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25.11.2021

«Der Türlersee hält sich gut»

Im November wurde auf dem Türlersee jeweils die Anlage zur Unterstützung der Wasserzirkulation installiert. Diesen Winter bleibt sie auf jeden Fall noch eingelagert. Im Spätsommer 2022 wird Bilanz gezogen. (Bild Thomas Stöckli)

Im November wurde auf dem Türlersee jeweils die Anlage zur Unterstützung der Wasserzirkulation installiert. Diesen Winter bleibt sie auf jeden Fall noch eingelagert. Im Spätsommer 2022 wird Bilanz gezogen. (Bild Thomas Stöckli)

Die Auswirkungen der fehlenden Zirkulationsunterstützung sind messbar, aber der See hat sich gut gehalten – so die Halbzeitbilanz der zweijährigen Versuchsphase am Türlersee. Über das weitere Vorgehen wird frühestens im Spätsommer 2022 entschieden.

Von: Thomas Stöckli

Seit 1987 wurde der Türlersee über die Wintermonate wegen Sauerstoffmangel in der Tiefe jeweils durch eine Umwälzanlage «beatmet». Weil sich die Wasserqualität in den letzten Jahren massiv verbessert hat, wurde die Anlage letzten Winter ausser Betrieb genommen – vorerst für eine Testphase von zwei Jahren. Im ersten Winter mit einigen ungünstigen Phasen reichte die natürliche Wasserumwälzung nicht, um so viel Sauerstoff in die tiefsten Lagen zu bringen, wie in den Vorjahren. So wurden im Frühjahr in 20 Metern Tiefe nur 4,4 statt der mit Zirkulationsunterstützung ­üblichen 8 bis 10 Milligramm Sauer­- stoff pro Liter Wasser gemessen (der ­«Anzeiger» hat berichtet). Das habe man nach einem schlechten Winter allerdings auch erwartet, relativiert Pius Niederhauser von der Abteilung Gewässerschutz beim kantonalen Amt für ­Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel).

Nährstoffgehalt nicht angestiegen

Fehlt der Sauerstoff in der Tiefe, ist auch der bakterielle Abbau der abgestorbenen Biomasse gehemmt, was zu einer ­Anreicherung von Nährstoffen führen kann. Wird sich die Hypothek aus dem Winter in der weiteren Entwicklung also kumulieren? Das ist die grosse Frage. Vorerst sei dies nicht der Fall, stellt Pius Niederhauser anhand der diesjährigen Messungen fest: «Die Ammonium-, Phosphat- und Methan-Konzentration im Tiefenwasser sind nicht angestiegen.» Für die Fische im See ist allerdings die Tiefe zwischen fünf und zehn ­Metern besonders wichtig. In diese Schicht müssen sie sich zurückziehen können, wenn das Wasser an der Oberfläche zu warm wird. Diesen Sommer ist hier der Sauerstoff knapp geworden. Im September wurden in 7,5 Metern Tiefe pro Liter Wasser nur noch knapp 2 Milligramm Sauerstoff registriert. «In den drei Jahren zuvor waren es jeweils etwa 8 Milligramm», ordnet Niederhauser ein. In den Jahren 2014 bis 2017 seien die ­Werte allerdings ähnlich tief gewesen, relativiert er. Zudem lag die Wassertemperatur im September bereits unter 20° C und war somit nicht mehr kritisch.

Schwierige Bedingungen

Für die tiefen Sauerstoffwerte sei denn auch nicht die fehlende Umwälzunterstützung im Winter verantwortlich, sondern vielmehr das Sommerwetter. Bei stabilen Bedingungen – etwa wie im Hitzesommer 2018 – liegen die Algen nämlich tief im See und das Wasser bleibt klar. Der vergangene Sommer war allerdings wechselhaft und eher kühl. Zudem sorgte im Juni Hochwasser für Einschwemmungen, welche den Phosphorgehalt an der Wasseroberfläche ansteigen liessen. Als sichtbare Folgen trübte sich das Wasser und Algen wuchsen in den obersten vier Metern unter der Oberfläche. «Normalerweise befinden sie sich unterhalb dieser Schicht», so Niederhauser. Neben dem vom Hochwasser eingeschwemmten organischen Material zehrten so auch die absterbenden Algen massiv Sauerstoff.

«Unter diesen schwierigen Bedingungen hat sich der Türlersee gut gehalten», bilanziert der Gewässerschutz-Fachmann, auch im Vergleich mit den Messresultaten aus anderen Kleinseen im Kanton. Ob nun die Anlage zur ­Zirkulationsunterstützung wieder in­stalliert oder definitiv abgebrochen wird, das entscheidet sich frühestens im Spätsommer 2022. Und falls die gewonnenen Erkenntnisse zu wenig schlüssig sein sollten, bliebe als dritte Option eine Verlängerung der Versuchsphase.