Bezirk Affoltern
09.11.2020

Intensivere Zusammenarbeit zwischen Heim und Schule

Peter Felder vor dem Haupthaus der Pestalozzistiftung. (Bild Thomas stöckli)

Peter Felder vor dem Haupthaus der Pestalozzistiftung. (Bild Thomas stöckli)

Seit dem 1. August leitet Peter Felder das Schulheim Pestalozzi­stiftung in Knonau. Neben der Innensanierung der Gruppen­häuser haben ihn zum Start auch Themen wie Akzeptanz unter den Mitarbeitenden und ein pragmatischer Umgang mit den Kindern beschäftigt.

Von: von Thomas Stöckli

Freundlicher und heller sollen sie werden, die Gruppenhäuser der Pestalozzi­stiftung in Knonau. Die Rundumerneuerung der Küchen, Gänge und Kinderzimmer läuft seit Mitte August. Das erste der drei Häuser ist bereits fertig, momentan laufen die Arbeiten am zweiten und vor Weihnachten soll auch das dritte Haus fertig sein. Das Ziel sei sehr sportlich, schränkt Peter Felder ein, «wahrscheinlich reicht es nicht ganz.» Mit dem Theatersaal und der angrenzenden Wohnung im Haupthaus hat die jeweils ausquartierte Wohngruppe zumindest ein komfortables Provisorium.

Vor 100 Tagen hat Peter Felder die Leitung der Pestalozzistiftung übernommen – nach einer turbulenten Zeit mit einem Vor-Vorgänger, der im Streit gegangen war und einem Vorgänger, der für ein Jahr ad interim übernommen hat. Entsprechend gross sei die Verunsicherung bei den Mitarbeitenden gewesen, blickt der neue Institutionsleiter auf seinen Start zurück. Den grössten Handlungsbedarf hat er an der Systemgrenze zwischen Schule und Wohnen geortet. «Da müssen wir besser zusammenarbeiten», sagt Felder, «und dafür braucht es Verständnis und Vertrauen.» Verständnis etwa, wenn eine Lehrperson oder ein Sozialpädagoge feststellt, dass ein Kind vielleicht einfach mal eine Pause braucht. Um diese Zusammenarbeit zu fördern, kann sich Felder auch vorstellen, dass mal eine Lehrperson in ­einer Wohngruppe mit anpackt oder ein Sozialpädagoge etwas unterrichtet, von dem er viel versteht.

Neuer Fokus auf Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung

18 Plätze für normalbegabte, verhaltensauffällige Schüler bietet das Schulheim mit Bauernhof und pädagogischem Reiten in Knonau an. Die zwei letzten freien Plätze sollten bis Ende Jahr auch noch vergeben sein. «Es laufen bereits Aufnahmeverfahren», so Felder. Ziel sei es, wieder auf 24 bewilligte Plätze zu kommen, nachdem der Kanton vor zwei Jahren auf 18 reduziert hatte.

Mit der reizarmen Umgebung sei das ländliche Schulheim etwa ideal für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung. Das sind Kinder, die oft sehr geräuschsensibel sind oder Mühe haben, mit anderen in Kontakt zu treten. «In diesem Bereich werden wir uns in Zukunft noch intensiver weiterbilden.»

«Marathon» auf Kurs

Wichtig ist dem neuen Leiter eine einheitliche pädagogische Wertehaltung. Dabei setzt er auf einen lösungsorientierten Ansatz (LOA). Was heisst das? «Wir schauen, was funktioniert, und machen mehr von dem», führt Peter Felder aus. «Das Kind ist für sein eigenes Verhalten der Experte und wir fokussieren auf seine Stärken.» Das bedingt intensive Beziehungsarbeit mit dem Kind und die Offenheit, jeden Tag neu anzufangen, unabhängig davon, was schon alles vorgefallen ist.

Verständnis und Vertrauen lassen sich nicht von heute auf morgen aufbauen und auch eine pädagogische Wertehaltung muss Wurzeln schlagen. Den Weg zum Ziel bezeichnet der neue ­«Pestalozzi»-Leiter denn auch als Marathon: «Wir brauchen Ausdauer, immer wieder Verpflegungsstellen und müssen die Kräfte gut einteilen.» Solche stärkende Verpflegungsposten seien etwa Weiterbildungstage für die Mitarbeitenden mit theoretischen pädagogischen Inputs, aber auch grundsätzlich eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und Akzeptanz.

«Mittlerweile haben wir die ersten Kilometer in den Beinen», bleibt Felder beim Bild des Marathons. «Das Tempo ist gut: Wir kommen vorwärts, aber nicht so schnell, dass die Leute nach zehn Kilometern umfallen.»