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19.07.2021

Vernetzung im Gesundheitswesen: «Mehrwert ist bereits sichtbar»

Beat Bär (links), Projektleiter der Alters- und Gesundheitsstrategie Bezirk Affoltern, mit der Co-Leitung des Steuerungsausschusses: Monika Rohr für die Sozialvorstände und Ronald Alder für die Gesundheitsvorstände des Bezirks. (Bild Thomas Stöckli)

Beat Bär (links), Projektleiter der Alters- und Gesundheitsstrategie Bezirk Affoltern, mit der Co-Leitung des Steuerungsausschusses: Monika Rohr für die Sozialvorstände und Ronald Alder für die Gesundheitsvorstände des Bezirks. (Bild Thomas Stöckli)

Das Gesundheitsnetz 2025 kürt im Kanton Zürich jährlich Projekte, die sich speziell auszeichnen durch Patientennutzen, ­Vernetzung und Innovation. Als eines von drei Projekten hat es die Alters- und Gesundheitsstrategie Bezirk Affoltern (Agsba) in die Endauswahl geschafft.

Von: Thomas Stöckli

Eine integrierte Gesundheitsversorgung für den Bezirk Affoltern, die als führend wahrgenommen wird – mit diesem ­ambitiösen Ziel haben die 14 Ämtler ­Gemeinden Anfang 2020 eine gemeinsame Strategie in Alters- und Gesundheitsfragen angestossen. In erster Linie sollte dadurch auf Bezirksebene ein Gesamtüberblick über die bestehenden Angebote geschaffen werden, als Grundlage für eine Versorgung, die sich an den Bedürfnissen der Patienten orientiert. Im letzten Jahr hat die Arbeitsgruppe elf strategische Initiativen evaluiert und in drei Umsetzungsphasen priorisiert (der «Anzeiger» hat berichtet). Im Steuerungsausschuss unter der Co-Leitung von Ronald Alder, Gesundheitsvorstand Ottenbach, und Monika Rohr, Sozialvorsteherin Stallikon, sind die Gemeinden ebenso vertreten wie Spital, Ärzteschaft, Spitex und Pflege. Als Projektleiter ­amtet der Mettmenstetter Gemeinderat Beat Bär.

Bewegung bei den Hausarztpraxen

Seit diesem Frühling arbeitet nun je eine Gruppe an den sechs prioritären Initiativen aus dieser Roadmap. Die ­erste beschäftigt sich unter Leitung von ­Stefan Gyseler, Verwaltungsratspräsident des Spitals Affoltern, mit der ­zukünftigen Rolle des Spitals, wobei diese natürlich stark von der Vergabe der Leistungsaufträge ab 2023 abhängig sein wird.

Arbeitsgruppe zwei um den Mediziner Bruno Köhler setzt sich mit dem (drohenden) Mangel an Hausärzten auseinander. «Hier hat sich in den letzten beiden Jahren schon einiges getan», hält Beat Bär, Gemeinderat in Mettmenstetten und Projektleiter von Agsba, zufrieden fest. So verfügen etwa Hausen und Obfelden bereits über zukunftstaugliche Gruppenpraxen, Knonau hat nachhaltige Zukunftslösungen gefunden und im Mettmenstetter Gewerbegebiet Erspach ist der Aufbau eines subregionalen Zentrums vorgesehen, das mit sieben bis acht Ärzten den Bedarf auch der angrenzenden Gemeinden abdecken könnte. «Da ist richtig Bewegung reingekommen», freut sich Ronald Alder. Das sei auch einer der erhofften Effekte gewesen: dass Leute sich austauschen und sich so Möglichkeiten ergeben. Denn es könne nicht sein, dass eine Gemeinde eine Praxis führe, hält er fest: «Da braucht es private Initiative.»

Über den Tellerrand blicken

Eine dritte Arbeitsgruppe um Franziska Marty, Leiterin des Pflegezentrums ­Sonnenberg in Affoltern, befasst sich derweil mit dem sehr heterogenen Themengebiet Spitex, Pflege und Betreuung. Eine Herausforderung ist hier der ­Mangel an Pflegepersonal, aber auch, wie sich möglichst lange ein weitgehend selbstständiges Leben führen lässt oder wie sich die Institutionen trotz Planungsungewissheiten weiterentwickeln sollen. Die weiteren Gruppen beschäftigen sich mit der Konsolidierung der bestehenden Präventionsangebote, mit der Definition der künftigen Zusammen­arbeit und mit der Optimierung von ­Koordinationsangeboten. «Jeder soll sein Angebot betreiben, aber auch über den Tellerrand blicken und Teil eines grossen Ganzen sein», wünscht sich Monika Rohr und nennt CareNet+, das Ämtler Koordinationszentrum für Gesundheit und Soziales der Pro Senectute Kanton Zürich, als Beispiel für solch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Patienten könnten so vom Erstkontakt in der ­Arztpraxis oder Apotheke triagiert und weiterverwiesen werden.

«Das Projekt Agsba ist eine geniale Plattform», findet Alder: «Der Mehrwert ist bereits sichtbar: In Form von neuen Ideen, einer positiven Dynamik und ­guter Stimmung.» Bis Ende September sind nun die Arbeitsgruppen gefordert, ihre Vorgehensgrundsätze und ein ­Konzept zu erarbeiten. In einer dritten Runde geht es dann bis Ende Jahr darum, einen konkreten Massnahmenplan mit verbindlichen Terminen und Verantwortlichkeiten zu erstellen.

Ob das Projekt auch die Fachjury überzeugen kann und den mit 10000 Franken dotierten Förderpreis des ­«Gesundheitsnetz 2025» gewinnt, wird sich am 18. August entscheiden. Die ­Sieger werden am 21. September im Rahmen eines Vernetzungsanlasses ausgezeichnet.