VR auch das Triemlispital als Partner und die Ämtler Hausärzteschaft vertreten sein. Die IKA Pflegezentrum Sonnenberg wird ihren Betrieb per 1.1.2020 aufnehmen, die Gründungsversammlung der gAG Spital Affoltern ist für Mai 2020 vorgesehen, sobald die Jahresabschlüsse 2019 vorliegen, und dies rückwirkend auf den 1.1.2020.

Geburtshaus und Dialysezentrum

BK-Mitglied Heinz Spälti informierte über das Treffen mit der Zürcher Gesundheitsdirektion Ende Mai. Dort habe das Spital Affoltern seine Strategie der wohnortnahen Grundversorgung mit Schwerpunktbildung Akutgeriatrie, Palliative Care und Psychiatrie sowie ausgeprägtem ambulantem Angebot an Tageschirurgie vorgestellt. Themen waren auch die vertiefte Zusammenarbeit mit dem Triemli und dem Zuger Kantonsspital sowie der Kick-off zum hebammengeleiteten Geburtshaus. Klar auch die Botschaft von Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli: Das Knonauer Amt dürfe keine Sonderbehandlung erwarten. «Die Bevölkerung als Patienten und die Ärzte als Zuweiser sind nun massgebend für die Erteilung der Leistungsaufträge», betonte Spälti. Denn der Nachweis der Wirtschaftlichkeit sei nur mit gesteigerter Patientenzahl möglich. Positiv stimmen die Signale aus dem Kanton Zug, wo das Spital Affoltern den Leistungsauftrag für Palliative Care hat: Der Regierungsrat sei an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.

Für die Spital-Strategiegruppe ist aktuell das Geburtshaus ein Schwerpunkt. Es soll seinen Betrieb Anfang 2020 aufnehmen. Damit einher geht der Verzicht auf Kaiserschnitte und Risikogeburten, die bisher rund 30% ausmachten. Bereits angelaufen ist auch die Raumplanung für ein Dialysezentrum mit acht Plätzen für die Blutwäsche von 16 Patienten täglich. In diesem Bereich steige der Bedarf stark, so Spälti.

Erfreuliche Zahlen

Zu Beginn der Versammlung haben die Delegierten die Jahresrechnung ohne Gegenstimmen gutgeheissen. Bei einem Aufwand von 74,64 Mio. Franken resultierte ein Minus von 465000 Franken. Damit bleibt das Eigenkapital immer noch über 40 Mio. Franken. Die Patientenzahlen (Austritte) waren 2018 mit -5,7% rückläufig, in der Psychiatrie hingegen konnte ein Zuwachs um 22,3% verzeichnet werden. Stabile Belegungen verzeichneten sowohl die Langzeitpflege (91,4%) als auch Palliative Care (78,8%). Die Langzeitpflege schloss zwar mit 447000 Franken im Plus ab, damit sei man aber noch deutlich im Rahmen des Erlaubten, so Spitaldirektor Michael Buik, und müsse folglich keine Rüge befürchten. Auch den Jahresbericht haben die Delegierten mit zwei Änderungen deutlich gutgeheissen.

Nochmals deutlich besser sehen die Leistungs- und Finanzzahlen für die ersten fünf Monate 2019 aus: Bei den stationären Patienten wird ein Plus von 2,2% verzeichnet, in der Psychiatrie sind es gar 31,4%. Zunehmend sind auch die ambulanten Konsultationen und die Komplexität der Fälle in der Akutgeriatrie. So ist der Ertrag um über 2 Mio. Franken angestiegen, das unternehmerische Ergebnis mit 540000 Franken deutlich positiv.

Erreichbarkeit gewährleisten

Kritisch diskutiert wurde die geplante Investition von 900000 Franken in den Ersatz der Telekommunikation und Alarmierung. Der Unterhaltsaufwand habe stark zugenommen und die Service-Leistungen seien bald nicht mehr gewährleistet, so Buik: «Das ist keine Luxus-Beschaffung, sondern eine Grundfunktion, ein Herzstück jedes Spitals.» Schliesslich stimmte die grosse Mehrheit der Delegierten dem beantragten Kredit zu.

Sogar einstimmig gingen zwei Kreditabrechnungen durch. Die sanfte Renovierung von Notfall und Radiologie diente unter anderem der Wahrung von Privat- und Intimsphäre. Weiter wurde ein Isolationsraum für Patienten mit Infektionskrankheiten geschaffen. Mit Kosten von 294000 Franken wurde der bewilligte Kredit nicht voll ausgeschöpft. Gleiches gilt für das Projekt Splitting und Rechtsformänderung. Die 344000 Franken dafür beinhalten fachliche Unterstützung für die Medizinstrategie ebenso wie moderierte Workshops und rechtliche Beratung.