Bezirk Affoltern
11.07.2019

Betreuung auf verschiedene Schultern verteilen

Die Obfelder Projektgruppe «Sorgende Gemeinschaft» tagt in der Ü50-Siedlung Lindenbach. <em>(Bild Thomas Stöckli)</em>

Die Obfelder Projektgruppe «Sorgende Gemeinschaft» tagt in der Ü50-Siedlung Lindenbach. (Bild Thomas Stöckli)

Auch wenn sie pflegebedürftig sind: Menschen möchten möglichst lange im eigenen Zuhause leben. Das ist gesellschaftlich erwünscht, kann allerdings für die Angehörigen zur Belastung werden. In sorgenden Gemeinschaften soll diese Last auf mehrere Schultern verteilt werden. Wie das geht, dazu wird auch in Obfelden geforscht.

von thomas stöckli

Während die Pflege zu Hause geregelt und breit etabliert ist, herrscht bei der Betreuung Nachholbedarf. Das führt oft dazu, dass Angehörige sich um ihre Lieben kümmern, bis sie selber krank werden. Die so wertvollen pflegenden Angehörigen auf bestehende Angebote aufmerksam machen, und ihnen die Hemmung nehmen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind deshalb zwei ganz wichtige Punkte, will man deren Situation nachhaltig verbessern.

Wie das erreicht werden kann und was es sonst noch braucht, das will die Stiftung Careum in einer nationalen Studie erarbeiten und in der Praxis erproben. Dabei setzt sie auf einen partizipativen Ansatz. Als «Praxislabore» dienen drei Regionen: Die Stadt Zürich, die Region AareGürbetal zwischen Bern und Thun sowie eben Obfelden. «Für Obfelden ist das eine grosse Chance, an diesem Projekt teilnehmen zu können», so Gesundheitsvorsteherin Franziska Marty. Dass mit ihrer Person der Gemeinderat in der Gruppe vertreten ist, wertet Careum als grosses Plus für die Obfelder Projektgruppe.

Den Kontakt hergestellt, hat die Spitex Knonaueramt. Deren Geschäftsleiterin Verena Bieri engagiert sich im Obfelder «Praxislabor», ebenso wie die Sozialsekretärin der Gemeinde, drei gut vernetzte Mitglieder der Alterskommission sowie ein interessierter Senior aus dem Dorf. Im März hat die Gruppe den Betrieb aufgenommen. In einer ersten Phase des dreijährigen Projekts werden die Bedürfnisse und das bestehende Angebot erhoben. Daraus sollen individuelle Lösungen für die jeweilige Region erarbeitet werden. «Es geht nicht darum, alles neu zu erfinden», stellt Karin van Holten, Projektgruppenleiterin von Careum, klar. Vielmehr gelte es, bestehende Angebote zu vernetzen und durch neue zu ergänzen. Die Fachleute von Careum stehen dabei mit Ideen und methodischen Zugängen beratend zur Seite. Vorgesehen ist auch ein Austausch zwischen den drei Arbeitsgruppen. «Es zeigt sich jetzt schon, dass die Resultate je nach Region ganz unterschiedlich ausfallen werden», so Karin van Holten.

Als wichtiges Konzept hat sich die «sorgende Gemeinschaft» herauskristallisiert. Demnach soll die Last von einem Paar (meist weiblicher) Schultern auf viele verschiedene verteilt werden. Zentral ist dabei die Verlinkung aller Beteiligter – von den Behörden über professionelle Dienstleister wie die Spitex bis hin zu Freiwilligenorganisationen. Weiter gilt es zu klären, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen erreicht werden können. «Dazu braucht es persönlichen Kontakt», weiss Verena Bieri aus Erfahrung.

Eine Gelegenheit, diesen Kontakt zu knüpfen, bietet sich am 2. September im Mehrzweckgebäude Brunnmatt. An einer Info-Veranstaltung mit Apéro will die Obfelder Projektgruppe dann ab 18 Uhr über ihre Erkenntnisse orientieren. Dabei wird die Bevölkerung auch Gelegenheit erhalten, die eigenen Bedürfnisse einzubringen.