Bezirk Affoltern
04.07.2019

Vom verletzten Vogel bis häusliche Gewalt

Bezirkschef Adrian Peterhans (links) und Postenchef Richard Kälin: Vielfältige Polizeiarbeit, die aber auch mit grossem administrativem Aufwand verbunden ist. (Bild Werner Schneiter)

Bezirkschef Adrian Peterhans (links) und Postenchef Richard Kälin: Vielfältige Polizeiarbeit, die aber auch mit grossem administrativem Aufwand verbunden ist. (Bild Werner Schneiter)

Ein verletzter Greifvogel auf der A4, ein Heimausreisser, häusliche Gewalt oder ein Waffenfund: Das Tätigkeitsfeld der Kantonspolizei ist auch in Affoltern enorm breit – und mit sehr viel Administration verbunden.

von werner schneiter

Postenchef Richard Kälin präsentiert am Tisch im Sitzungszimmer acht A4-Seiten mit gesamthaft 189 Einträgen seit dem 24. Juni, dazu einen grossen Stapel an Papieren, in denen die Einsätze näher beschrieben sind. Das geht weit über das hinaus, was der «Anzeiger» jeweils berichtet. Bezirkschef Adrian Peterhans und zwölf Polizistinnen und Polizisten in Affoltern sowie drei in Bonstetten ermitteln also nicht nur bei Einbrüchen, Vandalenakten oder Lärmimmissionen, über welche die Öffentlichkeit wöchentlich in geraffter Form erfährt. Der Tätigkeitsbereich beinhaltet ein viel grösseres Spektrum; die damit verbundene Arbeit ist vielfältig. Die Polizeiregion Limmattal-Albis umfasst die Bezirke Affoltern, Dietikon und Horgen. «Wir in Affoltern leisten in der Regel zusammen mit den Kollegen von Dietikon ‹Nachdienst›», sagt Richard Kälin.

Breites Tätigkeitsfeld

Werfen wir also einen Blick ins Journal: Da meldet der Schulhausabwart den Fund einer Waffe, die sich schliesslich bei näherer Betrachtung als Spielzeugpistole erweist. Es folgt ein besorgter Telefonanruf: «Die Kühe auf der Weide haben keinen Schatten». Worauf der Polizist den Landwirt kontaktiert. Auch als auf der A4 ein verletzter Greifvogel entdeckt wird, wird die Kapo aktiv, ebenso bei einem unbekannten Skorpion im Treppenhaus, bei Fahrzeugpannen, bei einer defekten Strassensignalisation oder bei einer Ölspur. Hier ist dann auch die Feuerwehr mit von der Partie. Am Schalter meldet jemand den Verlust von Kontrollschildern, in den Abendstunden geht es um eine «verdächtige Situation» oder um medizinische Hilfe. Da liegt die Aufgabe oft darin, die Sanität aufzubieten. Ein Aufgebot ergeht aber auch an den Wildhüter, wenn es zwischen Wildtieren und Motorfahrzeugen zur Kollision kommt. Und das muss wegen einer möglichen Nachsuche des verletzten Tiers zeitnah geschehen. Ansonsten riskiert der Fahrzeuglenker eine Verzeigung. Und möglicherweise auch jener, der im Unteramt als Exhibitionist gesichtet wurde. Aber es gibt natürlich noch ernstere Fälle. So wurde in Affoltern unlängst eine Bank überfallen. «Via Einsatzzentrale in Zürich werden auch wir alarmiert. Alle Verfügbaren rücken sofort aus. Die einen organisieren die Nahfahndung, andere versuchen, von möglichen Auskunftspersonen ein Signalement zu bekommen. Ein Polizist nimmt den Sachverhalt in der Bank auf», erklärt Richard Kälin.

Grosse Zunahme bei Cyber-Kriminalität und häusliche Gewalt

Die Kapo erfüllt dazu von der Staatsanwaltschaft gestellte Aufträge, etwa Hausdurchsuchungen (in der Regel in Anwesenheit des Beschuldigten) und Verhaftungen. Stark zugelegt haben Verfahren im Bereich der Internet-Kriminalität. Häufige Delikte sind: Waren im Internet anbieten, das Geld im Voraus kassieren und nichts liefern. Auch Enkeltrickbetrüger, falsche Polizisten oder Heiratsschwindler, die erst die Liebe versprechen und dann abkassieren, treiben im Säuliamt ihr Unwesen.

Ausserdem ist im Bezirk Affoltern die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt in den vergangenen Jahren markant gestiegen. Der Ermittlungsaufwand ist hier besonders gross. Erst hören sich die Beamten an, was vorgefallen ist, nehmen getrennte Befragungen vor und ordnen – je nach Sachverhalt – auch Spurensicherungen an und ziehen einen Arzt hinzu, welcher mögliche Kampfspuren und Verletzungen feststellt. Die Polizei entscheidet dann über ein Rayon- und/oder Kontaktverbot sowie darüber, ob der Beschuldigte in Polizeihaft kommt. Klar ist, dass er in diesem Fall die Wohnung im Beisein der Polizei verlassen und die Hausschlüssel abgeben muss. Innert 24 Stunden muss dann dieser den Untersuchungsbehörden zugeführt werden. Bei Fällen von häuslicher Gewalt ist der Aufwand sehr gross. Die Arbeit der Polizei nimmt dabei nicht selten einen ganzen Arbeitstag in Anspruch.

Liegt Drittverschulden oder Suizid vor?

Stirbt jemand ohne Beisein von weiteren Personen, rücken in der Regel ein Kadermann und ein Sachbearbeiter der Polizei aus. Um zu klären, ob ein Drittverschulden, ein Suizid oder eine natürliche Todesursache vorliegt, wird ein Amtsarzt aufgeboten, der eine sogenannte Legalinspektion vornimmt. Oftmals wird auch der betreffende Hausarzt bezüglich der medizinischen Vorgeschichte des Verstorbenen kontaktiert. Am Schluss ziehen die Anwesenden ein Resumée und entscheiden aufgrund von Spurenbildern, ob die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss, die möglicherweise eine toxische Untersuchung oder eine Obduktion anordnet. Wird eine natürliche Todesursache festgestellt, erfolgt die Freigabe der Leiche.

Das sind nur einige Beispiele aus dem Polizeialltag im Bezirk Affoltern. Oft ist die Station in Affoltern aber die falsche Anlaufstelle, zum Beispiel bei zivilrechtlichen Dingen, etwa bei Mietstreit. Aber auch, wenn es zwischen zwei Nachbarn nicht funktioniert, der eine den anderen wegen Lappalien vor den Kadi ziehen will – auch anonym. «Wir fragen dann die Betreffenden, ob sie schon einmal miteinander gesprochen haben, was oft nicht der Fall ist», hält Richard Kälin fest. Die Polizei als Vermittlerin und Schlichterin? Eigentlich hat sie ja wichtigere Aufgaben…