Veranstaltungen
22.06.2020

1. August ohne Brunch auf dem Bauernhof

Wo sonst Brunchtische stehen, ist jetzt Heu eingelagert. Die Familie Duperrex freut sich auf den Brunch im nächsten Jahr. Von links: Chantal Arnold-Duperrex, Serge, Maya mit Enkel Vincent und Jean-Jacques Duperrex. (Bild Marianne Voss)

Wo sonst Brunchtische stehen, ist jetzt Heu eingelagert. Die Familie Duperrex freut sich auf den Brunch im nächsten Jahr. Von links: Chantal Arnold-Duperrex, Serge, Maya mit Enkel Vincent und Jean-Jacques Duperrex. (Bild Marianne Voss)

Letztes Jahr bot im Säuliamt nur noch eine Bauernfamilie den 1.-August-Brunch an. Dieses Jahr verzichtet auch die Familie Duperrex vom Uttenberg auf die Durchführung. Die Umsetzung des Corona-Schutzkonzepts ist zu schwierig umzusetzen.

Von: Marianne Voss

Liest man den Begrüssungstext auf der Brunch-Website des Bauernverbands, klingt es sehr optimistisch: «Liebe ­Hofbesucherinnen und -besucher, das Coronavirus hatte uns wochenlang fest im Griff. Zum Glück kehrt langsam wieder Normalität ein – so auch auf den Schweizer Bauernhöfen. Halten Sie sich bei einem Besuch an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit. Dazu gehören Hygienemassnahmen wie gründliches Händewaschen, Hände nicht schütteln sowie genügend Abstand. So steht einem ungezwungenen Aufenthalt nichts im Weg. Die Bauernfamilien freuen sich auf Sie!»

So sehr ungezwungen wird ein Brunch mit diesen Massnahmen jedoch wohl nicht sein, weder für die Gäste noch für die Bauernfamilien. Die einzuhaltenden Massnahmen für die Gastgeber sind in einem sechsseitigen Papier festgehalten und umfassen eine Liste mit zehn Grundregeln: zum Beispiel Hände waschen, keine Durchmischung von Gruppen, zwei Meter Abstand, regelmässige Reinigung der Oberflächen, ­angemessener Schutz von besonders ­gefährdeten Personen oder auch die Empfehlung von Masken, falls gewisse Massnahmen nicht durchführbar sind. Ein gemütlicher Brunch wird das wohl kaum. Wie können Gruppen voneinander getrennt bleiben, wenn ja ­gerade das Sich-Treffen und der gesellschaftliche Austausch zu den wichtigen Gründen für die Teilnahme am Brunch gehören? Wie kann der Gastgeber abschätzen, wer besonderen Schutz braucht und wie diesen durchsetzen?

Zu viel Aufwand: Kein Brunch im Uttenberg

Die Familie Duperrex vom Uttenberg war letztes Jahr die einzige Bauernfamilie im Bezirk Affoltern, die den Brunch noch anbot. Dieses Jahr hat sie sich entschieden, eine Pause zu machen. Serge Duperrex erklärt: «Wir müssten dauernd die Polizisten spielen und die Gäste zurechtweisen. Zudem bräuchten wir durch die Abstandsregel viel mehr Platz, könnten also nur einen kleinen Teil der üblichen Gäste empfangen. Wir müssten zu viele mit einer Absage verärgern oder sogar vom Platz weisen.»

Duperrexs führen auf ihrem Betrieb regelmässig Anlässe und Events durch. Sie sind mit einer neuen Infrastruktur sehr gut eingerichtet dafür. Dieses Jahr werden sie bei diesem Betriebszweig ­Abstriche machen müssen. «Bis August haben wir keine Anlässe angenommen», informieren sie. «Ob das Kürbisfest mit weit über 1000 Besuchenden stattfinden kann, wissen wir noch nicht.»

Die Säuliämtler Bauernfamilie ist bei Weitem nicht die einzige, die sich für eine Absage des Brunchs entschieden hat. Gemäss Information vom Schweizer Bauernverband haben sich im Vergleich zum letzten bis jetzt nur etwa halb so viele Betriebe für die Teilnahme am Brunch angemeldet.