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20.09.2021

Ein «Tag zum Vergessen»

Für Menschen mit Alzheimer sind liebevolle, stabile Beziehungen wichtig. (Archivbild Regula Zellweger)

Für Menschen mit Alzheimer sind liebevolle, stabile Beziehungen wichtig. (Archivbild Regula Zellweger)

Zum internationalen Alzheimer-Tag machen verschiedene Organisationen im Gesundheitsbereich – wie die Spitex Knonauer Amt und die Memory Clinic des Spitals Affoltern – die Öffentlichkeit auf die Krankheit und die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Bezugspersonen aufmerksam.

Von: Regula Zellweger

Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tags vom 21. September 2021 machen Alzheimer Schweiz, die Stiftung Synapsis – Alzheimer Forschung Schweiz und die Swiss Memory Clinics gemeinsam auf die ­gesellschaftlichen Auswirkungen von Demenz aufmerksam. Unter dem Motto «Demenz – handeln – jetzt!» fordern die drei nationalen Demenz-Organisationen geeignete Rahmenbedingungen für die Prävention, Erforschung und Behandlung von Alzheimer und anderer Demenzformen.

Demenz hat viele Gesichter

Demenz ist der Überbegriff für Erkrankungsbilder, bei denen eine Hirnschädigung zu einem schrittweisen Verlust des Gedächtnisses, des Denkens, der Erinnerung, der Orientierung oder der Verknüpfung von Denkinhalten führt. Es sind rund 50 verschiedene Demenzerkrankungen bekannt. Alzheimer macht rund 60 Prozent aller Demenzfälle aus.

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl der Demenzfälle stark zu. Aktuell leben in der Schweiz rund 145000 Menschen mit Demenz. Im Jahr 2050 werden gemäss Alzheimer Schweiz voraussichtlich 315400 Personen erkrankt sein.

Von einer Demenzerkrankung sind auch Bezugspersonen von Erkrankten oft stark betroffen.

Alzheimer hat unzählige Erscheinungsformen – es gibt so viele, wie es Menschen gibt. Ob es sich tatsächlich um Alzheimer handelt, können insbesondere funktionelle bildgebenden Verfahren zeigen. Mit ihnen kann man Aktivitätsmuster im Gehirn, wie zum Beispiel den Zuckerverbrauch, messen. Eine zuverlässige Diagnose kann im Knonauer Amt – aufgrund einer ärztlichen Zuweisung – die Memory Clinic am Spital Affoltern bieten.

Ist es Demenz?

Demenz beginnt meist schleichend. Früherkennung ist wichtig für eine frühzeitige Pflegeplanung der Demenzkranken. «Bin ich auch betroffen», fragt man sich mit 60plus besorgt, wenn man bei sich Wortfindungsstörungen beobachtet, nach verlegten Dingen suchen muss und manchmal etwas vergisst. Solche Vergesslichkeiten sind im Alter normal – solange man selbst merkt, dass man etwas vergessen hat. Indiz für eine Demenzerkrankung sind erkennbare Persönlichkeitsveränderungen.

Demenzkranke vertuschen in der Anfangsphase ihre Gedächtnisprobleme mit oft erstaunlicher Kreativität. Menschen hingegen, die aus eigener Motivation beim Arzt abklären lassen, ob sie dement sind, sind es oft nicht. Viele erkrankte Personen kommen meist erst auf Initiative naher Angehöriger zum Arzt.

Anforderungen an Fachpersonen

Wer professionell mit Personen mit einer Alzheimer-Erkrankung und ihren Bezugspersonen arbeitet, braucht medizinisches und psychologisches Fachwissen, hohe Selbst- und Sozialkompetenzen, eine lösungsorientierte, wertschätzende und respektvolle Haltung, Konfliktfähigkeit, Geduld und die Fähigkeit, Widersprüchlichkeit zu ertragen.

Ulrike Darsow, Leitende Ärztin Akutgeriatrie und Palliative Care am Spital Affoltern fasst zusammen: «Mich persönlich fasziniert, wie unterschiedlich die Betroffenen in der Erkrankung und wie aufopfernd und flexibel die Angehörigen sind. So muss die Behandlung der Patienten sehr individuell sein und der Ideenreichtum der Angehörigen sowie anderer betreuender Personen ist grenzenlos, um die Lebensqualität des Betroffenen zu erhalten. Dabei müssen wir aber immer wieder darauf achten, dass die Betreuenden nicht über ihre Belastungsgrenze gehen.»