Bezirk Affoltern
22.02.2021

«Biodiversität so vermitteln, dass es Spass macht und einleuchtet»

Im Wald treffen verschiedenste Interessen aufeinander: Wirtschaftliche Nutzung, Schutz der Tiere und Freizeitbedürfnisse. Gegenseitige Vermittlung der Bedürfnisse kann Konflikte zumindest entschärfen. (Bild Erika Schmid)

Im Wald treffen verschiedenste Interessen aufeinander: Wirtschaftliche Nutzung, Schutz der Tiere und Freizeitbedürfnisse. Gegenseitige Vermittlung der Bedürfnisse kann Konflikte zumindest entschärfen. (Bild Erika Schmid)

Die Standortförderung will mit dem Projekt Naturnetz alle Akteure im Bereich Biodiversität vernetzen. Anstelle des geplanten Workshops gab es zum Projektstart separate Online-Workshops mit Gemeindebehörden und Werkdiensten, Fischern und Jägern, Bauern und Naturschutzorganisationen.

Von: Bernhard Schneider

«Es hat erstaunlich gut geklappt» bilanziert Standortförderer Johannes Bartels die Erfahrungen mit den Online-Workshops zum Naturnetz Knonauer Amt. Vor der Corona-Pandemie war ein Workshop im Casino Affoltern für Juni 2020 geplant. Dieser wurde zuerst auf Januar 2021 verschoben und mithilfe einer Online-Befragung der wichtigsten Zielgruppen gezielt vorbereitet. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, wurden nun anstelle eines einzigen Workshops gleich deren sechs durchgeführt, allerdings online, mit jeder Zielgruppe etwa anderthalb Stunden lang.

Motivierte Beteiligte

Johannes Bartels stellt eine positive Einstellung aller Anspruchsgruppen gegenüber dem Naturnetz-Projekt fest und meint, es habe sich gelohnt, nicht länger zuzuwarten: «Ich habe die Workshops als sehr effizient und ergiebig wahrgenommen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren motiviert und engagiert bei der Sache.» Projektleiter Nathanaël Wenger, Knonauer Gemeinderat, schliesst sich dem Urteil des Standortförderers an: «Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die virtuelle Durchführung hat bestens funktioniert, auch weil wir uns mit den verschiedenen Akteuren einzeln unterhalten konnten. Sehr geholfen hat dabei die Umfrage, die uns erlaubte, auf den vielen Impulsen, die wir auf diesem Weg erhielten, aufzubauen.»

Es sei faszinierend, zu sehen, was alles im Bereich Biodiversität im Bezirk getan werde, auf dem Youtube-Videokanal des Naturnetzes Knonauer Amt seien einige Beispiele zu sehen: Förster, Fischer, Landwirte. In den Gesprächen habe sich herauskristallisiert, dass es sinnvoll sei, wenn die Projektgruppe Naturnetz zwischen den verschiedenen Akteuren vermittle und gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziere, stellt ­Nathanaël Wenger fest.

Vermitteln zwischen Anspruchsgruppen

Johannes Bartels erkennt klare Konturen für die weitere Entwicklung des Naturnetzes Knonauer Amt: «Ein wichtiges Thema, das sich praktisch durch alle Anspruchsgruppen zieht, ist die Sensibilisierung und Information. Es braucht in der breiten Bevölkerung ein besseres Verständnis davon, was der Biodiversität nützt und schadet. Hier bietet sich eine breite Palette kommunikativer Massnahmen an, vom Flyer über Videos auf Social Media bis zu Erlebnissen nach dem Motto learning by doing, um die Biodiversität in unserer Region fördern, und zwar so, dass es Spass macht und einleuchtet.»

Biodiversität sei ein typisches Querschnittsanliegen, sie interessiere sich nicht für Grundstück-, Gemeinde- und Kantonsgrenzen. Viele Probleme müssten zumindest regional angegangen ­werden: «Das Projekt Naturnetz könnte die kommunalen Neophyten-, Naturschutz und -vernetzungskonzepte auf regionaler Ebene abstimmen und ­zusammenführen. Ein entsprechendes Projekt müsste angesichts der Komplexität und der nötigen Expertise zumindest professionell begleitet werden, es könnte und sollte in der Folge aber dann auch die kommunalen Stellen entlasten.»

Die Online-Workshops dienten der Bestandesaufnahme. In den nächsten Wochen wird die Projektgruppe nun die Handlungsfelder definieren, mit weiteren Videos die Biodiversität veranschaulichen und das Vorgehen bezüglich ­Finanzierung klären.