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13.01.2022

Der Sprung ins Kader ist geschafft

Gianna Andreossi turnt, seit sie dreijährig ist. Inzwischen trainiert sie an fünf Tagen pro Woche im aargauischen Leistungszentrum in Niederlenz. (Bild zvg.)

Gianna Andreossi turnt, seit sie dreijährig ist. Inzwischen trainiert sie an fünf Tagen pro Woche im aargauischen Leistungszentrum in Niederlenz. (Bild zvg.)

Die grosse Leidenschaft von Gianna Andreossi ist das Kunstturnen. Sie trainiert hart, um zu den Besten zu gehören. Nun wurde sie für das Nachwuchs- Nationalkader nominiert.

Von: livia häberling

Als Gianna mit dem Turnen anfing, war sie noch ein Kleinkind. Und so bewegungsfreudig, dass ihre Mutter, Seraina Andreossi, eines Tages «Kinderturnen für Dreijährige» in die Google-Suchmaske eingetippt hatte, auf den Kurs des Kunstturnvereins Zürich-Oerlikon aufmerksam geworden war und nun einmal pro Woche mit ihr nach Regensdorf in die Sporthalle fuhr. Bald habe Gianna auch in der darauffolgenden Lektion mitgeturnt, «im Fördergrüppchen», und später sei ein zweiter, ein dritter Turntag hinzugekommen, erzählt Seraina Andreossi am Telefon. «So sind wir einfach reingerutscht.»

Gianna selbst ist an diesem Dienstagnachmittag nicht zu Hause, und auch nicht in der Schule: Dort geht die Drittklässlerin mittlerweile nur noch morgens hin. Jeden Nachmittag trainiert sie im regionalen Leistungszentrum im aargauischen Niederlenz. «Wir merkten bald, dass Gianna beim Turnen aufblüht, dass dies die Sportart ist, die ihr entspricht», sagt Seraina Andreossi, die in ihrer Jugend ebenfalls Leistungssport betrieben hat. Ihre Tochter sei ein aktives Kind, das Strukturen brauche: «Wenn sie Ferien hat, wirkt sie manchmal fast etwas verloren.»

Nächstes Ziel: ein Podestplatz

Das Talent, das Gianna am Boden, am Barren, auf dem Schwebebalken oder beim Sprung zeigte, blieb nicht lange unentdeckt. Nach dem Shutdown im Frühling 2020, der auch Gianna zur einer Trainingspause zwang, arrangierte ihr neuer Verein, «Kutu Urdorf», im Herbst ein Sichtungstraining mit den Verantwortlichen des regionalen Leistungszentrums Niederlenz.

Zwar würden Zürcher Kunstturnerinnen und Kunstturner eigentlich in Rüti trainieren, der tägliche Bring- und Holservice ins Zürcher Oberland wäre für Giannas Eltern allerdings nicht zu bewerkstelligen gewesen. Wie ihnen ergeht es auch anderen Eltern, deshalb erhalten Mitglieder des «Kutu Urdorf» eine ­Sondergenehmigung, um stattdessen in Niederlenz zu trainieren. Und genau das macht Gianna nun seit etwas mehr als einem Jahr, seit dem positiven Bescheid der Experten.

Gute Rückmeldungen hatte es indes schon früher gegeben: Bereits im Frühling 2019, als Sechsjährige, bestritt Gianna ihre erste Wettkampfsaison. In ihrer Altersstufe turnte sie damals gegen 102 Konkurrentinnen das sogenannte Einführungsprogramm – und wurde Dritte. Dort, sagt Seraina Andreossi, hätten sie und ihr Mann realisiert, dass ihre Tochter nicht nur gerne, sondern offenbar auch wirklich gut turne.

Im darauffolgenden Jahr grätschte dann allerdings Corona in Giannas noch junge Wettkampflaufbahn. Im Jahr 2020 fanden keine Turniere statt, und im darauffolgenden Jahr musste sie in der höheren Kategorie antreten. Dort erturnte sie sich zwar zweimal eine Auszeichnung, doch für die Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft reichte es noch nicht ganz.

Demnächst, im März, startet die neue Saison. Und Giannas Ziele seien klar, erzählt Seraina Andreossi, und zitiert ihre Tochter mit folgenden Worten: «Ich will gute Wettkämpfe turnen und an der Schweizer Meisterschaft aufs Podest.»

Dass Gianna gut in Form ist, hat sie erst kürzlich bewiesen. Gemeinsam mit den anderen Turnerinnen, die in regionalen Leistungszentren trainieren, trat sie vor Weihnachten in Magglingen zum Kadertest an. In ihrem Jahrgang, 2013, gehörte sie schweizweit zu den besten fünf. Damit sicherte sie sich fürs Erste auch einen Platz im Nachwuchs-Nationalkader.

Nun werde Gianna versuchen, diesen Platz zu behalten, erklärt ihre Mutter. Zum einen wolle sie unbedingt im neuen Turnzentrum trainieren, das Ende 2022 in Lenzburg eröffnet wird, zum anderen wäre dies aber auch aus logistischen Gründen wichtig, erklärt Seraina Andreossi: Mit jedem Lebensjahr steigt das Übungspensum. Aktuell trainiert Gianna an fünf Tagen pro Woche drei bis vier Stunden; ab August käme der Samstag hinzu, und ab der 5. Klasse, also ab Sommer 2023, wären es dann am Montag und Mittwoch neu zwei Einheiten täglich, morgens und nachmittags. Das alles ist allerdings nur dann möglich, wenn Gianna zwischen den Trainingseinheiten nicht an die Primarschule nach Obfelden zurück muss, sondern in Niederlenz die Förderklasse besuchen kann. Diese steht jedoch nur den Talentiertesten offen. Ob Gianna auch diesen Sprung schafft, wird sich zeigen.

Gianna Andreossi sucht im Rahmen des Förderprogramms der Sporthilfe eine Patin oder einen Paten, der ihre Sportkarriere mit einer finanziellen Unterstützung begleiten möchte. Nähere Informationen sind zu finden auf: www.sporthilfe.ch/de/Wem-helfen-Sie/Athletenportraits/Patenathleten.html