07.01.2021

Auf der Suche nach der Zeitkapsel

Im «Anzeiger» vom 6. Oktober 1972 fand sich ein Bericht über die Grundsteinlegung, die damals mit einem kleinen Festakt gefeiert wurde. (Archivbilder Anzeiger)

Im «Anzeiger» vom 6. Oktober 1972 fand sich ein Bericht über die Grundsteinlegung, die damals mit einem kleinen Festakt gefeiert wurde. (Archivbilder Anzeiger)

Am 30. September 1972 wurde der Grundstein für das Alterswohnheim Seewadel» gelegt. Dabei wurde auch eine Zeitkapsel hinterlegt. Sie ist so gut versteckt, dass man sie bisher nicht zu Gesicht bekommen hat.

Von: Livia Häberling

Da standen wir also, am vergangenen Montagnachmittag. Vor ­einer Baustelle und einem Rätsel.

Wir, das waren Stadtpräsident Clemens Grötsch, die Stadträtinnen Claudia Ledermann und Eliane Studer Kilchenmann, «Seewadel»-Geschäftsleiterin Verena Feller, Bauleiter Patric Rölli – und die Schreibende. Geplant war, etwas über den Inhalt der Zeitkapsel ans Licht zu bringen, die in den 70er-Jahren im neu entstehenden Alterswohnheim «Seewadel» verbaut wurde. Klar, so lange ist das noch nicht her, aber neugierig macht es ja trotzdem durchaus – alleine schon, weil «Zeitkapsel» so lässig nach Science-Fiction tönt. Was also war drin? Noch was, ausser Bauplänen?

Tja ... bis am Dienstag wusste das niemand so genau. Der Behälter war nämlich nicht aufzufinden. Der Stadtrat hatte vom damaligen Gemeindepräsidenten zwar die Information erhalten, dass Dokumente hinterlegt worden ­waren, er selber war an der Grundstein-
legung jedoch krankheitshalber nicht anwesend und kannte den Ort des ­Behälters nicht. «Wir haben gesucht, aber bisher nichts gefunden», sagt Stadträtin Eliane Studer Kilchenmann. Unter dem Grundstein, wo man die ­Kassette vermutet hatte, wurde bereits gegraben – ohne Erfolg.

Der damalige Gemeindepräsident wusste noch, dass über die Grundsteinlegung im «Anzeiger» geschrieben worden war. Nur wann diese stattgefunden hatte, konnte niemand mehr so richtig sagen. Da die Stadtverwaltung nur über wenige Dokumente zum «Seewadel»-Bau verfügt, konnte auch sie das Datum nicht mehr eruieren. Fabrizio Meo, Abteilungsleiter Immobilien, kannte jedoch das Datum der Einweihung: Es war der 24. August 1974. Im Zeitungsbericht vom 23. August 1974 wurde zum Einweihungsfest ­geladen, und die Bauzeit wurde in einem Rückblick nochmals beleuchtet – auch von einer «schlichten Feier zur Grundsteinlegung Mitte September» war die Rede.

Und nach der Lektüre des «Anzeigers» vom Freitag, 6. Oktober 1972, wusste man dann, was man eben am vergangenen Montag schon gerne gewusst hätte, als man zu sechst vor der «Seewadel»-Baustelle stand: Die Zeitkapsel befindet sich nicht unter oder neben dem Grundstein, sondern darin. In einer feierlichen Zeremonie war die Kassette damals in den Stein gelegt worden, ehe dieser wieder zugemauert wurde.

Und was darin ist ... Nun, es sind tatsächlich nicht nur Baupläne. Gemäss dem Zeitungsbericht sollten in der 
Kapsel auch Fahrpläne zum Vorschein kommen, Infos zum Schulwesen und über die Preise und Löhne in Affoltern. Aber auch Luftaufnahmen von Affoltern, Silber-, Nickel- und Kupfermünzen, ein Warenhauskatalog, Zeitungen, ein Kugelschreiber, ein Damenstrumpf, die Verpackungshülle einer Fertigmahlzeit oder Menüvorschläge eines Restaurants. Und: Zeichnungen einer Schülerin zur gestellten Aufgabe: Unser Dorf und unsere Umwelt im Jahre 2172.

Fabrizio Meo hat inzwischen in die Wege geleitet, dass der Stein vorsichtig geöffnet wird. Fortsetzung folgt ...